Montag, 28. April 2014

Teil 12.1

Da mir der erste Spaziergang ins Zentrum gut gefallen hat, habe ich beschlossen einen zweiten zu machen. Diesmal können die zwei pakistanischen Kollegen nicht mit und alle anderen können/wollen nicht. Macht nichts. Mit meiner Exilim Kamera und den zwei BlackBerries mache ich mich auf dem Weg ins Zentrum.
Da es keine Landkarten gibt und Google Maps und Apple Maps auch keine wirkliche Hilfe sind, versuche ich denselben weg entlang zu gehen wie beim ersten Mal. Ich habe in einem Laden und auch die Studenten gefragt ob es Straßenkarten gibt und bekam eine negative Antwort. Einige wussten sogar nicht was eine Straßenkarte ist und von anderen wurde ich gefragt wozu ich eine brauche. Wozu denn wohl? Um mich zurecht zu finden. Sie schüttelten nur den Kopf und gingen weiter. Wahrscheinlich dachten sie, jetzt kommt so ein blöder Touri daher aus dem Westen und hat Angst in einer Kleinstadt wie Ar’ar verloren zu gehen. Ich habe auch versucht den Weg ins Zentrum auf Google und iMaps zu finden, aber irgendwie klappte es nicht. Den Weg, den wir gegangen sind gibt es dort nicht. Außerdem gibt es die Straße wo das Polytechnikum ist, auch nicht. Deswegen mache ich mich so auf dem Weg. Mein ägyptischer Kollege der sich hier gut auskennt, meinte, wenn ich mich verlaufe, solle ich ein Straßenschild fotografieren und es ihm per MMS schicken und er kommt mich abholen.
Schilder weisen zwar den Weg, aber wie man in der Bildergalerie (öffnet im neuen Fenster) sehen kann, allerdings sind sie auf Arabisch und unverständlich für mich. Es gibt zwar ein Zeichen das das Zentrum andeutet, aber ab einen gewissen Punkt gibt es das Zeichen nicht mehr.
Als ich an einer Hauptverkehrsstraße vorbeikomme, sehe ich viele Männer stehen und auf etwas warten. Ein Männerstrich etwa? Mitten am Tag? Kann ich mir nicht vorstellen. Prostitution ist in diesem Land strengstens verboten. Außerdem schauen die Männer schäbig aus, so als ob sie in den Feldern gearbeitet hätten oder auf dem Bau. Außerdem sind keine Araber unter ihnen. Es sind alles Afrikaner und Asiaten.
Ich gehe etwas langsamer und schaue mich vorsichtig um, spiele den Touristen und schieße Fotos von Gebäuden und Laternen. Manche Männer schauen mich interessiert an. Wahrscheinlich bin ich ein Kuriosum für sie, wie sie für mich. Als ich irgendwie nicht schlau daraus werde, komme ich an einem Fast-Food-Laden vorbei. Ich gehe herein um zu fragen und um mir etwas zum trinken zu kaufen. Leider kann der Verkäufer kein Englisch, so erfahre ich nicht was die Männer dort machen. Die Männer stehen mal alleine, mal zu zweit oder zu dritt in Abständen von ein paar Metern zu den anderen. Als ich meinen Spaziergang fortsetze, kommt mir ein Kleinbus entgegen. Einer von der Sorte der uns zur Arbeit fährt. Gleiche Marke, gleiche Farbe, gleiches Alter, etc. Ich höre wie der Bus einige Meter hinter mir bremst. Ich drehe mich um und sehe wie ein paar Männer einsteigen. Kurz danach kommt ein weiterer Kleinbus und nimmt ein paar Männer mit. Später erfahre ich vom Sicherheitsmann unserer Residenz und vom ägyptischen Kollegen, dass diese Männer Arbeiter sind und nach ihrer Schicht zu einer der Hauptverkehrsstraßen gehen und auf ihren Bus warten um nach Hause gefahren zu werden. Klar, in Saudi gibt es doch keinen ÖPNV! Die Leute müssen irgendwie zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, so wie wir auch. Bloß, wir müssen uns nicht an irgendeine Straßenecke stellen um auf den Bus zu warten, der Bus wartet vor unserer Tür. Mohammed, unser Fahrer kommt jeden morgen, stellt sein Auto ab, wir steigen in den klapprigen Bus ein, werden zur Arbeit gefahren und mittags wieder zurück.
Einige ausländische Arbeiter (Afrikaner und Asiaten), fahren Rad und verzichten auf dem Busservice. Das sehe ich jeden morgen und Nachmittag auf der Baustelle neben unserer Residenz. Die Fahrräder sind mindestens genauso klapprig wie die Kleinbusse mit denen sie und wir auch zur Arbeit gefahren werden. Nachmittags und abends sieht man sie mit den Fahrrädern in der Stadt ihre Einkäufe machen oder wie sie durch die Gegend fahren. Fahrradwege gibt es kaum, dafür sind die Straßen extra breit. Ist aber nicht ganz ungefährlich so wie die Autofahrer fahren und auf keinen Acht geben.

