Montag, 15. September 2014

Teil 31


Ich verbringe einige Zeit damit in den geschätzten 80qm hin und her zu gehen und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich bin schon öfters in Luxushotels gewesen, aber das hier ist eine Nummer größer und exklusiver. Auch deswegen liebe ich die arabische Welt. Alles ist größer, luxuriöser und exklusiver als bei uns. Hier kriegt man was für sein Geld. Ich warte eine Zeitlang bis mein Gepäck da ist. Ich fühle mich müde und möchte ins Bett, kann aber nicht, weil die Kontaktflüssigkeiten im Koffer sind. Deswegen schreibe ich ein paar E-Mails. 2 – 3 Stunden später gehe ich runter zur Rezeption um nachzufragen ob mein Gepäck schon da ist und es mir nicht gebracht wurde und ob sie beim Flughafen anrufen könnten um nachzuforschen wo es ist und bleibt.

Die Dame an der Rezeption weiß von nichts. Sie ruft beim Flughafen an, aber es geht keiner ran. Mist! Dann frage ich ob wir uns zentral befinden und ob es hier in der Nähe irgendwelche Sehenswürdigkeiten gibt. Die Dame meint ich solle einfach aus dem Hotel raus, rechts abbiegen, am Ende der Straße links und dann wieder rechts. Vor mir werde ich eine Moschee mit spiralförmigem Turm sehen. Ich solle mich daran richten. Gesagt - getan. Ich gehe einfach aus dem Hotel raus und folge ihren Anweisungen. Als ich den spiralförmigen Turm sehe, marschiere ich in dessen Richtung. Ich komme an Geschäften mit Schuhe und Taschen und Kleidung vorbei, einigen Restaurants und Handygeschäften. Irgendwann biege ich links ab und sehe vor mir einen Souq. Ich gehe die Straße entlang und komme an vielen Bekleidungsgeschäften, Friseurläden, Elektromärkten, etc. vorbei. Dann biege ich wieder irgendwo ab und ein Geruch steigt mir in die Nase. Ein würziger Geruch der vom Wind direkt in meine Nase geführt wird. Das Bild ändert sich. Die Szenerie wird schöner, bunter, traditioneller. Ich bleibe mitten auf einem Platz stehen und lasse meinen Blick schweifen. Menschen jeglicher Couleur kommen und gehen, Gerüche und Geräusche kommen aus allen Seiten. Ich möchte ein Foto machen, stecke meine Hände in meine Jackentaschen und merke erst jetzt, dass ich a) kein Handy, b) keine Kamera und c) nicht mal die Adresse und den Namen des Hotels dabei habe. Auch Geld und Papiere habe ich keine dabei. Nur eine Kreditkarte, ein paar Taschentücher und die Magnetkarte für die Hotelzimmertür auf der nichts steht. Super! Ich gerate aber nicht in Panik und gehe weiter. Jetzt sehe ich den Turm wieder über dem Dach eines Gebäudes ragen und bewege mich in dessen Richtung. Ich erreiche die Moschee und gehe rein in den Hof. Ein paar Menschen huschen an mir vorbei und verschwinden hinter verschiedenen Türen. Da ich nicht weiß welche die richtige Tür ist, warte ich ein wenig bis jemand raus kommt oder rein geht. Als nach einer Minute sich kein Mensch blicken lässt, halte ich nach Schuhen Ausschau. Vor zwei Türen liegen die meisten Schuhe. Vor der einen entdecke ich Herrenschuhe. Also ziehe ich meine Schuhe dort aus und gehe rein. Es sind wenige Männer da, die alle verteilt im großen Raum sind. Ich schaue mich um und knie mich irgendwohin hin. Es angenehm kühl und ruhig hier drin. Kein Lärm dringt von draußen her.

