Da mir der erste Spaziergang ins Zentrum gut gefallen hat, habe ich
beschlossen einen zweiten zu machen. Diesmal können die zwei pakistanischen
Kollegen nicht mit und alle anderen können/wollen nicht. Macht nichts. Mit
meiner Exilim Kamera und den zwei BlackBerries mache ich mich auf dem Weg ins
Zentrum.
Da es keine Landkarten gibt und Google Maps und Apple Maps auch keine
wirkliche Hilfe sind, versuche ich denselben weg entlang zu gehen wie beim
ersten Mal. Ich habe in einem Laden und auch die Studenten gefragt ob es
Straßenkarten gibt und bekam eine negative Antwort. Einige wussten sogar nicht
was eine Straßenkarte ist und von anderen wurde ich gefragt wozu ich eine
brauche. Wozu denn wohl? Um mich zurecht zu finden. Sie schüttelten nur
den Kopf und gingen weiter. Wahrscheinlich dachten sie, jetzt kommt so ein
blöder Touri daher aus dem Westen und hat Angst in einer Kleinstadt wie Ar’ar
verloren zu gehen. Ich habe auch versucht den Weg ins Zentrum auf Google und
iMaps zu finden, aber irgendwie klappte es nicht. Den Weg, den wir gegangen
sind gibt es dort nicht. Außerdem gibt es die Straße wo das Polytechnikum ist,
auch nicht. Deswegen mache ich mich so auf dem Weg. Mein ägyptischer Kollege
der sich hier gut auskennt, meinte, wenn ich mich verlaufe, solle ich ein
Straßenschild fotografieren und es ihm per MMS schicken und er kommt mich
abholen.
Schilder weisen zwar den Weg, aber wie man in der Bildergalerie (öffnet im neuen Fenster) sehen kann, allerdings
sind sie auf Arabisch und unverständlich für mich. Es gibt zwar ein
Zeichen das das Zentrum andeutet, aber ab einen gewissen Punkt gibt es das
Zeichen nicht mehr.
Als ich an einer Hauptverkehrsstraße vorbeikomme, sehe ich viele Männer
stehen und auf etwas warten. Ein Männerstrich etwa? Mitten am Tag? Kann ich mir
nicht vorstellen. Prostitution ist in diesem Land strengstens verboten.
Außerdem schauen die Männer schäbig aus, so als ob sie in den Feldern
gearbeitet hätten oder auf dem Bau. Außerdem sind keine Araber unter
ihnen. Es sind alles Afrikaner und Asiaten.
Ich gehe etwas langsamer und schaue mich vorsichtig um, spiele den Touristen
und schieße Fotos von Gebäuden und Laternen. Manche Männer schauen mich
interessiert an. Wahrscheinlich bin ich ein Kuriosum für sie, wie sie für mich.
Als ich irgendwie nicht schlau daraus werde, komme ich an einem Fast-Food-Laden
vorbei. Ich gehe herein um zu fragen und um mir etwas zum trinken zu kaufen.
Leider kann der Verkäufer kein Englisch, so erfahre ich nicht was die Männer
dort machen. Die Männer stehen mal alleine, mal zu zweit oder zu dritt in
Abständen von ein paar Metern zu den anderen. Als ich meinen Spaziergang
fortsetze, kommt mir ein Kleinbus entgegen. Einer von der Sorte der uns zur
Arbeit fährt. Gleiche Marke, gleiche Farbe, gleiches Alter, etc. Ich höre wie
der Bus einige Meter hinter mir bremst. Ich drehe mich um und sehe wie ein paar
Männer einsteigen. Kurz danach kommt ein weiterer Kleinbus und nimmt ein paar
Männer mit. Später erfahre ich vom Sicherheitsmann unserer Residenz und vom
ägyptischen Kollegen, dass diese Männer Arbeiter sind und nach ihrer Schicht zu
einer der Hauptverkehrsstraßen gehen und auf ihren Bus warten um nach Hause
gefahren zu werden. Klar, in Saudi gibt es doch keinen ÖPNV! Die Leute müssen
irgendwie zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, so wie wir auch. Bloß, wir
müssen uns nicht an irgendeine Straßenecke stellen um auf den Bus zu warten,
der Bus wartet vor unserer Tür. Mohammed, unser Fahrer kommt jeden morgen,
stellt sein Auto ab, wir steigen in den klapprigen Bus ein, werden zur Arbeit
gefahren und mittags wieder zurück.