Ar'ar Bilder Teil 5

                                                             Schilderwald



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                                             Willkommen in....

                                                         hmm....
 
                                           Stilvolle Straßenlaternen


                                          Willkommen auf dem Mars.

Donnerstag, 24. April 2014

Ar'ar Bilder Teil 4

In vielen Blogs und Büchern ließt man, dass es für Andersgläubige verboten ist eine Moschee zu besuchen. Man darf sie nur von außen sehen und auf gar keinen Fall fotografieren. Hinein darf man angeblich nicht, weil man als Nicht-Muslim unrein ist. Das ist alles Schwachsinn. Natürlich darf man hinein und natürlich darf man Fotos machen wenn man vorher freundlich fragt. Falls man während der Betenszeit hinein möchte, sollte man sich irgendwo hinten oder in einer Ecke stellen um nicht zu stören. Schuhe vorher ausziehen und draußen lassen.
Es heißt, man darf als Ungläubiger den Koran nicht anfassen. Man sollte vorher fragen ob man darf oder nicht. Außerdem gibt es ihn in vielen Moscheen auch in englischer Sprache. Bevor man das heilige Buch in den Händen nimmt sollte man sich gründlich waschen. Neben der Moschee gibt es einen großen Waschraum. Falls man keinen moslemischen Bruder hat der einen alles erklärt, macht man was die anderen machen oder man fragt freundlich was man machen muss.
Ein Moscheegang ist keine reine Männersache. Auch Frauen gehen hin, allerdings haben sie einen anderen Eingang und einen anderen Raum. Unters selbe Dach gibt es alles doppelt, einmal für Männer, einmal für Frauen. Die Frauen sehen den Imam nicht, hören aber seine Stimme.
Fünf Mal am Tag wird gebetet, immer so etwa 15 Minuten lang und immer gen Mekka. Falls man nicht in eine Moschee gehen kann, kann man überall dort beten wo man sich gerade befindet. Man muss sich auch nicht an die Betenszeiten halten, man kann später beten.

Die größte Moschee der Stadt, aufgenommen von der Dachterrasse eines Cafés.






Dieselbe Moschee Tagsüber von außen.




                                               Dieselbe Moschee von innen.





                                                      Eine andere Moschee.




Was macht man wenn...

Was macht man, wenn im Haus etwas kaputt ist, man die Landessprache nicht beherrscht und der dafür verantwortliche keine Fremdsprachen kann? Man dreht ein Video und lässt ihn so verstehen, was wo gemacht werden muss. Innerhalb kürzester Zeit ist der Schaden gerichtet.


Samstag, 19. April 2014

Teil 11

Obwohl heute Freitag ist und wie der Name schon sagt: Frei-Tag und ich lange schlafen könnte, konnte ich die ganze Nacht kein Auge zumachen. So gegen 8 Uhr morgens nehme ich mein Handy und rufe den Pakistaner am Flughafen an um nach meinem Gepäck zu fragen. Er geht ran und überbringt mir die gute Nachricht. Meine Reisetasche ist da, seit gestern Abend schon. Ich freue mich riesig, springe aus dem Bett und renne zu Murray meinen Projektmanager um es ihm zu sagen. Seine Tür steht offen und er macht sich grad einen Tee. Dann gehen wir zum pakistanischen Kollegen mit kanadischem Pass und internationalem Führerschein und bitten ihn uns zum Flughafen zu fahren.

