Donnerstag, 26. Juni 2014

Teil 19

Nach einem äußerst schwierigen und anstrengenden Arbeitstag, komme ich nach Hause und lege mich ins Bett. Ein paar Stunden später weckt mich der Gesang des Muezzins ganz sanft. Da es noch hell ich beschließe ich einen Spaziergang zu machen.
Ich trete vor die Tür, atme tief ein, die Luft ist klar und rein und sehr erfrischend. Da es noch Betenszeit ist fast keiner unterwegs. Die breite Straße vor unserer Residenz ist wie leergefegt. An der nahegelegenen Tankstelle stehen ein paar Autos und Menschen die darauf warten, dass der Tankwart wieder aufsperrt und sie tanken und einkaufen können. Mein Weg führt mich an einer Stelle vorbei, an der sehr viele LKWs wie im Foto unten stehen. Ich bin hier öfters vorbeigekommen, habe mich aber nie getraut näher ran zu gehen um zu sehen was sie da machen. Eigentlich weiß ich es schon, bloß aus der Nähe habe ich es noch nie gesehen. Jetzt ist keine Menschenseele da, also nähere ich mich. Es ist eine Quelle aus der Wasser sprudelt. Die LKWs werden mit Wasser befühlt, das dann zu den Haushalten der Stadt gefahren wird. In Saudi gibt es kein fließend Wasser aus der Leitung wie sonst wo. Das Wasser kommt altmodisch aus einer Quelle. Deswegen kann man und sollte man es auf gar keinen Fall trinken, sonst bekommt man Magenschmerzen und Durchfall. Auch darf man damit nicht kochen. Man benutzt es nur zum Waschen. Wasser zum Trinken und zum Kochen gibt es im Supermarkt zu kaufen.
Jedes Haus hat auf dem Dach einen Wasserbehälter in dem das Wasser reinkommt und wenn es fast aufgebraucht ist, wird der Behälter wieder vollgemacht. So wie das Wasser zu den Häusern transportiert wird, wird auch das Abwasser von den Häusern transportiert. Deswegen fahren sehr viele dieser LKWs durch die Gegend.
Als ich vom Gelände wieder rausgehe, sehe ich ein besonders schönes Exemplar am Straßenrand stehen. Ein gelber LKW mit schöner Deko. Ich gehe einmal herum und stelle mich dann davor und bewundere das Fahrzeug. Dann nehme ich mein BlackBerry aus der Tasche und mache ein Foto. Irgendwann höre ich jemanden rufen:
„Doktor!“
Ich drehe mich um und sehe niemandem.
„Doktor!“ schreit wieder diese Stimme. „Hier!“
Ich schaue auf die andere Straßenseite und sehe wie fünf junge Leute mir zuwinken.
Kann es sein, dass es unsere Studenten sind die mich ‚Doktor’ nennen? Unser Projektmanager hat allen Studenten erzählt, dass sämtliche Lehrkräfte promoviert haben und einen Doktortitel tragen. Beim Nähertreten merke ich, dass es sich nicht um unsere Studenten handelt. Als ich vor ihnen stehe, fragt mich der eine wer ich bin, woher ich komme und was ich hier mache. Dann übersetzt er alles für die anderen.
„Gefällt dir der LKW?“ fragt er.
„Ja, sehr!“ sage ich.
„Er gehört mir“, erwidert er.
„Sehr schickes Teil.“
Wir reden noch eine Weile und ich bin erstaunt wie gut sein Englisch doch ist.
„Woher kannst du so gut Englisch? Wo hast du es gelernt?“ frage ich ihn.
„Vom Fernsehen“, antwortet er.
„Sauber!“ erwidere ich ganz Bayer.
„Ha?“ fragt er.
„Fantastisch!“ sage ich dann auf Englisch.
Nach ein paar Minuten geht hinten beim Haus auf dem Hügel eine Tür auf und eine Frau schreit einen Namen. Alle fünf drehen sich um, erwidern etwas und sagen mir: „Mama hat gerufen, das Essen ist fertig. Wir müssen leider gehen.“
Wir geben uns zum Abschied die Hände und jeder geht seinen Weg. Als ich an der nächsten Ecke gedankenverloren ankomme, denke ich mir, schade dass du kein Foto von denen gemacht hast! Ich drehe mich um, aber es ist keiner mehr da. Nur der gelbe LKW parkt stumm am Straßenrand.
Leere Straße vorm Haus.
 