Einige ausländische Arbeiter (Afrikaner und Asiaten), fahren Rad und
verzichten auf dem Busservice. Das sehe ich jeden morgen und Nachmittag auf der
Baustelle neben unserer Residenz. Die Fahrräder sind mindestens genauso
klapprig wie die Kleinbusse mit denen sie und wir auch zur Arbeit gefahren
werden. Nachmittags und abends sieht man sie mit den Fahrrädern in der Stadt
ihre Einkäufe machen oder wie sie durch die Gegend fahren. Fahrradwege gibt es
kaum, dafür sind die Straßen extra breit. Ist aber nicht ganz ungefährlich so
wie die Autofahrer fahren und auf keinen Acht geben.
Montag, 28. April 2014
Ar'ar Bilder Teil 5
Schilderwald
Links nach....
Willkommen in....
hmm....
Stilvolle Straßenlaternen
Willkommen auf dem Mars.
Links nach....
Willkommen in....
hmm....
Stilvolle Straßenlaternen
Willkommen auf dem Mars.
Donnerstag, 24. April 2014
Ar'ar Bilder Teil 4
In vielen Blogs und Büchern ließt man, dass es für Andersgläubige verboten ist eine Moschee zu besuchen. Man darf sie nur von außen sehen und auf gar keinen Fall fotografieren. Hinein darf man angeblich nicht, weil man als Nicht-Muslim unrein ist. Das ist alles Schwachsinn. Natürlich darf man hinein und natürlich darf man Fotos machen wenn man vorher freundlich fragt. Falls man während der Betenszeit hinein möchte, sollte man sich irgendwo hinten oder in einer Ecke stellen um nicht zu stören. Schuhe vorher ausziehen und draußen lassen.
Es heißt, man darf als Ungläubiger den Koran nicht anfassen. Man sollte vorher fragen ob man darf oder nicht. Außerdem gibt es ihn in vielen Moscheen auch in englischer Sprache. Bevor man das heilige Buch in den Händen nimmt sollte man sich gründlich waschen. Neben der Moschee gibt es einen großen Waschraum. Falls man keinen moslemischen Bruder hat der einen alles erklärt, macht man was die anderen machen oder man fragt freundlich was man machen muss.
Ein Moscheegang ist keine reine Männersache. Auch Frauen gehen hin, allerdings haben sie einen anderen Eingang und einen anderen Raum. Unters selbe Dach gibt es alles doppelt, einmal für Männer, einmal für Frauen. Die Frauen sehen den Imam nicht, hören aber seine Stimme.
Fünf Mal am Tag wird gebetet, immer so etwa 15 Minuten lang und immer gen Mekka. Falls man nicht in eine Moschee gehen kann, kann man überall dort beten wo man sich gerade befindet. Man muss sich auch nicht an die Betenszeiten halten, man kann später beten.
Die größte Moschee der Stadt, aufgenommen von der Dachterrasse eines Cafés.
Dieselbe Moschee Tagsüber von außen.
Dieselbe Moschee von innen.
Eine andere Moschee.
Es heißt, man darf als Ungläubiger den Koran nicht anfassen. Man sollte vorher fragen ob man darf oder nicht. Außerdem gibt es ihn in vielen Moscheen auch in englischer Sprache. Bevor man das heilige Buch in den Händen nimmt sollte man sich gründlich waschen. Neben der Moschee gibt es einen großen Waschraum. Falls man keinen moslemischen Bruder hat der einen alles erklärt, macht man was die anderen machen oder man fragt freundlich was man machen muss.
Ein Moscheegang ist keine reine Männersache. Auch Frauen gehen hin, allerdings haben sie einen anderen Eingang und einen anderen Raum. Unters selbe Dach gibt es alles doppelt, einmal für Männer, einmal für Frauen. Die Frauen sehen den Imam nicht, hören aber seine Stimme.