Als ich nach dem Duschen los will, öffne ich eine Schublade um meinen Reisepass herauszunehmen, da fällt mein Blick auf die zwei Bündel Geld die mir Anes in Riad mitgegeben hat. Die Besitzer haben sich immer noch nicht bei mir gemeldet. Anes hat mir zwar deren Namen gesagt, aber ich habe sie vergessen. Mein philippinischer Reiseführer meinte, dass mich die Kollegen schon aufsuchen werden und ich soll mir keine Sorgen machen. Außerdem wartet einer auf einen Laptop und einer Spiegelreflexkamera. Beides befindet sich in meiner Reisetasche.

Der Weg zum Flughafen ist fast genau derselbe wie der zur Arbeit, aber ab einem bestimmten Punkt aus wird die Strecke sehr schön. Die Verkehrsinsel zwischen den Fahrtrichtungen ist mit verschiedenen Gegenständen sehr schön dekoriert.

Wir fahren ins wunderschöne Flughafengelände rein und gehen schnurstracks zum Pakistaner. Tatsächlich! Das steht meine Reisetasche! Überglücklich fahren wir nach hause.

Nach dem Auspacken Skype ich ausgiebig und so gegen Mittag nehme ich einen Stuhl und setze mich vorm Eingang in die Sonne. Der Sicherheitsmann kommt auch raus und setzt sich dazu. Als die Predigt in den naheliegenden Moscheen zu ende geht, kommen die Gläubigen langsam die Straße rauf. Wir spielen das Nationenratenspiel. Wer kommt aus welchem Land. Der Sicherheitsmann ist ziemlich gut darin. Er erklärt mir auch die unterschiede. Mal erkennt er die Herkunft am Kopftuch, mal am Käppi oder Mütze, mal am Gewand. Da kommen auch meine Kollegen in ihrer Landestracht die Straße rauf. Pakistaner, Bengalen und der Ägypter sind alle unterschiedlich gekleidet.

Eine Stunde später mache ich mich mit den zwei pakistanischen Kollegen zu Fuß in die Stadt. Wir brauchen ca. eine Stunde bis ins Zentrum und ich nutze die Chance einige Bilder zu machen. Im Zentrum gehen wir erstmal in ein Restaurant zum essen. Dieses bietet zwar arabische Küche, ist aber kein typisch arabisches Restaurant. Was gemeint ist? Es hat Tische und Stühle! Man muss nicht auf dem Boden sitzen. Es gibt zwei Theken mit verschiedenem Essen. Es gibt frittiertes Zeug wie Pommes, Fischstäbchen, etc. und auf der anderen Seite traditionell arabisches Essen, das teilweise sehr scharf ist. Außerdem gibt es arabischen Tee. Als ich einen Becher trinke und davon begeistert bin, gehe ich zum Koch und frage ob ich ihm zuschauen darf. Ich darf und es ist ihm eine Ehre. Er lädt mich sogar zu einem Tee ein.

Danach gehen wir in der Stadt spazieren. Arabische Städte sind anders aufgebaut als europäische Städte. Es gibt keine zentrale Piazza mit Rathaus und Fußgängerzone. Da Saudi ein Königreich ist, gibt es auch keine Rathäuser. In einem Autoland wie Saudi, sind Fußgängerzonen Mangelware. Und noch etwas ist anders. Die Geschäfte. Sie gibt es in Gruppen. Es gibt die Handystraße, die Computerstraße, die Friseurstraße, die Parfümstraße, eine Gegend mit Geschäften für Frauen und Kinder, usw. Je nachdem was man möchte, geht man in die entsprechende Straße oder Gegend.

Als der Muezzin zum Gebet ruft, machen wir uns auf in eine Moschee. Die Kollegen gehen hinein und ich warte währenddessen draußen. Ich lehne mich an einem Laternenpfahl und lasse meinen Blick schweifen. Auf einmal parkt ein Mercedes SE direkt vor mir und ein kleinwüchsiger Araber steigt aus. Wir schauen uns kurz an und dann lass ich meinen Blick wieder schweifen. Er jedoch, kommt näher und sagt mir etwas auf Arabisch. Natürlich verstehe ich nichts und erwidere auf Englisch. Er jedoch lässt nicht locker und redet und redet und redet. Irgendwann verstehe ich das Wort ‚Syrien’. Glaubt er etwa ich sei Syrier? Vielleicht liegt das an meinem Bart der gewachsen ist. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich kein Syrier sondern ‚Yunani’ bin, aber irgendwie kommt das bei ihm nicht an. Da hält ein SUV auf der anderen Straßenseite und Fahad, ein Student steigt zu meinem Glück aus. Er sieht mich und kommt zu uns herüber. Ich frage ihm ob er mir mit dem kleinwüchsigen Araber behilflich sein kann. Gott sei dank, kann er es. Fahad erzählt dem Araber etwas, worauf sich der Mann auf einmal zu mir umdreht und ‚Yunani’? fragt. Ja, sage ich, ‚Yunani’, nix Syrien. OK!