Nach meinem Gebet gehe ich wieder nach draußen, ziehe meine Schuhe an und setze meine Entdeckungsreise fort. Ich komme an einem anderen Souq vorbei an dem es herrlich duftet. Hier werden Gewürze gehandelt. Ich atme tief ein. Ah, ist das ein Genuss! Die Gewürze werden in riesigen Säcken zum Verkauf angeboten und man kann mit einer kleinen Schaufel so viel in die Tüte rein tun wie man möchte und braucht. Ich gehe weiter und komme an einer Stelle vorbei an der es mehrere Cafés und Restaurants gibt. So langsam wird es dunkel und ich muss zurück. Zurück? Wie? Wohin? Wie heißt das Hotel noch mal? Mist! Wo bin ich gerade hergekommen? Ich schaue mich um und versuche mich zu erinnern aus welcher Richtung ich gekommen bin. Hmm… alles schaut irgendwie gleich aus. Scheiße! Was mache ich jetzt? Wo war noch mal dieser spiralförmige Turm? Ich gehe durch einige Gassen und versuche mich zu erinnern woher ich gekommen bin und suche gleichzeitig nach dem Turm. So langsam kommt mir einiges bekannt vor. An jeder Ecke konzentriere ich mich und biege meistens richtig ab. Falls mir mein Gefühl sagt, ich sei falsch, kehre ich zurück und versuche einen anderen Weg. Bald sehe ich auch den Turm und gehe auf ihn zu. Von dort wird alles schwieriger. Dann schlage ich einen Weg ein der sich als komplett falsch erweist. Ich bemerke es aber nicht sofort, sondern gute 20 Minuten später. Ein Teil des Weges ist schon richtig, aber danach verliere ich mich in den Gassen. Den Turm sehe ich auch nicht mehr. Also gehe ich einen Teil zurück bis mir etwas bekannt kommt. Dann biege ich in eine andere Richtung. Diese Entscheidung ist die Richtige. Jetzt bin ich auf meinem Pfad. Etliche Minuten später sagt mir mein Bauchgefühl, dass ich mich ganz in der Nähe des Hotels befinde. Bloß wo ist das Hotel? Ich schaue mir die hohen Gebäude an und auf einmal kommt mir der Name des Hotels wieder. Ich gehe in einen Laden rein um zu fragen, aber die Menschen dort verstehen kein Englisch und mit dem Namen des Hotels können sie auch nichts anfangen. Sie schicken mich aber in ein anderes Hotel. Dort frage ich nach dem Weg. Zwei mal links wird mir gesagt. Tatsächlich! Ich biege zweimal links ab und stehe vor meinem Hotel. Super! Kaum drin, sagt mir die Dame am Empfang, dass mein Gepäck auch angekommen ist und auf meinem Zimmer auf mich wartet. Ich gehe auf mein Zimmer und tatsächlich, es ist da. Dann gehe ich zum Abendessen. Denn auch das Abendessen ist umsonst. Und ich muss sagen es ist sehr lecker. Danach gehe ich zurück auf mein Zimmer und falle Tod ins Bett.

Der Wecker klingelt sehr früh und es ist dunkel draußen. Da das Restaurant noch nicht aufgemacht hat, werde ich am Flughafen frühstücken. Das Taxi kommt auch bald und holt mich und ein paar andere ab.

Am Flughafen gehe ich zum Check-In Schalter und werde von einer Griechin bedient. Wir unterhalten uns eine Zeitlang auf Griechisch ehe ich weiter muss. Die Krise und die Arbeitslosigkeit haben sie nach Doha gebracht. Ich gehe durch die Kontrollen und direkt in die Lounge zum Frühstücken. Die Atmosphäre hier drin ist ruhig, leger, entspannt. Ich frühstücke in aller Ruhe und setze mich auf ein Ledersofa und spiele auf meinem iPad herum. Als ich irgendwann meinen Kopf gen Bildschirm hebe, sehe ich: Final Call for Athens. Mist! Ich spurte hinaus zum Gate. Mit dem Bus geht es zum Flieger. Da es mehrere Busse sind, halten sie alle von den verschiedenen Türen. Mein Bus hält hinten an. Also steige ich ganz hinten im Flugzeug ein. Ich zeige meine Boardingkarte und die Stewardess meint, ich habe einen langen Weg vor mir und weist mir mit einer Handbewegung die Richtung nach vorne. In der Mitte des Flugzeuges, werde ich wieder nach meiner Karte gefragt und wieder heißt es: Immer nur weiter. Dann komme ich zum Vorhang der die Business- von der Holzklasse trennt. Dort werde ich angehalten und gemustert und nach meiner Karte gefragt. Als die Stewardess meine Karte sieht, wird sie freundlicher und zeigt mir meinen Sitz. Kaum auf meinem Sitz, springt eine zweite Stewardess und fragt nach meiner Karte. Kaum ist sie weg, kommt ein Steward und verlangt nach meiner Karte. Ich schaue mich um und sehe, dass a) alle Passagiere der Businessklasse viel älter als ich sind und b) geschäftsmäßig gekleidet sind. Ich trage wieder Jeans und meinen bordeauxfarbenen Kapuzenpulli meine Uni, University of Hull. Dann ist endlich ruhe. Da neben mir keiner sitzt, breite ich mich aus. Ich spiele ein wenig am Sitz herum und lehne mich gemütlich zurück und schaue aus dem Fenster runter zur Wüste. Katar und Saudi, zwei Länder nebeneinander die in vielen Sachen unterschiedlich sind. Bilder des gestrigen Nachmittags schießen mir durch den Kopf. Frauen die keinen Schleier vorm Gesicht trugen und mit ihren Männer in den Restaurants, Cafés und Tavernen saßen und tranken und aßen. Das gibt es in Saudi nicht. Überall arbeiten Frauen und sie dürfen sogar Auto fahren. Sie tragen aber eine Abaya und Kopftuch.