Wasserdistribution

 
                                                                    Schöner LKW



Samstag, 21. Juni 2014

Teil 18


Nach einer Woche im Bett, bin ich wieder gesund und darf zurück zur Arbeit. Was ich genau hatte weiß ich nicht. Jedenfalls haben die Medikamente gewirkt. Meine Stimme ist wieder da, das Fieber ist weg und ich fühle mich wieder voller Elan.

Sonntag früh, 7:20 Uhr, die Sonne scheint und ich gehe mit einem mulmigen Gefühl die Treppe runter. Als ich vor der Residenz stehe, schließe ich die Augen und atme tief ein. Kühle Wüstenluft. So langsam kommen die Kollegen und wir begrüßen uns. Die wenigsten haben mich während meiner Krankheit besucht und jetzt sind alle froh, dass es mir wieder gut geht und ich zurück bin. Warum? Die armen haben eine leidvolle Woche erleben müssen.

Einer unserer Lehrer hat gekündigt und ist gegangen. Da hat unser Projektmanager beschlossen, dass ich auch seine Klasse übernehme. Also zwei Klassen werden zusammengeführt und werden eine. Die Probleme? Die Studenten mögen sich nicht und wollen nicht zusammengelegt werden. Ich werde 35 oder so Studis in der Klasse haben und die zwei Klassen sind unterschiedlich weit im Stoff.

Ich habe vorgeschlagen die Gruppe zu zerschlagen und die Studenten auf die restlichen Klassen zu verteilen, aber unser Projektmanager wollte nicht. Dann wurde ich krank und machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem hält er an seinem Plan fest und schikaniert uns alle.

Während meiner Abwesenheit mussten die Kollegen, außer ein – zwei die dem Projektmanager sehr nahe stehen, ihre Klassen unterrichten und alle paar Minuten zur anderen Klasse gehen um sich um die Lehrerlosen Studenten zu kümmern. Wie mir berichtet worden ist, liefen die Kollegen den ganzen Tag die Korridore entlang und nach der Arbeit waren sie fix und fertig und legten sich erstmal schlafen. Unser Projektmanager hat sich rigoros geweigert von seinem Büro raus zu kommen um die Lehrerlosen Studenten zu unterrichten, machte aber was er am Besten kann: die Kollegen mit Zettelchen auf denen Forderungen stehen zu terrorisieren.

Deswegen sind sie jetzt froh, dass es mir besser geht und sie entlastet werden. Aber ich bin nicht ‚amused’ darüber. Egal, bald geht es dem Ende zu und wir werden unseren untauglichen und nutzlosen Projektmanager los.

Als er um 7:30 Uhr raus kommt um zu sehen ob wir alle da sind, ist es vorbei mit der Ruhe. Ich stöpsle mir die Ohren mit den Ohrhörern zu und drehe die Musik voll auf. 30 Seconds to Mars. Feinster Gitarrenrock damit ich nichts höre.

Um 8 Uhr stehe ich im Klassenraum und muss mir Beschwerden meiner Studenten anhören. Als nach einiger Zeit alle da sind, geht es los mit dem Unterricht. Ich habe meine Mühe ca. 35 junge, temperamentvolle Araber ruhig zu halten aber es funktioniert. So früh am Morgen sind sie noch nicht ganz fit und manche dösen vor sich hin. Die erste Stunde vergeht wie im Flug. Als ich nach der ersten Pause in die Klasse zurückkomme sehe ich wie einige Studis schlafen. Ich wecke sie noch nicht, weil mich ein paar andere Studenten umzingeln und mir ihre Hausaufgaben geben wollen. Da kommt der Projektmanager des Weges und sieht die schlafenden Jungs. Er flippt sofort aus, kommt in die Klasse rein, schreit mich an und geht zu den Schlafenden und weckt sie gewaltsam auf. Dann dreht er sich wieder um zu mir und schimpft weiter auf mich ein. Als er nach zwei Minuten oder so immer noch schreit sage ich, dass die Studis in der Pause geschlafen haben und ich habe sie nicht aufgeweckt, weil wir noch nicht angefangen haben. Da schaut er mich verdutzt an, guckt auf seine Uhr, sieht dass es schon fünf nach ist und schreit mich an und wirft mir vor ich verplempere die Zeit anstatt Unterricht zu machen. Da kommt Gott sei dank der große Manager vorbei und will ihn sprechen. Beim rausgehen knallt er die Tür zu.