Was der Mann wollte? Er wollte von mir wissen, warum ich hier draußen stehe und nicht zum beten in die Moschee gehe. Jetzt weiß er, dass ich kein Moslem und kein Syrier bin. Er lächelt mir zu, gibt mir seine Hand, wünscht mir alles Gute und geht in die Moschee zum Beten.

Als die Betenszeit um ist, kommen alle raus, darunter auch der Araber. Er grüßt mich wieder, steigt in seinem Benz ein und fährt weg.

Wir steigen in Fahads 6-Liter GMC-SUV ein und fahren in ein Café zum Teetrinken. Das Café hat auch eine Dachterrasse mit Blick über eine breite Straße und der größten Moschee von Ar’ar.

Danach fährt er uns nach hause. Kaum schließe ich meine Wohnungstür, klopft es an der Tür. Draußen steht ein Kollege.
„Ich glaube du hast etwas für mich“ sagt er konspirativ.
„Kann sein“, erwidere ich. „Was soll ich für dich haben?“
„Geld.“
„Wie viel?“
Er nennt einen Betrag der mit dem größeren Geldbündel übereinstimmt.

Nicht mal eine Minute nachdem er gegangen ist, klopft es wieder an der Tür. Es ist ein weiterer Kollege.
Wieder das gleiche Spiel mit mehr oder weniger demselben Wortlaut. Für ihn habe ich den kleineren Geldbündel, den Laptop und die Spiegelreflexkamera.
Gott sei dank bin ich die Sachen und vor allem das Geld los.

Bilder vom Weg zum Flughafen gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)

Ar'ar Bilder Teil 3







Mittwoch, 9. April 2014

Teil 10


Noch ein Tag mit Büroarbeit steht mir bevor. Wieder den ganzen Tag Exceltabellen füttern. Hört sich zwar langweilig an, ist es aber nicht. Ich höre den ganzen Tag Musik, Leute kommen und gehen, kann meine Pausen machen, etc. In einer Pause nehme ich meinen Tee und gehe im Gelände des Polytechnikums spazieren. Dabei werde ich von vielen Studenten angeredet und fotografiert. Mal alleine, mal mit denen zusammen und in verschiedenen Posen.

Mein ägyptischer Kollege ruft beim Flughafen in Ha’il an um nach meinem Gepäck zu fragen, aber es geht keiner ran. So beschließen wir nach dem Mittagessen zum Flughafen in Ar’ar zu fahren um beim Pakistaner anzuklopfen. Gesagt, getan. In ein paar Minuten kommen wir da an und müssen feststellen, dass er zu ist. Wir gucken uns an und wundern uns, dass ein Flughafen zugesperrt wird. Der Sicherheitsbeamte vor Ort erzählt uns, dass der Flughafen nur auf hat, wenn Flugzeuge landen oder starten, ansonsten ist hier alles dicht. Bloß, die Öffnungszeiten erzählt er uns nicht. So schauen wir im Internet nach wann es Flüge gibt und rechnen uns die Zeiten aus. Am Nachmittag und Abend gibt es Flugbewegungen, da probieren wir es wieder.