Der Steward der plötzlich neben mir steht und wissen möchte was ich zu Essen mag, bringt mich aus meinen Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Man hat eine Auswahl wie in einem Luxusrestaurant.

Die fünf Stunden bis nach Athen vergehen angenehm und schnell. Ich bekomme allerhand zu essen und zu trinken und mache Bilder von der Wüste, vom Suezkanal und einigen griechischen Inseln.

Als ich später am Gepäckband stehe frage ich mich: war das alles nur geträumt oder Wirklichkeit?

Draußen werde ich herzlich in Empfang genommen und kräftig umarmt.


                                Felder in der Wüste im Nordwesten Saudis.







                                Suezkanal



















 
Griechische Inseln

 

Sonntag, 14. September 2014

Teil 30


Es ist früh am morgen und in ein paar Stunden fliege ich von Dammam über Doha nach Athen. Ich bestehe darauf ein Taxi zu nehmen, aber mein Kumpel meint es sei zu gefährlich so wie die Taxler fahren. Ich solle mir lieber eine Limousine bestellen. Die kostet aber wesentlich mehr und ich sehe es nicht ein den vielfachen Preis zu bezahlen. Was soll mir denn passieren? Da ich stur bleibe, fährt mich mein Kumpel zum Flughafen. Die Fahrt von Al Khubar dauert eine Dreiviertelstunde und führt durch Wüstenlandschaft.

Als wir ankommen verabschieden wir uns von einander und ich schleppe mein Gepäck zum Check In. Dort wird es wie immer gewogen, mein Pass und mein Ticket kontrolliert und plötzlich werde ich vom Beamten angeguckt. Ich erschrecke und denke mir, was will er jetzt von mir?

„Sir, Sie haben Übergepäck. Nehmen Sie diesen Zettel und gehen sie zum Schalter um die Ecke um zu bezahlen und kommen dann wieder.“

Mist! Das wird teuer, denke ich mir. Also gehe ich um die Ecke wie mir befohlen wurde und gebe den Zettel ab.

„Das macht 480 Rial“ sagt der Mann nachdem er auf dem Zettel geschaut und etwas in seinem Computer getippt hat.

„Echt, soviel? Über wie viele Kilos sprechen wir?“

„Sieben.“

Mist, es sind die Scheißschulbücher! „Kann ich etwas aus meinem Koffer entfernen, damit es leichter wird?“

„Nein, es ist leider zu spät!“

„Ihr Säcke!“

„Ha?“

„Nichts. Kann ich mit Karte zahlen?“

„Nein. Aber dort drüben gibt es einen Automaten zum Geldabheben.“

„Dreck!“

Also schlendere ich zum Automaten und hebe 500 Rial ab. Ich bezahle die Strafe, bekomme einen Stempel auf den Zettel und darf wieder zurück zum ersten Schalter. Dort wird mir der Zettel abgenommen und eine Boardingkarte gegeben. Ich schaue sie mir an und merke, dass a) ich nur eine anstatt zwei bekommen haben und b) Doha drauf steht. Was ist mit dem Anschlussflug? Ich frage nach einer zweiten Boardingkarte und bekomme als Antwort, dass ich sie in Doha kriegen werde. Hmm… da ist etwas Faul. Das gefällt mir nicht.

Ich gehe durch ein paar Kontrollen und eine halbe Stunde später sitze ich in einem fast leeren Flieger. Ein mulmiges Gefühl begleitet mich die ganze Zeit und sagt mir, dass ich heute nicht in Athen ankommen werde. Gleichzeitig wurmt mich, dass ich fast 100 Euro fürs Übergewicht zahlen musste. Mein Gefühl aber sagt mir, dass die Säcke dafür zahlen werden.