Fünf Mal am Tag wird gebetet, immer so etwa 15 Minuten lang und immer gen Mekka. Falls man nicht in eine Moschee gehen kann, kann man überall dort beten wo man sich gerade befindet. Man muss sich auch nicht an die Betenszeiten halten, man kann später beten.
Die größte Moschee der Stadt, aufgenommen von der Dachterrasse eines Cafés.
Dieselbe Moschee Tagsüber von außen.
Dieselbe Moschee von innen.
Eine andere Moschee.
Was macht man wenn...
Was macht man, wenn im Haus etwas kaputt ist, man die Landessprache nicht beherrscht und der dafür verantwortliche keine Fremdsprachen kann? Man dreht ein Video und lässt ihn so verstehen, was wo gemacht werden muss. Innerhalb kürzester Zeit ist der Schaden gerichtet.
Samstag, 19. April 2014
Teil 11
Obwohl heute Freitag ist und wie der Name schon sagt:
Frei-Tag und ich lange schlafen könnte, konnte ich die ganze Nacht kein Auge
zumachen. So gegen 8 Uhr morgens nehme ich mein Handy und rufe den Pakistaner
am Flughafen an um nach meinem Gepäck zu fragen. Er geht ran und überbringt mir
die gute Nachricht. Meine Reisetasche ist da, seit gestern Abend schon. Ich
freue mich riesig, springe aus dem Bett und renne zu Murray meinen
Projektmanager um es ihm zu sagen. Seine Tür steht offen und er macht sich grad
einen Tee. Dann gehen wir zum pakistanischen Kollegen mit kanadischem Pass und
internationalem Führerschein und bitten ihn uns zum Flughafen zu fahren.
„Kann sein“, erwidere ich. „Was soll ich für dich haben?“
„Geld.“
„Wie viel?“
Er nennt einen Betrag der mit dem größeren Geldbündel übereinstimmt.
Nicht mal eine Minute nachdem er gegangen ist, klopft es wieder an der Tür. Es ist ein weiterer Kollege.
Wieder das gleiche Spiel mit mehr oder weniger demselben Wortlaut. Für ihn habe ich den kleineren Geldbündel, den Laptop und die Spiegelreflexkamera.
Gott sei dank bin ich die Sachen und vor allem das Geld los.
Bilder vom Weg zum Flughafen gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)
Als ich nach dem Duschen los will, öffne ich eine Schublade
um meinen Reisepass herauszunehmen, da fällt mein Blick auf die zwei Bündel
Geld die mir Anes in Riad mitgegeben hat. Die Besitzer haben sich immer noch
nicht bei mir gemeldet. Anes hat mir zwar deren Namen gesagt, aber ich habe sie
vergessen. Mein philippinischer Reiseführer meinte, dass mich die Kollegen
schon aufsuchen werden und ich soll mir keine Sorgen machen. Außerdem wartet
einer auf einen Laptop und einer Spiegelreflexkamera. Beides befindet sich in
meiner Reisetasche.
Der Weg zum Flughafen ist fast genau derselbe wie der zur
Arbeit, aber ab einem bestimmten Punkt aus wird die Strecke sehr schön. Die
Verkehrsinsel zwischen den Fahrtrichtungen ist mit verschiedenen Gegenständen
sehr schön dekoriert.
Wir fahren ins wunderschöne Flughafengelände rein und gehen
schnurstracks zum Pakistaner. Tatsächlich! Das steht meine Reisetasche!
Überglücklich fahren wir nach hause.
Nach dem Auspacken Skype ich ausgiebig und so gegen Mittag
nehme ich einen Stuhl und setze mich vorm Eingang in die Sonne. Der
Sicherheitsmann kommt auch raus und setzt sich dazu. Als die Predigt in den
naheliegenden Moscheen zu ende geht, kommen die Gläubigen langsam die Straße
rauf. Wir spielen das Nationenratenspiel. Wer kommt aus welchem Land. Der
Sicherheitsmann ist ziemlich gut darin. Er erklärt mir auch die unterschiede.
Mal erkennt er die Herkunft am Kopftuch, mal am Käppi oder Mütze, mal am
Gewand. Da kommen auch meine Kollegen in ihrer Landestracht die Straße rauf.