Die Fahrt mit dem klapprigen Bus nach Hause ist wieder ein Genuss. Die Sonne knallt, die Kollegen sind ruhig, einer schläft sogar. Als es Betenszeit ist, meldet sich das Handy des Ägypters. Es gibt Anwendungen für Handys die die Betenszeiten anzeigen. Da sich die Betenszeiten von Tag zu Tag ändern, weil die Tage entweder länger oder kürzer werden, geht die App mit der Zeit und meldet sich immer zur korrekten Zeit. Wenn man den Ort wechselt, kann man die App auf den neuen Ort einstellen, falls sie sich nicht automatisch einstellt. Jeder Ort hat andere Betenszeiten. Das kommt davon, dass es nicht überall gleichzeitig hell wird. Viele dieser Anwendungen haben auch einen integrierten Kompass, damit der Gläubige weiß in welche Richtung Mekka liegt. Außerdem bekommt man einen Überblick über sämtliche Betenszeiten des Tages und weiß somit wann die Geschäfte auf- und zumachen. Während der Betenszeit hört man einem Imam zu. Man kann sich die Moschee auswählen. Der Kollege hat Mekka eingestellt. So erklingt bei jeder Betenszeit die Stimme eines Imams aus Mekka.

Die Fahrt an sich hat für mich etwas exotisches, dazu kommt der Gesang des Imams und lässt mich in andere Welten entschweben. Es ist wie im Märchen, wie in einem Film. Und als wir über eine staubige Straße holpern ist das Märchen von 1001 Nacht perfekt.

Am Nachmittag muss ich mit einem der pakistanischen Kollegen zum Polytechnikum. Der Chef von Ma’aden soll kommen und es steigt eine Feier. Das Management wird da sein, einige Studenten auch, die University of Missouri Truppe, der pakistanische Kollege und ich.

Mohammed unser Fahrer kommt um uns zwei abzuholen. Weil wir nur so wenige sind, nehmen wir nicht den Bus, stattdessen fahren wir in seinem Privatauto. Ein 6-Liter GMC-SUV. Das Ding ist so groß wie eine Wohnung. Es bietet massig Platz und man braucht eine Leiter um einzusteigen. Drinnen fühlt man sich wirklich wohl. Die Ledersitze sind äußerst bequem, man genießt eine Beinfreiheit wie in der Businessklasse eines Flugzeugs und die Federung ist allererste Sahne. Kaum sind wir losgefahren, öffnet Mohammed das Handschuhfach und deutet auf ein breites Angebot an Parfüms. Dann öffnet er das Fach der Mittelkonsole und bietet uns noch mehr Parfüm an. Die Araber, das weiß ich von meinem arabischen Nachbarn zuhause, stehen total auf Parfüm. Er nimmt verschiedene Flaschen und sprüht uns voll. Auf einmal duftet das ganze Auto und ich komme mir vor wie in einem Parfümladen.

Als wir ankommen, gehen wir rüber zum Hauptgebäude wo schon ein paar der Manager warten. Dann werden wir alle in einer Reihe aufgestellt. Zuerst ein paar Leute vom Management, dann die Missouri Truppe, dann der Kollege und ich und danach ein paar Studenten. Ein paar Minuten später kommt ein Auto durch die Einfahrt, fährt um den Springbrunnen herum, hält an und ein paar Leute steigen aus. Dann werden Hände geschüttelt und man stellt sich vor. Als die Entourage beim Pakistaner und mir ankommt, bleiben die Leute etwas länger stehen, inhalieren die ganzen Düfte und lächeln uns besonders freundlich zu. Das gleiche passiert noch einige Male, denn es kommen noch mehr Autos aus denen Leute aussteigen und denen wir uns vorstellen und deren Hände wir schütteln.

All diese Leute werden vom Management durchs Gelände geführt ehe es in die große Aula geht. Dort sitzen ganz vorne die Missouritruppe, einige vom Management, wir zwei und hinter uns gut hundert Studenten.

Dann folgen einige sehr emotionale Reden. Irgendwann wird es mir schwindelig von der Atmosphäre da drin und von den ganzen Düften, meine Augen werden rot, meine Kontaktlinsen fangen an zu schmerzen und ich kann mich gar nicht auf den Sitz halten. Ich bete darum, dass das ganze bald ein Ende nimmt und wir nach draußen entlassen werden. Tut es aber nicht. Einer nach dem anderen nimmt das Mikro in die Hand und hält einen quälend langen Monolog. Ich nehme ein Fläschchen Tränenflüssigkeit aus meiner Tasche und kippe mir das Zeug massenweise in die Augen. Es hilft immer nur für ein paar Minuten. Als der letzte der Runde seine Rede zu Ende bringt, denke ich mir ‚Hallelujah’ und will aufstehen und gehen. Denkste! Dann werden die Kameras gezückt und die Leute von Ma’aden fotografieren sich mit den Studenten, denn wie sie vorher gesagt haben, die Studis sind die Zukunft des Unternehmens.

