Der Tag vergeht langsam und langweilig. Ich lerne noch mehr schäbig aussehende Kollegen aus der westlichen Hemisphäre kennen, deren einziges Ziel ist, so viel wie möglich zu verdienen und zu sparen um sich irgendwann in der Heimat ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen oder irgendwas anderes mit dem Geld zu machen. Nun, als Immigrantenkind kann ich Euch sagen, dass nach einer Dekade in Saudi oder sonst wo im Ausland, es einen sehr schwer fallen wird wieder in der Heimat zu sein. Es ist ein Kulturschock ohne gleichen. Man wird es bereuen und wieder weg ziehen wollen. Das ist nicht nur meinen Eltern passiert, sondern vielen anderen auch die nach vielen, vielen Jahren in die Heimat zurückgekehrt sind. Man verändert sich, die Heimat verändert sich und es ist nicht mehr so wie es mal war. Man kommt nicht mehr mit Land und Leuten zurecht. Man ist ein Fremder im eigenen Ort und wird oftmals auch als Fremder behandelt. Einer meiner Kollegen hat das einzig richtige gemacht. Er ist zum Islam übergetreten und hat eine Araberin geheiratet. Er wirkt glücklicher als all die anderen.
Um 15.40 gehe ich runter zur Halle. Unser Fahrer sitzt auf einem der Sofas neben dem Eingang. Wir schütteln die Hände und er erzählt mir, dass für heute ein Einkaufstrip geplant sei. Wohin gehen wir? Frage ich. Keine Ahnung, sagt er. Ihr entscheidet und ich fahre euch. In Ordnung. Die anderen Kollegen kommen und wir steigen in den Bus ein. Ich setze mich ganz nach hinten zum pakistanischen Kollegen. Er ist einer der bestungezogensten und bestausgebildeten. Es ist ein Vergnügen sich mit ihm zu unterhalten. Aus welchen Grund er hier ist? Seine Frau. Sie wollte ins gelobte Land kommen, zur Heimat des Islam. Sie dachte und stellte sich vor, dass sie hier ein religiöses Leben führen und eine gute Muslimin sein könnte. Wie es für Christen der Vatican oder Berg Athos ist. Sie war geschockt als sie gesehen hat, dass die Dinge hier anders sind als sie es sich gedacht hatte. Beide fühlen sich hier dennoch wohl und möchten nicht mehr zurück.
Wir kommen zu Hause an und haben eine halbe Stunde um uns fertig zu machen. Das Ziel, von einem der Kollegen ausgesucht, heißt ‘Azizia’. Wir brauchen nicht mal zwanzig Minuten bis dahin und wenn wir ankommen, bemerke ich, dass es sich um ein kleines Einkaufszentrum handelt. Ein sehr bescheidenes wie einer der Kollegen sagt. Es gibt wenige Geschäfte, hauptsächlich für Frauen, einen großen Supermarkt und ein paar Gastrobetriebe. Wir haben zwei Stunden zur Verfügung. Ich gehe einmal durchs Einkaufszentrum und entdecke einen Laden mit Handys, Tablets, etc. Ich frage nach einer Daten-SIM, aber das mir angebotene Paket ist nicht wirklich attraktiv. Direkt vor dem Laden befindet sich ein STC-Kiosk. STC ist so etwas wie bei uns die Telekom. Ich frage den Verkäufer nach einer Daten-SIM und nach ein paar anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten, verstehen wir uns doch noch. Er fragt nach meiner IQAMA. Ich habe keine. Keine IQAMA, keine SIM. Mist! Üblicherweise geht es auch ohne, nur mit Pass und Visum. Aber anscheinend nicht hier. Nun muss ich einen der Kollegen finden. Ich finde den Fahrer und wir gehen zurück zum Kiosk. Der Araber jedoch ist nicht mehr da. Wir warten etwa fünf Minuten aber er ist immer noch nicht da. Ein Mann der gerade vorbeikommt, meint er hätte den Verkäufer herumgehen gesehen, wahrscheinlich ist er auf dem Weg zum Waschraum, weil die nächste Betenszeit bald sein wird. Der Fahrer schlägt vor zum Supermarkt zu gehen und während der Betenszeit einzukaufen.
“Was meinst du, während der Betenszeit einzukaufen? Schließt der Laden nicht?”
“Doch!” sagt er, “aber man kann drin sein und seinen Einkaufswagen voll machen.”
“Echt?” frage ich. “In Ar’ar werden alle nach draußen gebeten und man muss solange warten bis der Laden wieder aufmacht.
Hier in Riad scheint es anders zu sein. Wenigstens erlauben es die großen Supermärkte den Kunden sich im Supermarkt aufzuhalten. Die Türen werden zugesperrt, so dass keiner weder rein noch raus kann und drinnen kann man fast normal einkaufen. Es gibt halt keine Bedienung an der Käse- und Fleischtheke, auch nicht in der Bäckerei und keiner der Obst und Gemüse wiegt. Das muss man entweder vor oder nach der Betenszeit machen. Die Kassen bleiben auch geschlossen und man stellt sich im Kassenraum hin und wartet bis die Angestellten zurückkommen und einige davon öffnen. Dann werden auch die Türen geöffnet und die Massen strömen herein.
Nach dem Einkaufen kann man seinen Einkaufswagen da lassen um andere Geschäfte zu besuchen. Man bekommt eine Nummer wie bei der Taschenabgabe.
Nach dem Supermarktbesuch finde ich den Fahrer wieder und gehe mit ihm zurück zum STC-Stand. Der Araber ist immer noch nicht da. Wir warten etwa zehn Minuten und dann müssen wir gehen. So ein Mist! Wieder kein Internet! Jetzt muss ich drei Tage warten bis zur nächsten Einkaufstour.
Mein Büro. Ein Schreibtisch, drei Stühle.
Gang mit Büros. Tür rechts ist meins, mit Namensschild drauf.
Die andere Seite. Es geht rum wie in einem Labyrinth.
Der Van mit dem wir zur Arbeit und zum Shoppen gefahren werden.