Pakistaner, Bengalen und der Ägypter sind alle unterschiedlich gekleidet.
Eine Stunde später mache ich mich mit den zwei
pakistanischen Kollegen zu Fuß in die Stadt. Wir brauchen ca. eine Stunde bis
ins Zentrum und ich nutze die Chance einige Bilder zu machen. Im Zentrum gehen
wir erstmal in ein Restaurant zum essen. Dieses bietet zwar arabische Küche,
ist aber kein typisch arabisches Restaurant. Was gemeint ist? Es hat Tische und
Stühle! Man muss nicht auf dem Boden sitzen. Es gibt zwei Theken mit
verschiedenem Essen. Es gibt frittiertes Zeug wie Pommes, Fischstäbchen, etc.
und auf der anderen Seite traditionell arabisches Essen, das teilweise sehr
scharf ist. Außerdem gibt es arabischen Tee. Als ich einen Becher trinke und
davon begeistert bin, gehe ich zum Koch und frage ob ich ihm zuschauen darf.
Ich darf und es ist ihm eine Ehre. Er lädt mich sogar zu einem Tee ein.
Danach gehen wir in der Stadt spazieren. Arabische Städte
sind anders aufgebaut als europäische Städte. Es gibt keine zentrale Piazza mit
Rathaus und Fußgängerzone. Da Saudi ein Königreich ist, gibt es auch keine
Rathäuser. In einem Autoland wie Saudi, sind Fußgängerzonen Mangelware. Und
noch etwas ist anders. Die Geschäfte. Sie gibt es in Gruppen. Es gibt die
Handystraße, die Computerstraße, die Friseurstraße, die Parfümstraße, eine
Gegend mit Geschäften für Frauen und Kinder, usw. Je nachdem was man möchte,
geht man in die entsprechende Straße oder Gegend.
Als der Muezzin zum Gebet ruft, machen wir uns auf in eine
Moschee. Die Kollegen gehen hinein und ich warte währenddessen draußen. Ich
lehne mich an einem Laternenpfahl und lasse meinen Blick schweifen. Auf einmal
parkt ein Mercedes SE direkt vor mir und ein kleinwüchsiger Araber steigt aus. Wir
schauen uns kurz an und dann lass ich meinen Blick wieder schweifen. Er jedoch,
kommt näher und sagt mir etwas auf Arabisch. Natürlich verstehe ich nichts und
erwidere auf Englisch. Er jedoch lässt nicht locker und redet und redet und
redet. Irgendwann verstehe ich das Wort ‚Syrien’. Glaubt er etwa ich sei
Syrier? Vielleicht liegt das an meinem Bart der gewachsen ist. Ich versuche ihm
zu erklären, dass ich kein Syrier sondern ‚Yunani’ bin, aber irgendwie kommt
das bei ihm nicht an. Da hält ein SUV auf der anderen Straßenseite und Fahad,
ein Student steigt zu meinem Glück aus. Er sieht mich und kommt zu uns herüber.
Ich frage ihm ob er mir mit dem kleinwüchsigen Araber behilflich sein kann.
Gott sei dank, kann er es. Fahad erzählt dem Araber etwas, worauf sich der Mann
auf einmal zu mir umdreht und ‚Yunani’? fragt. Ja, sage ich, ‚Yunani’, nix
Syrien. OK!
Was der Mann wollte? Er wollte von mir wissen, warum ich
hier draußen stehe und nicht zum beten in die Moschee gehe. Jetzt weiß er, dass
ich kein Moslem und kein Syrier bin. Er lächelt mir zu, gibt mir seine Hand,
wünscht mir alles Gute und geht in die Moschee zum Beten.
Als die Betenszeit um ist, kommen alle raus, darunter auch
der Araber. Er grüßt mich wieder, steigt in seinem Benz ein und fährt weg.
Wir steigen in Fahads 6-Liter GMC-SUV ein und fahren in ein
Café zum Teetrinken. Das Café hat auch eine Dachterrasse mit Blick über eine
breite Straße und der größten Moschee von Ar’ar.
Danach fährt er uns nach hause. Kaum schließe ich meine
Wohnungstür, klopft es an der Tür. Draußen steht ein Kollege.