Mein Eindruck ist, hier wird Ma’aden ein Bär aufgebunden. Ich dachte, nur die Griechen sind Meister im Inszenieren und Märchenverkaufen. Oh wie ich mich getäuscht habe! Die Araber sind auch Meister in dieser Disziplin!

Als es endlich vorbei ist, stürze ich raus in die kühle Luft und versuche wieder zu mir zu kommen. Einige Studenten sind besorgt und folgen mir. Nach ein paar Minuten geht’s mir wieder gut.

Danach gehen wir in die Cafeteria zum Essen. Heute ist sie besonders geschmückt und festlich und das Essen schmeckt auch besser.

Mit dem 6-Liter GMC-SUV geht es wieder nach Hause. Mein ägyptischer Kollege wartet auf mich und berichtet mir, dass er mit jemanden in Ha’il gesprochen hat, der ihm versichert hat, dass meine Reisetasche in der Früh um 6 in Ar’ar sein wird. Wirklich? Wie kann das sein? Der erste Flieger der hier ankommt, erreicht den Flughafen um 7:30 Uhr. Der Kollege meint, er hätte dies dem Beamten gesagt, aber der Beamte blieb bei seiner Behauptung, dass mein Gepäck in der Früh um 6 da sein würde. Da ich es irgendwie nicht glauben mag, frage ich dem Kollegen, ob er Lust hat in der Früh mit mir nach Ha’il zu fahren um die Reisetasche abzuholen.

Danach gehe ich mich duschen um den ganzen Parfümgeruch loszuwerden.


Bilder vom Polytechnikum gibt es hier: (öffnet im neuen Fenster)

Ar'ar Bilder Teil 2

                                     Das Hauptgebäude

                                                  Der SMP Turm

                                     Verschiedene Gebäude











Die Küche in der es Kaffee, Tee und Wasser umsonst und bis zum Abwinken gibt.



Montag, 7. April 2014

Teil 9


Der Gesang des Imam weckt mich sanft, ich öffne die Augen und bleibe noch im Bett und warte bis der Wecker klingelt. Verschiedene Gedanken und Szenen gehen mir durch den Kopf. Der Supermarktbesuch war, wie eine gute Freundin sagt, wie ein Fenster ins Leben der lokalen Bevölkerung. Man sieht den Menschen bei etwas alltäglichen, etwas banalen zu und lernt einiges dazu. Ich war jedenfalls überrascht Bier zu sehen – alkoholfreies in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen die es bei uns nicht gibt. Einige westliche, darunter auch deutsche Brauereien, aber auch einige asiatische verkaufen hier Bier mit verschiedenen Früchten die bei uns gar nicht erhältlich sind. Was noch positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache wie zivilisiert und freundlich die Leute sind. Als die Durchsage mit dem Hinweis zur Betenszeit kam und die Lichter langsam ausgingen, schritten die Leute langsam zu den Kassen und hetzten nicht. Bei uns würden, kurz bevor der Supermarkt seine Pforten schließt und die entsprechende Durchsage gemacht worden ist, die Massen zu den Kassen rennen und alle würden wie die Verrückten durch den Supermarkt hetzen um ja alles einzukaufen und um als erster an der Kasse anzukommen. Diese Szenen habe ich öfters im Tengelmann in Giesing und im Supermarkt im Perlacher Forst live miterlebt.

Etwas anderes war, dass die Männer auch Kinderwägen schieben und Kinder auf den Schultern tragen. In weiten Teilen Europas spricht man von verweichlichten Männern die ihre Männerrolle vergessen haben. Na ja.

Aber eine Angst bleibt. Die Angst Frauen anzuschauen. Was willst du denn sehen? Fragt mein Unterbewusstsein, sind doch eh alle verschleiert. Stimmt, aber ich habe immer noch Angst, dass wenn mein Blick auf eine Frau gerichtet wird, ein kleinwüchsiger Araber von irgendwoher auf mir springt, mich zu Boden reißt, irgendwas auf Arabisch schreit und ich mich in einem Kerker bei Wasser und Brot wiederfinde.

Bilder von Riad schießen mir durch den Kopf und wie sauber es dort war. In Ar’ar musste ich feststellen, dass es leider nicht so sauber ist. Man sieht Müll auf den Straßen liegen.