Der Flug ist angenehm und da wir sehr wenige Passagiere sind, ist der Service tadellos. Als wir mit 15-minütiger Verspätung in Doha ankommen, flitze ich schnell zum Gate nach Athen. Dort erwartet mich eine endlos lange Schlange. Mist! Ich gehe an allen vorbei bis zum Steward nach vorne und erkläre ihm meine Situation mit der einen Boardingkarte. Er meint, ich solle mich einreihen und dann zu der Dame weiter hinten gehen. Sie wird mir weiterhelfen. Als ich an der Reihe bin gehe ich zur besagten Dame. Sie schaut sich meinen Pass und mein Ticket an, tippt etwas in ihren Computer, schüttelt den Kopf und meint: „Leider gibt es ein Problem. Nehmen Sie ihren Pass und Ticket und gehen Sie da hinten zum Helpdesk.“

„Was ist los?“ frage ich.

„Gehen Sie zum Helpdesk, dort wird Ihnen geholfen.“

Super! Nicht mal eine Antwort kriegt man.

Am Helpdesk angelangt, sehe ich wie es nur drei Schalter gibt und die Hölle los ist. Ich drehe meinen Kopf und sehe noch drei Schalter wo fast nichts los ist. Beim ersten stehen fünf Leute, beim anderen daneben werde gerade zwei bedient. Ich stelle mich hinter die zwei Personen und warte. Als sie nach fünf Minuten immer noch nicht fertig sind, gehe ich nach vorne, klatsche mit meinem Pass und Ticket auf die Schalteroberfläche und sage: „In 45 Minuten geht mein Flieger nach Athen. Werde ich drauf sein oder nicht? Und falls nicht, warum?“

Die Dame guckt mich an, nimmt meine Dokumente, tippt etwas in ihrem Computer und erzählt mir, der Flieger sei überbucht und ich werde heute hier bleiben, weil es keinen anderen Flug mehr gibt und der Nächste erst morgen Früh geht.

Super! Ich sehe mich wie Tom Hanks im Flughafen übernachten.

„Warten Sie kurz und ich helfe Ihnen weiter.“

Zehn oder so Minuten später ist sie fertig mit den zwei Personen und widmet mir ihre volle Aufmerksamkeit. Sie tippt wieder etwas, schaut mich an und meint: „Das tut uns sehr leid mein Herr, machen Sie sich aber keine Sorgen, denn die Politik der Qatar Air sieht eine Entschädigung vor.“

Und plötzlich entschwinden sämtliche Gewitterwolken, die Sonne kommt raus und ein Strahlen breitet sich langsam auf meinem Gesicht aus wie ich höre was mir die Dame alles so erzählt.

„Sie haben Anspruch auf eine kostenlose Übernachtung mit Abendessen und Frühstück und kostenlosen Transfer. Darüber hinaus können Sie wählen ob Sie einen Scheck über 250 USD haben möchten oder doch lieber ein Upgrade in die Businessklasse. Den Scheck können Sie innerhalb eines Jahres überall auf der Welt eintauschen. Bis wir Ihnen ein Hotelzimmer gefunden haben, können Sie sich in die Businesslounge setzen und wir kommen und holen Sie ab, wenn wir fertig sind.“

Ich bin völlig perplex ob der herrlichen Neuigkeiten und überlege kurz: Der Dollar steht zurzeit sehr schlecht zu Pfund und Euro. Wer weiß ob beim Eintausch Gebühren verlangt werden oder nicht. Wenn der Flieger heute überbucht war, wird der morgen Früh auch voll sein. Fünf Stunden eingepfercht in der Holzklasse? Nein, dann doch lieber Businessklasse.