„Ich glaube du hast etwas für mich“ sagt er konspirativ.„Kann sein“, erwidere ich. „Was soll ich für dich haben?“
„Geld.“
„Wie viel?“
Er nennt einen Betrag der mit dem größeren Geldbündel übereinstimmt.
Nicht mal eine Minute nachdem er gegangen ist, klopft es wieder an der Tür. Es ist ein weiterer Kollege.
Wieder das gleiche Spiel mit mehr oder weniger demselben Wortlaut. Für ihn habe ich den kleineren Geldbündel, den Laptop und die Spiegelreflexkamera.
Gott sei dank bin ich die Sachen und vor allem das Geld los.
Bilder vom Weg zum Flughafen gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)
Mittwoch, 9. April 2014
Teil 10
Noch ein Tag mit Büroarbeit steht mir bevor. Wieder den
ganzen Tag Exceltabellen füttern. Hört sich zwar langweilig an, ist es aber
nicht. Ich höre den ganzen Tag Musik, Leute kommen und gehen, kann meine Pausen
machen, etc. In einer Pause nehme ich meinen Tee und gehe im Gelände des
Polytechnikums spazieren. Dabei werde ich von vielen Studenten angeredet und
fotografiert. Mal alleine, mal mit denen zusammen und in verschiedenen Posen.
Mein ägyptischer Kollege ruft beim Flughafen in Ha’il an um
nach meinem Gepäck zu fragen, aber es geht keiner ran. So beschließen wir nach
dem Mittagessen zum Flughafen in Ar’ar zu fahren um beim Pakistaner
anzuklopfen. Gesagt, getan. In ein paar Minuten kommen wir da an und müssen
feststellen, dass er zu ist. Wir gucken uns an und wundern uns, dass ein
Flughafen zugesperrt wird. Der Sicherheitsbeamte vor Ort erzählt uns, dass der
Flughafen nur auf hat, wenn Flugzeuge landen oder starten, ansonsten ist hier
alles dicht. Bloß, die Öffnungszeiten erzählt er uns nicht. So schauen wir im
Internet nach wann es Flüge gibt und rechnen uns die Zeiten aus. Am Nachmittag
und Abend gibt es Flugbewegungen, da probieren wir es wieder.
Die Fahrt mit dem klapprigen Bus nach Hause ist wieder ein
Genuss. Die Sonne knallt, die Kollegen sind ruhig, einer schläft sogar. Als es
Betenszeit ist, meldet sich das Handy des Ägypters. Es gibt Anwendungen für
Handys die die Betenszeiten anzeigen. Da sich die Betenszeiten von Tag zu Tag
ändern, weil die Tage entweder länger oder kürzer werden, geht die App mit der
Zeit und meldet sich immer zur korrekten Zeit. Wenn man den Ort wechselt, kann
man die App auf den neuen Ort einstellen, falls sie sich nicht automatisch einstellt.
Jeder Ort hat andere Betenszeiten. Das kommt davon, dass es nicht überall
gleichzeitig hell wird. Viele dieser Anwendungen haben auch einen integrierten
Kompass, damit der Gläubige weiß in welche Richtung Mekka liegt. Außerdem
bekommt man einen Überblick über sämtliche Betenszeiten des Tages und weiß
somit wann die Geschäfte auf- und zumachen. Während der Betenszeit hört man
einem Imam zu. Man kann sich die Moschee auswählen. Der Kollege hat Mekka
eingestellt. So erklingt bei jeder Betenszeit die Stimme eines Imams aus Mekka.
Die Fahrt an sich hat für mich etwas exotisches, dazu kommt
der Gesang des Imams und lässt mich in andere Welten entschweben. Es ist wie im
Märchen, wie in einem Film. Und als wir über eine staubige Straße holpern ist
das Märchen von 1001 Nacht perfekt.
Am Nachmittag muss ich mit einem der pakistanischen Kollegen
zum Polytechnikum. Der Chef von Ma’aden soll kommen und es steigt eine Feier.
Das Management wird da sein, einige Studenten auch, die University of Missouri
Truppe, der pakistanische Kollege und ich.