Eine halbe Stunde später, wir sind gerade beim Vokabellernen, nehmen ein paar Jungs ihre Handys aus der Tasche und schauen heimlich in online-Wörterbüchern, was die Worte auf Arabisch bedeuten. Sie machen es heimlich, weil unser Projektmanager die Handynutzung innerhalb des Polytechnikums verboten hat. Wie das Schicksal es so will, sieht er durchs Fenster einen der Jungs mit dem Handy in der Hand. Er schreit durch das offene Fenster, worauf ich es zuknalle. Ein paar Sekunden später steht er an der Tür und öffnet sie mit Gewalt, so dass sie gegen die Wand knallt. Er schreit mich sofort an und wirft mir vor, dass ich seine Befehle nicht befolge, etc. Ich schnappe mir einen Stuhl und sage gelassen: „Wenn du nicht jetzt sofort gehst und die Tür langsam hinter dir zumachst, wirst du die Bekanntschaft dieses Stuhls machen!“

Er geht und macht langsam die Tür hinter sich zu. Meine Jungs jubeln und klatschen in die Hände. Ich bin nicht stolz drauf, habe aber ab dem Zeitpunkt meine Ruhe.

Der Tag verläuft ruhig und wir haben unseren Spaß. Trotzdem warte ich voller Hoffnung auf dem letzten Unterrichtstag und der Erlösung. Aber bis dahin wird noch einiges geschehen und unser Projektmanager wird nicht müde unser aller Leben zur Hölle zu machen.

                                Wir sind gut drauf.
           
                                             Ich schlaf dann mal ein wenig.

                                Ich habe nichts getan!

                                            Kalt ist es hier.

                                 Wir haben Spaß.

                     Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht, also bin ich nicht hier. Oder doch?

                                Isch cool män!

                                AAAAAARGGGHHHHHH!!!!!!

                               Lehrer, dein Unterricht ist langweilig!