Die Dame gibt mir ein Ticket für die Lounge und weist mir den Weg. In der Lounge angekommen, werde ich erstmal schief angeschaut, weil ich in Jeans erscheine, mit grauen GEOX Schuhen und einen bordeauxfarbenen Kapuzenpulli auf dem University of Hull draufsteht. Als ich denen mein Ticket für die Lounge zeige, werden die Herrschaften auf einmal extrem freundlich. Kleider machen Leute, nicht war? Genauso ist es. Drinnen ist es wie im Schlaraffenland. Es gibt zu Essen und zu Trinken und alles ist umsonst. Ich schlage mir den Bauch voll und gehe dann hinüber zu den Sofas und Sesseln mit Tischen davor und mache es mir bequem. Ich nehme mein Laptop raus und vertiefe mich in meine E-Mails. Es werden keine störende Ansagen gemacht, sodass man in dieser eigenartig entspannten Atmosphäre leicht das Zeitgefühl verlieren und somit seinen Flieger verpassen kann. Irgendwann kommt die Dame vom Helpdesk und bittet mich ihr zu folgen. Ich gehorche brav und gehe ihr hinterher. Beim Schalter angekommen, überreicht sie mir ein Ticket fürs Hotel, die Boardingkarte für morgen Früh und erklärt mir wie alles ablaufen wird. Da ich mein Gepäck brauche, telefoniert sie ein wenig rum und klärt das für mich. Dann bringt sie mich in eine Halle wo schon ein paar andere Gestrandete warten und geht. Ein paar Minuten später kommt ein Bus und holt uns alle ab und bringt uns zur anderen Seite des Flughafens. Dort gehe ich durch eine Kontrolle und schnurstracks in ein Büro um das mit meinem Gepäck zu klären. Dort wird mir erzählt, dass mir das Gepäck am Nachmittag ins Hotel gebracht wird. Dann gehe ich durch eine andere Kontrolle. In der Halle dahinter gibt es Vertretungen von sehr vielen Hotels. Ich gehe zu meiner Vertretung und überreiche ihnen mein Ticket. Der Herr meint ich solle warten bis a) er ein Taxi organisiert und b) noch ein paar andere Passagiere kommen. Als ich so mitten in der Halle stehe, bemerke ich dass die Frauen hier zwar die Abaya und ein Kopftuch tragen, aber keinen Schleier vorm Gesicht. Faszinierend und gewöhnungsbedürftig. Auch deren Abayas sind in vielen verschiedenen Farben und nicht nur schwarz wie in Saudi.

Endlich kommt der Mann wieder und bringt ein paar Leute mit. Dann gehen wir über die Straße zu einem Taxi das uns zum Hotel fährt. Nach fünf Minuten sind wir da. Wir steigen aus und gehen zur Rezeption. Da Hotel ist ein moderner Glaspalast in einer Büro- und Hotelgegend. Etwas enttäuscht bin ich. An der Rezeption wird ein Angestellter zu gewunken und führt mich zum Zimmer. Es geht mit dem Fahrstuhl zum 12. Stock. Der Angestellte sperrt mir die Tür auf und geht. Ich trete herein, und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Warum? Bilder unten bitte anschauen! Rechts neben dem Eingang befindet sich ein WC. Vor mir erstreckt sich ein langer und breiter Raum. Darin befinden sich: Ein Tisch mit Spiegel. Eine Bar mit Kaffeemaschine und Wasserkocher. Ein Flachbildfernseher. Eine Wohnzimmergarnitur. Ein Esstisch. Wo ist das Bett? Im anderen Raum. Im Raum daneben befindet sich ein sehr großes Schlafzimmer mit großem Bad, Sofa mit herrlichem Ausblick direkt davor und an einer Seite sind all die Schränke. WOW! Danke Qatar Air!


















Donnerstag, 11. September 2014

Teil 29


Es ist Sonntag später Vormittag als ich aufwache und ich träume immer noch vom Mitternachtspicknick in der Wüste. Mein britischer Kollege ist schon längst wach und beim Packen. Ich brauche etwas zu Essen. Nach dem Duschen gehe ich die anderen suchen. Einige sind schon weg zum Frühstücken, ein paar sind noch da und packen. Wir gehen zum nächstgelegenen Geschäft und kaufen etwas zum Essen ein. Dann gehen wir zur Suite der Bengalen und frühstücken ausgiebig. Traurigkeit hängt im Raum. Danach verabschieden wir uns. Die Kollegen fahren später am Abend nach Mekka für ein paar Tage.

Ich fahre heute nach Al Khubar an die Ostküste in die Nähe von Dammam einen alten Freund besuchen, den ich nach vielen Jahren über LinkedIn wiedergefunden habe. Ursprünglich wollte ich mit dem Zug reisen. Es gibt in Saudi eine einzige Zuglinie und die ist zwischen Riad und Dammam. Außerdem sind die Züge sehr luxuriös und schnell. Die haben ein System wie die Flugzeuge. Man muss sein Gepäck abgeben und einchecken, man darf nur bestimmte Kilos mitnehmen, es gibt verschiedene Klassen und am Ende der Reise nimmt man es wieder in Empfang. Handgepäck ist erlaubt. Außerdem ist es sehr günstig Bahn zu fahren. Leider ist gerade Ferienzeit ist es ist alles ausgebucht. Da ich nicht fliegen möchte, beschließe ich mit dem Bus zu fahren. Es gibt VIP-Busse die einen Abholen und am Zielort bis zur Haustür bringen. Im Bus gibt es mehr oder weniger die Hälfte der Sitzplätze eines normalen Busses und es wird einem ein Komfort angeboten wie in der First- oder Businessklasse eines Flugzeuges. Ist zwar ein teurer Spaß, aber ich möchte es mir gerne gönnen. Leider geht keiner ans Telefon. Ich versuche es zehn Mal und gebe auf. Also bleibt der normale Bus übrig.