Mohammed unser Fahrer kommt um uns zwei abzuholen. Weil wir
nur so wenige sind, nehmen wir nicht den Bus, stattdessen fahren wir in seinem
Privatauto. Ein 6-Liter GMC-SUV. Das Ding ist so groß wie eine Wohnung. Es
bietet massig Platz und man braucht eine Leiter um einzusteigen. Drinnen fühlt
man sich wirklich wohl. Die Ledersitze sind äußerst bequem, man genießt eine
Beinfreiheit wie in der Businessklasse eines Flugzeugs und die Federung ist
allererste Sahne. Kaum sind wir losgefahren, öffnet Mohammed das Handschuhfach
und deutet auf ein breites Angebot an Parfüms. Dann öffnet er das Fach der
Mittelkonsole und bietet uns noch mehr Parfüm an. Die Araber, das weiß ich von
meinem arabischen Nachbarn zuhause, stehen total auf Parfüm. Er nimmt
verschiedene Flaschen und sprüht uns voll. Auf einmal duftet das ganze Auto und
ich komme mir vor wie in einem Parfümladen.
Als wir ankommen, gehen wir rüber zum Hauptgebäude wo schon
ein paar der Manager warten. Dann werden wir alle in einer Reihe aufgestellt.
Zuerst ein paar Leute vom Management, dann die Missouri Truppe, dann der
Kollege und ich und danach ein paar Studenten. Ein paar Minuten später kommt
ein Auto durch die Einfahrt, fährt um den Springbrunnen herum, hält an und ein
paar Leute steigen aus. Dann werden Hände geschüttelt und man stellt sich vor.
Als die Entourage beim Pakistaner und mir ankommt, bleiben die Leute etwas
länger stehen, inhalieren die ganzen Düfte und lächeln uns besonders freundlich
zu. Das gleiche passiert noch einige Male, denn es kommen noch mehr Autos aus
denen Leute aussteigen und denen wir uns vorstellen und deren Hände wir
schütteln.
All diese Leute werden vom Management durchs Gelände geführt
ehe es in die große Aula geht. Dort sitzen ganz vorne die Missouritruppe,
einige vom Management, wir zwei und hinter uns gut hundert Studenten.
Dann folgen einige sehr emotionale Reden. Irgendwann wird es
mir schwindelig von der Atmosphäre da drin und von den ganzen Düften, meine
Augen werden rot, meine Kontaktlinsen fangen an zu schmerzen und ich kann mich
gar nicht auf den Sitz halten. Ich bete darum, dass das ganze bald ein Ende
nimmt und wir nach draußen entlassen werden. Tut es aber nicht. Einer nach dem
anderen nimmt das Mikro in die Hand und hält einen quälend langen Monolog. Ich
nehme ein Fläschchen Tränenflüssigkeit aus meiner Tasche und kippe mir das Zeug
massenweise in die Augen. Es hilft immer nur für ein paar Minuten. Als der
letzte der Runde seine Rede zu Ende bringt, denke ich mir ‚Hallelujah’ und will
aufstehen und gehen. Denkste! Dann werden die Kameras gezückt und die Leute von
Ma’aden fotografieren sich mit den Studenten, denn wie sie vorher gesagt haben,
die Studis sind die Zukunft des Unternehmens.
Mein Eindruck ist, hier wird Ma’aden ein Bär aufgebunden.
Ich dachte, nur die Griechen sind Meister im Inszenieren und Märchenverkaufen.
Oh wie ich mich getäuscht habe! Die Araber sind auch Meister in dieser
Disziplin!
Als es endlich vorbei ist, stürze ich raus in die kühle Luft
und versuche wieder zu mir zu kommen. Einige Studenten sind besorgt und folgen
mir. Nach ein paar Minuten geht’s mir wieder gut.
Danach gehen wir in die Cafeteria zum Essen. Heute ist sie
besonders geschmückt und festlich und das Essen schmeckt auch besser.
