Irgendwann nicke auch ich ein. Dann hält der Bus irgendwo an
einem Ort, wahrscheinlich auf halben Weg nach Rafha. Fast alle steigen aus und
gehen in einen der Läden um sich was zu Essen zu kaufen. Dann stehen wir eine
Weile draußen und unterhalten uns. Ich fange ein Gespräch mit den Fahrern an.
Beide kommen aus dem Sudan und leben seit einigen Jahren in Saudi. Einige
Minuten später halten ein paar Autos neben uns und ein paar Leute steigen aus
und schleppen ihr Gepäck zum Bus. Als es weitergeht, sitzen hinter mir auf der
letzten Sitzreihe und mir gegenüber einige junge Araber. Da die mich anstarren
versuche ich ein Gespräch mit ihnen anzufangen. Da nur einer wenige Brocken
Englisch kann, ist es schwieriger als gedacht. Sie erzählen mir, dass sie
Studenten und jetzt auf dem Weg nach Riad sind. Sie fragen mich woher ich
komme, was ich mache, wo ich lebe, etc. Irgendwann stockt das Gespräch jedoch
und wir kommen nicht mehr weiter. Dann unterhalten sie sich auf Arabisch und
lassen mich Musik hören. Ein paar Minuten später schreit einer: Lehrer! Schau!
Und zeigt aus dem Fenster. Eine Kamelherde. Noch ein paar Minuten später
dasselbe: Lehrer! Schau! Eine Schafherde. Das ganze wiederholt sich ein paar
Mal und jedes Mal gibt es etwas zu sehen. Dann sagen ihm die anderen etwas und
er lässt mich in Ruhe.
Ich schaue wieder aus dem Fenster und gehe meinen Gedanken
nach. Ihre Konversation auf Arabisch macht mich schläfrig und ich nicke ein.
Einige Stunden später kommen wir in Rafha an. Neben dem Bus
stehen einige Taxen und warten auf Kundschaft. Wir verhandeln mit zwei Taxlern,
laden alles Gepäck auf und los geht die Fahrt! Obwohl man den Flughafen von der
Bushaltestelle aus sehen kann, gibt es keinen direkten Weg dahin. Man muss
irgendwie außen rum fahren. Wir kommen nach ein paar Minuten an, nehmen das
Gepäck von der Ladefläche und gehen zum Einchecken. Leider sind die
Gepäckbestimmungen etwas mies und uns werden Probleme gemacht. Man darf nur
bestimmte Kilos befördern und mehr als ein Gepäckstück ist nicht drin. Ich habe
zwei. Eines wird abgegeben, für das Andere muss ich etwa 20 Euro bezahlen. Gott
sei Dank wird es nicht gewogen. Die Bengalen und die Pakistaner legen ihr Zeug
zusammen, sodass alle Koffer und Reisetaschen etwa gleich wiegen und grad noch
im erlaubten Limit sind. Alles andere wird im Handgepäck gestopft.
Auf einmal ruft einer der Sicherheitsbeamten etwas auf
Arabisch, guckt in unsere Richtung und deutet auf einen großen Reisekoffer auf
dem Röntgengerät. Wahrscheinlich will er wissen wem er gehört weil er etwas
Verdächtiges entdeckt hat. Einer der pakistanischen Kollegen erkennt den Koffer
und ruft den Briten der grad draußen raucht. Der Brite kommt gemütlich und
leicht genervt, weil er seine Zigarette wegwerfen musste, herein und watschelt
langsam zum Sicherheitsbeamten. Der deutet auf dem Koffer sichtlich genervt und
aufgeregt und verlangt vom Briten den Koffer aufzumachen. Der Brite gehorcht.
Dann geht der Beamte durch die Sachen des Briten und findet ein paar
Mückensprays und Deos. Die dürfen nicht mitgenommen werden und müssen da
bleiben. Der Brite hat jedoch etwas dagegen, aber der Beamte beharrt darauf.
Dann fischt der Sicherheitsmann ein großes Holzkreuz aus dem Koffer, schaut es
sich an und fängt an damit herumzuwedeln und sagt etwas auf Arabisch. Der Brite
schaut ihn an und sagt seelenruhig auf Englisch: Was wollen Sie? Das ist ein
Kreuz und kein Schwert oder sonst eine Waffe.
Jeder sagt etwas in seiner Sprache und irgendwann legt der
Beamte das Kreuz wieder in den Koffer. Der Brite verschließt ihn und darf ihn
endlich abgeben.
Währenddessen stehen wir alle in ein paar Meter Entfernung
und schauen uns das Spektakel an. Als ich dann anfange das Ganze zu kommentiere
und so etwas sage wie: Knie nieder du Wicht! Niederknien sollst du dich wenn du
vor dem Herrn stehst und für deine Taten büßen musst du auch du kleiner Wicht,
du! Usw. kann ich mir das Lachen nicht verkneifen und werde von einem der
Bengalen nach vorne geschoben, damit wir aus Sicht- und Hörweite sind. Im
Warteraum kugeln wir uns vor Lachen und ich muss mir dann auch was anhören:
„Sag mal, bist du bescheuert?“ und lachen weiter.
Als dann der Brite kommt, werden wir alle ernst. Er merkt
aber, dass mit uns was los ist. Nach ein paar Minuten laufen wir über das
Rollfeld zum Flieger und steigen ein. Ich sitze neben dem Briten und da fragt
er mich was gewesen ist. Als ich ihm die Geschichte erzähle muss auch er
lachen.
Der Flug verläuft ohne Probleme und eine Stunde später
kommen wir in Riad an. Dort gehen wir durch Kontrollen und endlos langen Gängen
und setzen uns auf ein paar Stühlen und warten auf den Filipino der uns abholen
soll. Nach einer Dreiviertelstunde kommt er mit unserem Boss aus Kanada in zwei
großen, weißen Geländewagen vorgefahren und wir werden zum Hotel gefahren in
dem wir alle unsere ersten Nächte im Königreich verbracht haben. Ich teile mir
eine Suite mit dem Briten. Jeder hat ein sehr großes Zimmer mit Doppelbett.
Außerdem haben wir ein Wohnzimmer, ein großes Bad und eine Küche.
Wüste
Lehrer, schau!
Pause
Rafha
Unser Flieger












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