Mit dem Taxi geht es zum Busbahnhof. Ich halte ein Taxi vorm Hotel an und frage was es kostet. Der Taxler mustert mich und nennt einen überteuerten Preis. Ich verhandle was das Zeug hält, aber er geht nicht runter. Dann kommt ein anderes Taxi vorbei und ich halte es an. Wieder dasselbe Spiel. Ich dränge darauf mit der Uhr zu fahren und der Fahrer willigt ein. Am Ende kostet mich die halbstündige Fahrt ca. 10 Euro. Am Busbahnhof angekommen, stehen Asiaten mit Kofferwägen bereit. Für 2 Rial, ca. 50 Cent transportiert mir einer das Gepäck. Er bringt mich zum Schalter und da es ein wenig pressiert, weil der Bus in ein paar Minuten losfährt, geht er am Schalter nach vorne und erzählt dem Ticketverkäufer irgendwas was ich nicht verstehe. Dann dreht er sich um und verlangt das Geld von mir. Ich bezahle und bekomme den Fahrschein. Dann rennen wir durch die Halle zum Bus. Am Bus bin ich einer der letzten der einsteigt. Dort gebe ich dem Asiaten noch ein gutes Trinkgeld und steige hinten im Bus ein. Kaum drin, sehe ich dass er voll ist. Das kann ja heiter werden! Auf dem Ticket steht keine Platznummer. Ich schaue mich nach einem freien Platz um, aber schon höre ich den Fahrer rufen: „Doktor! Doktor“ Er macht eine Handbewegung und signalisiert, dass ich nach vorne soll. Er schickt einen Araber nach hinten und platziert mich hinterm Fahrersitz. Neben mir sitzt ein Pakistaner und direkt gegenüber seine Frau und seine Tochter.

Die Fahrt beginnt. Er geht durch die Wüste. Ca. 450Km nichts als Wüste. Es ist traumhaft und atemberaubend. Ich freue mich wie ein kleines Kind und wahrscheinlich bin ich der einzige im Bus der sich so fühlt.

Ich unterhalte mich eine zeitlang mit dem Pakistaner und er versorgt mich mit gekühlten Getränken von der Kühlbox des Busses die vor den Sitzen seiner Frau und Tochter ist. Irgendwann nicken wir beide ein. Nach drei Stunden Fahrt machen wir eine Pause. Es ist ein Tankstellengelände mitten im Nichts. Es gibt eine Moschee, einen Teeladen, einen kleinen Supermarkt und ein Restaurant mit Imbiss. Ich möchte etwas essen, aber es gibt nur Kabsa. Also verzichte ich. Die Passagiere verteilen sich. Einige gehen zum Beten, andere zum Teetrinken und andere zum Essen. Ich gehe ein wenig spazieren und genieße die Aussicht. Dann kommt ein Afrikaner daher und fängt ein Gespräch an. Er kommt aus Eritrea sagt er, studiert in Riad und sei jetzt auf dem Weg nach Dammam Freunde zu besuchen. Er möchte von mir so einiges wissen und fragt ob ich wisse wo Eritrea liege. Ja, das weiß ich. Als ich ihm erzähle, dass ich ein Patenkind in Äthiopien habe, guckt er mich mit großen Augen an. Leser meines Romans „Nachts…..“ kennen die Geschichte. Da ruft schon der Busfahrer zur Weiterfahrt.

