Das Schuljahr neigt sich dem Ende und die Studenten haben
keine Lust mehr zu pauken. Deren Gedanken sind schon im Urlaub. Da wir im Stoff
ziemlich gut voran gekommen sind, können wir es uns erlauben wenig zu machen
und statt den Büchern andere Aktivitäten auszuprobieren, wenn unser
Projektmanager nichts dagegen hat. Da er aber dagegen ist, hören wir einfach
nicht auf ihn und rebellieren.
In der ersten Stunde um 8 Uhr, sind die meisten Studenten
abwesend und die die kommen sind nicht ganz fit. Erst ab 9 Uhr füllt sich der
Raum und die Jungs werden fitter. Deshalb machen wir lockere Konversation in
der ersten Stunde. Ab der zweiten wird es ernster. Heute jedoch habe ich auch
keine rechte Lust, weil a) ich die Nacht nicht schlafen konnte und b) unser
Projektmanager vorhin im Bus auf der Fahrt zur Arbeit die ganze Zeit geschrien
hat. An Lamentierstakkato ohne gleichen. In letzter Zeit hat er öfters solche
Krisen und schreit und schreit und schreit und beschimpft sogar einige
Lehrkräfte, bevorzugt die Bengalen und einen der drei Pakistaner. Dem
Pakistaner scheint’s egal zu sein und nimmt es mit Fassung. Die Bengalen aber
fühlen sich verletzt und wir fühlen mit ihnen. Sie widersprechen aber nicht,
weil es nicht ihrer Kultur entspricht einem älteren und/oder einem Vorgesetzten
zu widersprechen. Einige von uns, darunter auch ich, hören über Kopfhörer
lautstarke Musik um das Geschrei zu übertönen. Außerdem schreibt unser
Projektmanager 20 E-Mails am Tag und terrorisiert jeden damit. Bei mir wandern
sie ungelesen in den Papierkorb. Bei so manch anderen Kollegen auch. Die
Studenten erwähnen seinen Namen im selben Atemzug mit dem Wort „Crazy“ und der
dazugehöriger Handbewegung.
Na ja. Ich hatte meinen Studis versprochen sie ins
Laboratorium zu bringen. Da ich jetzt zwei Gruppen habe, weil ein Kollege uns
vorzeitig verlassen hat, bringe ich all ins Lab. Dort werden sie im zweiten
Jahr ihrer Ausbildung viel Zeit verbringen müssen. Das Lab ist ein großer Raum
voller Simulatoren, oder wie mein britischer Kollege sagt ‚Stimulatoren’. An
den Simulatoren lernen sie die Bagger und all die anderen Fahrzeuge zu fahren
und handzuhaben. Wenn sie es am Simulator gelernt haben, dürfen sie im dritten
Jahr ein echtes Fahrzeug in der Mine fahren.
Wir werden von den afrikanischen Kollegen der University of
Missouri, alle im Promotionsstudium, erwartet. Es gibt eine Einführung in
Sachen Minen und Minenarbeit und einen längeren Vortrag dazu. Der scheint die
Studenten eher zu langweilen. Sie wollen an die Geräte. Am Ende des langen
Vortrags dürfen sie Fragen stellen. Da keiner etwas fragen möchte, nehme ich
mir die Freiheit eine Frage zu stellen und kassiere Blicke die töten könnten.
Eigentlich wollte ich noch mehr Fragen stellen, tue es aber nicht und hebe sie
mir für später auf. Jetzt dürfen sie endlich ran an die Simulatoren.
Sie scheinen sichtlich Spaß zu haben und jeder darf mal ran.
Die afrikanischen Kollegen verteilen sich und assistieren. Ich gehe rum und
schaue mir an was die Studis treiben und wie sie sich machen. Als einer der
Studenten mich hinter sich wahrnimmt, wird er nervös, steht vom Fahrersitz auf
und überlässt mir das Fahren. Dann kommen mehrere Jungs um zu sehen wie sich
ihr Lehrer so macht. Ich drehe ein paar Runden und versenke dann den Bagger in
den Graben. Darauf jubeln alle und klatschen in die Hände.
So vergehen die Stunden bis zur Mittagspause. Am Nachmittag
zeige ich ihnen einen Film über Minen und Minenarbeit in verschiedenen Ländern
bis wir endlich um 15:15 Uhr Feierabend haben.
Auf dem Weg zurück im Bus setze ich mir Kopfhörer auf und
höre 30 Seconds to Mars auf volle Pulle um das Geschrei des Projektmanagers
nicht zu hören.
Am Nachmittag gehe ich mit einem der drei bengalischen
Kollegen lange spazieren. Wir drehen eine lange Runde durch eine Gegend mit
sehr schönen Häusern, breiten Straßen, kaum Verkehr, wenigen Geschäften und ein
paar Schulen. Wir reden kaum miteinander und genießen die Stille und die
Schönheit der Umgebung.
Als wir nach Hause zurückkommen, laden mich die Bengalen zum
Abendessen ein. Sie essen jeden Abend gemeinsam und ab und zu werde ich
eingeladen. Sie können hervorragend kochen und bereiten immer ein reichhaltiges
Mahl. Gegessen wird wie in diesem Teil der Welt üblich, auf dem Boden sitzend
und ohne Besteck.
Hier ist ein Video dazu. Darunter gibt es die Möglichkeit sich noch zwei andere anzusehen.
Bilder vom Spaziergang
Mächtiger Wind zur Pause



