Donnerstag, 28. August 2014

Teil 27.2


Irgendwann nicke auch ich ein. Dann hält der Bus irgendwo an einem Ort, wahrscheinlich auf halben Weg nach Rafha. Fast alle steigen aus und gehen in einen der Läden um sich was zu Essen zu kaufen. Dann stehen wir eine Weile draußen und unterhalten uns. Ich fange ein Gespräch mit den Fahrern an. Beide kommen aus dem Sudan und leben seit einigen Jahren in Saudi. Einige Minuten später halten ein paar Autos neben uns und ein paar Leute steigen aus und schleppen ihr Gepäck zum Bus. Als es weitergeht, sitzen hinter mir auf der letzten Sitzreihe und mir gegenüber einige junge Araber. Da die mich anstarren versuche ich ein Gespräch mit ihnen anzufangen. Da nur einer wenige Brocken Englisch kann, ist es schwieriger als gedacht. Sie erzählen mir, dass sie Studenten und jetzt auf dem Weg nach Riad sind. Sie fragen mich woher ich komme, was ich mache, wo ich lebe, etc. Irgendwann stockt das Gespräch jedoch und wir kommen nicht mehr weiter. Dann unterhalten sie sich auf Arabisch und lassen mich Musik hören. Ein paar Minuten später schreit einer: Lehrer! Schau! Und zeigt aus dem Fenster. Eine Kamelherde. Noch ein paar Minuten später dasselbe: Lehrer! Schau! Eine Schafherde. Das ganze wiederholt sich ein paar Mal und jedes Mal gibt es etwas zu sehen. Dann sagen ihm die anderen etwas und er lässt mich in Ruhe.

Ich schaue wieder aus dem Fenster und gehe meinen Gedanken nach. Ihre Konversation auf Arabisch macht mich schläfrig und ich nicke ein.

Einige Stunden später kommen wir in Rafha an. Neben dem Bus stehen einige Taxen und warten auf Kundschaft. Wir verhandeln mit zwei Taxlern, laden alles Gepäck auf und los geht die Fahrt! Obwohl man den Flughafen von der Bushaltestelle aus sehen kann, gibt es keinen direkten Weg dahin. Man muss irgendwie außen rum fahren. Wir kommen nach ein paar Minuten an, nehmen das Gepäck von der Ladefläche und gehen zum Einchecken. Leider sind die Gepäckbestimmungen etwas mies und uns werden Probleme gemacht. Man darf nur bestimmte Kilos befördern und mehr als ein Gepäckstück ist nicht drin. Ich habe zwei. Eines wird abgegeben, für das Andere muss ich etwa 20 Euro bezahlen. Gott sei Dank wird es nicht gewogen. Die Bengalen und die Pakistaner legen ihr Zeug zusammen, sodass alle Koffer und Reisetaschen etwa gleich wiegen und grad noch im erlaubten Limit sind. Alles andere wird im Handgepäck gestopft.

Auf einmal ruft einer der Sicherheitsbeamten etwas auf Arabisch, guckt in unsere Richtung und deutet auf einen großen Reisekoffer auf dem Röntgengerät. Wahrscheinlich will er wissen wem er gehört weil er etwas Verdächtiges entdeckt hat. Einer der pakistanischen Kollegen erkennt den Koffer und ruft den Briten der grad draußen raucht. Der Brite kommt gemütlich und leicht genervt, weil er seine Zigarette wegwerfen musste, herein und watschelt langsam zum Sicherheitsbeamten. Der deutet auf dem Koffer sichtlich genervt und aufgeregt und verlangt vom Briten den Koffer aufzumachen. Der Brite gehorcht. Dann geht der Beamte durch die Sachen des Briten und findet ein paar Mückensprays und Deos. Die dürfen nicht mitgenommen werden und müssen da bleiben. Der Brite hat jedoch etwas dagegen, aber der Beamte beharrt darauf. Dann fischt der Sicherheitsmann ein großes Holzkreuz aus dem Koffer, schaut es sich an und fängt an damit herumzuwedeln und sagt etwas auf Arabisch. Der Brite schaut ihn an und sagt seelenruhig auf Englisch: Was wollen Sie? Das ist ein Kreuz und kein Schwert oder sonst eine Waffe.

Jeder sagt etwas in seiner Sprache und irgendwann legt der Beamte das Kreuz wieder in den Koffer. Der Brite verschließt ihn und darf ihn endlich abgeben.

Währenddessen stehen wir alle in ein paar Meter Entfernung und schauen uns das Spektakel an. Als ich dann anfange das Ganze zu kommentiere und so etwas sage wie: Knie nieder du Wicht! Niederknien sollst du dich wenn du vor dem Herrn stehst und für deine Taten büßen musst du auch du kleiner Wicht, du! Usw. kann ich mir das Lachen nicht verkneifen und werde von einem der Bengalen nach vorne geschoben, damit wir aus Sicht- und Hörweite sind. Im Warteraum kugeln wir uns vor Lachen und ich muss mir dann auch was anhören: „Sag mal, bist du bescheuert?“ und lachen weiter.

Als dann der Brite kommt, werden wir alle ernst. Er merkt aber, dass mit uns was los ist. Nach ein paar Minuten laufen wir über das Rollfeld zum Flieger und steigen ein. Ich sitze neben dem Briten und da fragt er mich was gewesen ist. Als ich ihm die Geschichte erzähle muss auch er lachen.

Der Flug verläuft ohne Probleme und eine Stunde später kommen wir in Riad an. Dort gehen wir durch Kontrollen und endlos langen Gängen und setzen uns auf ein paar Stühlen und warten auf den Filipino der uns abholen soll. Nach einer Dreiviertelstunde kommt er mit unserem Boss aus Kanada in zwei großen, weißen Geländewagen vorgefahren und wir werden zum Hotel gefahren in dem wir alle unsere ersten Nächte im Königreich verbracht haben. Ich teile mir eine Suite mit dem Briten. Jeder hat ein sehr großes Zimmer mit Doppelbett. Außerdem haben wir ein Wohnzimmer, ein großes Bad und eine Küche.

                                          Wüste












                                Lehrer, schau!




                                Pause

                                Rafha



                                Unser Flieger

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