Noch mal drei Stunden später kommen wir in Dammam an. Dort gehe ich aus dem Bahnhof raus auf der Suche nach meinem Freund der mich abholen kommt. Vorm Eingang stehen Taxifahrer die alle möglichen Städtenamen rufen: Riad! Mekka! Medina! Alles am Arsch der Welt. Gibt es tatsächlich Leute die 1000+ Km mit dem Taxi fahren? Da entdecke ich meinen Kumpel. Wir fahren zuerst ins Zentrum von Dammam etwas essen. Wir gehen in ein Steakhaus. Alles edel da drin, eine ganz andere Welt. Eine westliche Welt, nicht so wie in Ar’ar. Auch die Preise sind eher westlich orientiert. Mit ca. 12 – 13 Euro pro Person ist es immer noch günstiger als in Europa, aber wesentlich teurer als in Ar’ar. Danach fahren wir zum Compound wo er wohnt. Es ist mein erstes Mal in einem Compound. Ich habe viel darüber gelesen und gehört, aber jetzt muss ich sagen bin ich enttäuscht. Schön einen Pool vor der Haustür zu haben, eventuell ein Fitnesscenter, einen Billardraum, etc, aber das ganze wirkt zu steril. Außerdem leben hier nur Westler. Kontakt zu Arabern und zur arabischen Welt hat man kaum bis gar nicht. Nicht so wie wir es in Ar’ar hatten, wo wir mit den Arabern gelebt haben.

Die nächsten zwei Tage vergehen ruhig. Da mein Kumpel arbeiten muss. Bin ich bis zum frühen Nachmittag alleine. Ich gehe ein wenig in der Gegend spazieren, entdecke aber nichts Interessantes.

Am Nachmittag gehen wir in ein Restaurant essen. Westliche Kette, Namen möchte ich nicht verraten. Hier sehe ich einen gewaltigen Unterschied zu Ar’ar. Als es Betenszeit ist, werden wir nicht aufgefordert das Lokal zu verlassen. Die Tür wird verriegelt, die Vorhänge werden zugezogen, und drinnen wird weiterserviert. Oha! Dasselbe erlebe ich einen Tag später wieder. Anscheinend ist das hier normal.

Dann treffen wir einen Freund meines Freundes. Wir holen ihn beim Sheraton Hotel ab. Während wir auf dem Parkplatz warten bestaunen wir all die Ferraris, Maseratis, Porsches, Lamborghinis, alle in weiß. Als der Freund endlich da ist fahren wir Spazieren, gehen Kaffee, bzw. Teetrinken und fahren zur Corniche und durch eine Villengegend. Alle Achtung was hier für Paläste stehen! Da es in der östlichen Provinz das meiste Öl gibt, leben hier sehr viele Reiche und Superreiche. Ich fühle mich etwas eigenartig. Bis vorgestern war ich in einer arabischen Kleinstadt mitten in der Wüste und heute bin ich von Luxus umgeben. Irre das ganze! Und faszinierend. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus.

Montag, 8. September 2014

Teil 28


Es ist Nachmittag, wir alle sind in unseren Suiten und einige von uns ziemlich hungrig. Wir beraten ob wir etwas essen gehen oder nicht. Geplant ist, dass wir später in die Wüste zum Picknicken gehen. Bloß, wann das stattfindet, wissen wir nicht genau. Unser Big-Boss aus Kanada und der Filipino, haben uns abgesetzt und sind irgendwohin gefahren und wir wissen nicht wo die sind. Einer von uns nimmt sein Handy und versucht den Filipino zu erreichen. Leider geht er nicht ran. Dann versucht er es beim Big-Boss. Erst nach einer Weile geht er ran und gibt uns eine wage Antwort ohne Zeitangabe. Wir übersetzen seine Worte folgendermaßen: Es wird lange dauern bis wir zurück sind. So beschließen wir zum nächstgelegenen Laden zu laufen und uns was zu Essen zu kaufen.

In der Tat, es dauert sehr, sehr lange bis der Big-Boss und der Filipino wieder auftauchen. Zuerst kommt der Big-Boss und einige Zeit später der Filipino. Wir steigen endlich in die Autos ein, (ich in meiner Araberkluft die beim Personal und bei den anderen Gästen ganz gut ankommt, es wurden viele Fotos von mir und mit mir gemacht) und freuen uns, dass wir endlich in die Wüste fahren. Doch was passiert nach zwei Minuten? Wir fahren auf dem Parkplatz des nächsten Carrefour und parken dort. Der Filipino verschwindet im Laden und kommt nach einer halben Stunde wieder. Dann geht’s endlich weiter.