Mit dem 6-Liter GMC-SUV geht es wieder nach Hause. Mein
ägyptischer Kollege wartet auf mich und berichtet mir, dass er mit jemanden in
Ha’il gesprochen hat, der ihm versichert hat, dass meine Reisetasche in der
Früh um 6 in Ar’ar sein wird. Wirklich? Wie kann das sein? Der erste Flieger
der hier ankommt, erreicht den Flughafen um 7:30 Uhr. Der Kollege meint, er
hätte dies dem Beamten gesagt, aber der Beamte blieb bei seiner Behauptung,
dass mein Gepäck in der Früh um 6 da sein würde. Da ich es irgendwie nicht
glauben mag, frage ich dem Kollegen, ob er Lust hat in der Früh mit mir nach
Ha’il zu fahren um die Reisetasche abzuholen.
Danach gehe ich mich duschen um den ganzen Parfümgeruch
loszuwerden.
Bilder vom Polytechnikum gibt es hier: (öffnet im neuen Fenster)
Ar'ar Bilder Teil 2
Das Hauptgebäude
Der SMP Turm
Verschiedene Gebäude
Die Küche in der es Kaffee, Tee und Wasser umsonst und bis zum Abwinken gibt.
Der SMP Turm
Verschiedene Gebäude
Die Küche in der es Kaffee, Tee und Wasser umsonst und bis zum Abwinken gibt.
Montag, 7. April 2014
Teil 9
Der Gesang des Imam weckt mich sanft, ich öffne die Augen
und bleibe noch im Bett und warte bis der Wecker klingelt. Verschiedene
Gedanken und Szenen gehen mir durch den Kopf. Der Supermarktbesuch war, wie
eine gute Freundin sagt, wie ein Fenster ins Leben der lokalen Bevölkerung. Man
sieht den Menschen bei etwas alltäglichen, etwas banalen zu und lernt einiges
dazu. Ich war jedenfalls überrascht Bier zu sehen – alkoholfreies in vielen
verschiedenen Geschmacksrichtungen die es bei uns nicht gibt. Einige westliche,
darunter auch deutsche Brauereien, aber auch einige asiatische verkaufen hier
Bier mit verschiedenen Früchten die bei uns gar nicht erhältlich sind. Was noch
positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache wie zivilisiert und freundlich die
Leute sind. Als die Durchsage mit dem Hinweis zur Betenszeit kam und die
Lichter langsam ausgingen, schritten die Leute langsam zu den Kassen und
hetzten nicht. Bei uns würden, kurz bevor der Supermarkt seine Pforten schließt
und die entsprechende Durchsage gemacht worden ist, die Massen zu den Kassen rennen
und alle würden wie die Verrückten durch den Supermarkt hetzen um ja alles
einzukaufen und um als erster an der Kasse anzukommen. Diese Szenen habe ich
öfters im Tengelmann in Giesing und im Supermarkt im Perlacher Forst live
miterlebt.
Etwas anderes war, dass die Männer auch Kinderwägen schieben
und Kinder auf den Schultern tragen. In weiten Teilen Europas spricht man von
verweichlichten Männern die ihre Männerrolle vergessen haben. Na ja.
Aber eine Angst bleibt. Die Angst Frauen anzuschauen. Was
willst du denn sehen? Fragt mein Unterbewusstsein, sind doch eh alle
verschleiert. Stimmt, aber ich habe immer noch Angst, dass wenn mein Blick auf
eine Frau gerichtet wird, ein kleinwüchsiger Araber von irgendwoher auf mir
springt, mich zu Boden reißt, irgendwas auf Arabisch schreit und ich mich in
einem Kerker bei Wasser und Brot wiederfinde.
Bilder von Riad schießen mir durch den Kopf und wie sauber
es dort war. In Ar’ar musste ich feststellen, dass es leider nicht so sauber
ist. Man sieht Müll auf den Straßen liegen.
Ob heute meine Reisetasche kommt?
Als ich die Treppe runtergehe strahlt wieder die Sonne durch
die Eingangstür und erhellt den Korridor in sanftem Orange. Draußen ist die
Luft klar, kühl und trocken. Die Fahrt mit dem klapprigen Bus ist wieder ein
Genuss. Auch heute werde ich den ganzen Tag im Büro verbringen.