Ob heute meine Reisetasche kommt?

Als ich die Treppe runtergehe strahlt wieder die Sonne durch die Eingangstür und erhellt den Korridor in sanftem Orange. Draußen ist die Luft klar, kühl und trocken. Die Fahrt mit dem klapprigen Bus ist wieder ein Genuss. Auch heute werde ich den ganzen Tag im Büro verbringen.

Als ich in einer der Pausen raus gehe um Tee zu trinken und Luft zu schnappen, kommen einige Studenten auf mich zu, begrüßen mich und wollen sich mit mir fotografieren lassen. Es werden unheimlich viele BlackBerries und iPhones gezückt und schon machen die Bilder ihre Runde auf Instagram. Wie war das noch mal mit dem Fotografierverbot? Dass die Araber so technisch versiert sind wusste ich vorher nicht. Man denkt immer an Wüste, an Beduinen, an ein zurückgebliebenes Volk, an Taliban, Al Qaida, etc. Erfreulich, dass es nicht so ist.

Mein ägyptischer Kollege ruft beim Flughafen an und erkundigt sich beim Pakistaner nach meiner Reisetasche. Er meint, dass sie immer noch in Ha’il ist und er nicht wisse wann sie kommt. Aber er bleibt dran.

Zu Mittag gehen wir in die Cafeteria zum Essen. Auf dem Schild über dem Eingang steht Cafetaria, hihihi!
Als Lehrkraft darf man an den wartenden Studenten vorbei. Ich will das nicht und möchte mich hinten anstellen, aber die Studenten lassen mich nicht. Sie fordern mich auf nach vorne zu gehen und treten demonstrativ zur Seite. Ich bin wirklich gerührt. Meine Kollegen gehen automatisch an den Studenten vorbei. Bei manchen wirkt das arrogant, andere bedanken und entschuldigen sich bei den Studenten.

Das Angebot ist, wie soll ich es formulieren? RIESIG!!! Es gibt zwei Arten von Salat, Reis ohne etwas, Reis mit Soße und entweder mit Fleischstückchen oder Gemüse, Hähnchen (jeden Tag anders zubereitet: gekocht, gebraten, etc), Frühlingsrollen, Suppe, eine Gemüsebrühe die man entweder als Suppe essen kann oder man gießt sie aufs Essen als Soße, Fladenbrot, Nachtisch, Obst und Getränke. All das für 5 Rial – weniger als 1 Euro!!!

Wir Lehrer haben einen abgetrennten Raum für uns, der ist aber klein und meistens frostig und mit schlechter Luft, sodass einige Lehrkräfte draußen mit den Studenten sitzen. Auch das Management hat einen abgetrennten Raum zur Verfügung.

Am Nachmittag gehe ich mit einem Kollegen zur nahe gelegenen Tankstelle. Dort befindet sich auch ein Lebensmittelladen in dem man so ziemlich alles, außer Obst und Gemüse finden kann. Was mich erstaunt, sind wieder die Preise. Obwohl es ein Tankstellenmarkt ist, sind die Preise ähnlich oder dieselben wie im Supermarkt. Schmunzeln muss ich als ich feststelle, dass ein Liter Wasser soviel kostet wie ein Liter Benzin: 45 Halala, ca. 10 Cent.
Bilder gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)

Ar'ar Bilder Teil 1

                                               Klappriger Nissan-Bus zur Arbeit

                                      Klappriger Bus mit aufgemotztem Design 
                                    
                                     Mohammed unser Fahrer

                                     Mohammed unser Fahrer

                                     Mohammed unser Fahrer

                                     Es geht nach Hause.

                                     Von der Sonne erhellter Eingangsbereich um 7.20 Uhr.

                                     Eingang von draußen.

                                     Unsere Residenz.

                                     Fast-Food-Laden an der Tanke. Hat leider dicht gemacht.

                                     Lehrer Theo beim Mittagessen.

                                     Das Mittagessen.

                                     Das Mittagessen.

                                     Unsere Cafetaria :)

Hier essen die Studenten. Links hinterm Vorhang ist der Bereich fürs Management. Rechts hinten, der sonnendurchflutete Bereich.

                                     Links hinten ist der Lehrerbereich.