Wir fahren ca. eine halbe Stunde und biegen irgendwo ab. Dort wartet ein anderes Auto auf uns. Die Fahrer steigen aus, begrüßen sich und steigen nach zwei Minuten wieder ein. Dann fahren wir ein wenig im Sand und kommen zum Stehen. Wir sind da. Wir steigen aus, machen uns mit dem Fahrer des anderen Autos bekannt, er ist ein Freund unseres Big-Bosses und des Filipinos, laden alles aus und gehen ein paar Meter. Erst dann wird uns bewusst wo wir eigentlich sind und bleiben alle auf einmal stehen. Die Aussicht ist phänomenal! Wir sind nicht nur in der Wüste, wir sind auf einem Hügel von dem man eine grandiose Sicht über Riad hat. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir gehen bis zum Ende des Hügels und breiten alles aus. Es wird Feuer gemacht, Decken ausgebreitet, Teller, Becher, Gläser, Essen, etc. ausgepackt. Das Fleisch wird auf den Grill geworfen, Salat und Reis sind schon fertig und liegen vor uns. Wir ziehen die Schuhe aus und setzen uns auf die Decken. Ein frischer Wind weht uns um die Nasen, gut, dass ich auch eine Jacke mitgenommen habe.

Dann wird endlich gegessen. Es ist schon Mitternacht und mein Magen knurrt wie verrückt. Da es wie immer kein Besteck gibt, haben wir einen Kanister mit Wasser um uns die Hände zu waschen. Dann wird reingelangt was das Zeug hält. Die Atmosphäre ist magisch, ich bin völlig weg von der Aussicht, den Lichtern in der Ferne, dem Geräusch des Wüstenwindes, dem Feuer, dem Geruch des Essens. Ein bisschen Melancholie ist auch mit im Spiel, weil wir uns morgen in alle Winde zerstreuen werden. Schade, dass unser ägyptischer Kollege nicht da ist. Ich hätte ihn gerne dabei gehabt.

Nach dem Essen gibt es arabischen Kaffee. Die Kanne wird rausgeholt und auf dem Feuer gestellt. Jetzt kommt jemand auf die Idee etwas zu singen. Ui, toll! Sagt eine kindliche Stimme in mir. Mist, sagt eine andere. Wahrscheinlich werde auch ich singen müssen und ich bin nicht gerade berühmt für meine gewaltige Acht-Oktaven-Stimme.

Die Kollegen beraten sich was sie singen möchten, während ich in die Ferne schaue. Dann wird es auf einmal ganz ruhig und einer fängt zu singen an. Es ist, wie bei den Moslems meistens üblich ein religiöses Lied. Ein wunderschönes Lied. Dann singt ein anderer Kollege ein Liebeslied. Sie haben schöne, warme Stimmen die mich in eine andere Welt entführen. Ich schaue abwechselnd ins Feuer, in die Ferne und den Kollegen zu. Dann schließe ich die Augen und schwebe im sternenvollen Wüstenhimmel. Irgendwann als das Lied zu ende geht und alle applaudieren, berührt mich einer am Arm und meint, los, jetzt bist du an der Reihe!

Ich will aber nicht. Ich versuche mich rauszureden, dass ich eine grässliche Stimme habe, usw. Die Kollegen lassen aber nicht locker und plötzlich meint einer, ich solle als letzter singen. Dann geht es reihum und die Atmosphäre wird noch magischer. Es knistert förmlich, es ist elektrisierend.

Durch das ganze Gesänge bin ich müde geworden und fühle mich kraftlos. Leider bin ich jetzt an der Reihe etwas zu singen. Was soll ich nur Singen? Die Bairische Nationalhymne? Inbrünstig? Hmm… Oder die Europäische? Ich nehme mein iPhone aus der Tasche und suche mir auf Youtube eine Karaokeversion aus.

O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern lasst uns angenehmere anstimmen,
und Freudenvollere.

Die Kollegen schauen mich ratlos an. Ich öle kurz meine Stimmbänder und singe kraftvoll und unbeirrt weiter.

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt,
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weiht…

Oh, das ist Magie, ich liebe diese Hymne! Egal ob ich nicht die richtige Stimme dafür habe, ich singe trotzdem weiter bis zum Schluss. Gott sei Dank sind die Kollegen begeistert und ich froh, dass es vorbei ist.

Kurz danach, als alle voll, satt und müde sind und der Wüstenwind noch stärker uns um die Nase bläst, beschließen wir alles einzupacken und zu gehen. Dann brauchen wir wieder eine halbe Stunde bis nach Hause. Die Straßen sind leer und mein Blick schweift über die vorbeirasenden Lichter der Stadt.

Endlich daheim, falle ich hundemüde ins Bett.

                                Mitternachtspicknick über Riad