Als ich in einer der Pausen raus gehe um Tee zu trinken und
Luft zu schnappen, kommen einige Studenten auf mich zu, begrüßen mich und
wollen sich mit mir fotografieren lassen. Es werden unheimlich viele
BlackBerries und iPhones gezückt und schon machen die Bilder ihre Runde auf
Instagram. Wie war das noch mal mit dem Fotografierverbot? Dass die Araber so
technisch versiert sind wusste ich vorher nicht. Man denkt immer an Wüste, an
Beduinen, an ein zurückgebliebenes Volk, an Taliban, Al Qaida, etc. Erfreulich,
dass es nicht so ist.
Mein ägyptischer Kollege ruft beim Flughafen an und
erkundigt sich beim Pakistaner nach meiner Reisetasche. Er meint, dass sie
immer noch in Ha’il ist und er nicht wisse wann sie kommt. Aber er bleibt dran.
Zu Mittag gehen wir in die Cafeteria zum Essen. Auf dem
Schild über dem Eingang steht Cafetaria, hihihi!
Als Lehrkraft darf man an den wartenden Studenten vorbei. Ich
will das nicht und möchte mich hinten anstellen, aber die Studenten lassen mich
nicht. Sie fordern mich auf nach vorne zu gehen und treten demonstrativ zur
Seite. Ich bin wirklich gerührt. Meine Kollegen gehen automatisch an den
Studenten vorbei. Bei manchen wirkt das arrogant, andere bedanken und
entschuldigen sich bei den Studenten.
Das Angebot ist, wie soll ich es formulieren? RIESIG!!! Es
gibt zwei Arten von Salat, Reis ohne etwas, Reis mit Soße und entweder mit
Fleischstückchen oder Gemüse, Hähnchen (jeden Tag anders zubereitet: gekocht,
gebraten, etc), Frühlingsrollen, Suppe, eine Gemüsebrühe die man entweder als
Suppe essen kann oder man gießt sie aufs Essen als Soße, Fladenbrot, Nachtisch,
Obst und Getränke. All das für 5 Rial – weniger als 1 Euro!!!
Wir Lehrer haben einen abgetrennten Raum für uns, der ist
aber klein und meistens frostig und mit schlechter Luft, sodass einige
Lehrkräfte draußen mit den Studenten sitzen. Auch das Management hat einen
abgetrennten Raum zur Verfügung.
Am Nachmittag gehe ich mit einem Kollegen zur nahe gelegenen
Tankstelle. Dort befindet sich auch ein Lebensmittelladen in dem man so
ziemlich alles, außer Obst und Gemüse finden kann. Was mich erstaunt, sind
wieder die Preise. Obwohl es ein Tankstellenmarkt ist, sind die Preise ähnlich
oder dieselben wie im Supermarkt. Schmunzeln muss ich als ich feststelle, dass
ein Liter Wasser soviel kostet wie ein Liter Benzin: 45 Halala, ca. 10 Cent.
Bilder gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)
Ar'ar Bilder Teil 1
Klappriger Nissan-Bus zur Arbeit
Klappriger Bus mit aufgemotztem Design
Mohammed unser Fahrer
Mohammed unser Fahrer
Mohammed unser Fahrer
Es geht nach Hause.
Von der Sonne erhellter Eingangsbereich um 7.20 Uhr.
Eingang von draußen.
Unsere Residenz.
Fast-Food-Laden an der Tanke. Hat leider dicht gemacht.
Lehrer Theo beim Mittagessen.
Das Mittagessen.
Das Mittagessen.
Unsere Cafetaria :)
Hier essen die Studenten. Links hinterm Vorhang ist der Bereich fürs Management. Rechts hinten, der sonnendurchflutete Bereich.
Links hinten ist der Lehrerbereich.
Klappriger Bus mit aufgemotztem Design
Mohammed unser Fahrer
Mohammed unser Fahrer
Mohammed unser Fahrer
Es geht nach Hause.
Von der Sonne erhellter Eingangsbereich um 7.20 Uhr.
Eingang von draußen.
Unsere Residenz.
Fast-Food-Laden an der Tanke. Hat leider dicht gemacht.
Lehrer Theo beim Mittagessen.
Das Mittagessen.
Das Mittagessen.
Unsere Cafetaria :)
Hier essen die Studenten. Links hinterm Vorhang ist der Bereich fürs Management. Rechts hinten, der sonnendurchflutete Bereich.
Links hinten ist der Lehrerbereich.
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