Samstag, 14. Juni 2014

Teil 17


Wenn man in Saudi lebt und arbeitet, hat man zumindest als Westler diverse Vorzüge. Einer dieser Vorzüge sind kostenlose Arztbesuche. Man kriegt vom Arbeitgeber eine Karte und eine Liste von Krankenhäusern und Ärzten die man umsonst besuchen kann. Ich habe komischerweise keine solche Karte bekommen obwohl sie mir vertraglich zusteht. Ich habe öfters danach gefragt und jedes Mal eine andere Antwort erhalten. Bei der letzten Anfrage habe ich meine Stimme erhöht und Druck gemacht und alles was ich erreichen konnte war, dass falls ich mal zum Arzt muss, mir der Manager des Polytechnikums die Kosten erstatten wird. Nun ja, jetzt bis ich krank geworden. Da mein Projektmanager das mitbekommen hat, hat er mich darum gebeten zu Hause zu bleiben bis ich wieder gesund werde. Er hat Angst, dass ich die anderen auch anstecke, hat er gemeint, und einen Ausfall des Personals kann er sich nicht leisten. Was fehlt mir? Keine Ahnung. Ich habe leichtes Fieber und meine Stimme ist weg und ich fühle mich schwach. Nach drei Tagen im Bett informierte ich meinen Projektmanager, dass ich ins Krankenhaus möchte und er soll bitte dem Manager des Polytechnikums bescheid geben. Gegen Mittag bekomme ich einen Anruf vom Manager. Er erkundigt sich nach meinem Befinden. Als ich darauf beharre einen Doktor sehen zu wollen, meint er ich soll in einer halben Stunde fertig sein. Er kommt mich abholen. Nicht einmal eine Viertelstunde Später steht er mit seinem Schatzmeister vorm Haus. Sie fahren mich zum Militärkrankenhaus. Er parkt vor der Tür, wir steigen aus, die zwei Araber schreiten voran und ich folge brav. Drinnen gehen wir durch ein paar Gänge, biegen ein paar Mal ab und gehen in ein kleines Zimmer ohne Fenster rein um die Anmeldung zu machen. Wir setzen uns auf drei äußerst bequemen und großen schwarzen Ledersesseln und die drei fangen sofort mit dem Smalltalk an. Nach gefühlten 10 Minuten dreht sich der Angestellte zu mir um und fragt nach meinem Ausweis und meinem Befinden. Während er das alles in seinem Computer tippt, geht der Smalltalk weiter. Irgendwann bekomme ich meinen Pass zurück, wir stehen auf und gehen wieder durch ein paar Korridore. Dann kommen wir zu so etwas wir einem Empfangsbereich. Direkt neben dem Empfang ist ein Zimmer das wie ein Untersuchungszimmer ausschaut.
„Bleib hier stehen“, sagt der Manager und geht in das Zimmer rein.
„Da ist kein Arzt“, sagt er als er wieder rauskommt.
Er geht zu einer der Schwestern und fragt nach den Ärzten. Die Schwester meint wir müssen vorher noch woanders hin um unseren Einweisungsschein gestempelt zu bekommen.
Gesagt, getan.
Dann geht’s wieder zurück zur Schwester.
„Wo ist der Arzt?“ fragt der Manager.
„Er untersucht gerade einen Patienten.“
„Wo?“
„In dem Raum.“
„Aha. Wo wird unser Patient untersucht?“
„Hier in diesem. Sie werden gerufen, es sind noch drei Patienten vor Ihnen.“
Das hat meinem Manager nicht gefallen. Er geht um die Theke herum und verschwindet in ein Schwestern- oder Arztzimmer. Ein paar Sekunden später kommt er mit einem Arzt raus. Da stehen sie zu dritt (Doc, Manager, Schatzmeister) und unterhalten sich auf Arabisch. Ich schaue blöd in der Gegend rum und warte geduldig. Auf einmal fällt das Wort „Professor“ und alle drei Köpfe drehen sich zu mir um und gucken mich an. Dann wird weiter getuschelt. Dann höre ich das Wort „Europäer“ und wieder drehen sich die drei Köpfe um und starren mich an.
Dann kommt der Doc zu mir und bittet mich ihn zu folgen. Vorne ein kleiner ägyptischer Arzt, zwei Köpfe kleiner als ich, hinter mir zwei Araber in ihren Gewändern. Auf dem Weg nimmt der Arzt zwei Schwestern mit. Ich lege mich auf ein Bett, die Araber setzen sich ans Nebenbett, der Doc steht am Bettende und ich habe jeweils eine Schwester links und rechts die sofort mit der Untersuchung anfangen. Natürlich geht der Smalltalk weiter. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, die Schwestern verschwinden, die Araber folgen ihnen, der Arzt bleibt noch ein wenig bei mir und nach zwei Minuten darf ich aufstehen. Da mir etwas schwindelig ist und ich zu fallen drohe, springt eine andere Schwester aus dem Nichts und stützt mich. Wir gehen nach draußen und da sehe ich wie der Schatzmeister einen Batzen Scheine auf den Tresen knallt, das Rezept nimmt und rüber zur Apotheke geht. Ich darf mich noch hinsetzen und nach zwei Minuten werde ich mit einer kleinen Tüte Medikamente nach Hause gefahren.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Teil 16

Wenn man in Saudi arbeitet, kriegt man auch eine Wohnung gestellt. Wenn man in einer der großen Städte arbeitet, wohnt man in einem Compound. Das sind Wohnkomplexe für Ausländer aus dem Westen. Diese Compounds können unterschiedlich groß sein, die Wohnungen jedoch sind mehr oder weniger gleich groß und ähnlich ausgestattet. Wenn man alleine oder mit Partner ist, kriegt man eine 2-Zimmer Wohnung mit ca. 50-60qm. Als Familie hat die Wohnung mehrere Zimmer und ist um die 100qm groß.
Alle sind voll ausgestattet mit Möbeln, Waschmaschinen, Mikrowellen, Herd, etc. Man hat auch eine schnelle Internetverbindung und eine Putzfrau die sich um die Sauberkeit der Wohnung kümmert. Das tolle daran ist, dass man mietfrei wohnt. Man muss auch keine Nebenkosten oder Strom bezahlen.
Ein Compound kann nur aus Wohnungen mit Gemeinschaftsgarten bestehen, aber auch ein Schwimmbad haben, einen Billardraum, Fitnessraum, Restaurant, Supermarkt, Tennisplatz, Fußballfeld, etc. Es kommt immer auf die Größe an. Dazu gibt es eine Tiefgarage und Wachpersonal.
Für manche ist so ein Compound grandios, denn man hat jeglichen Luxus von den man immer geträumt hat und nie haben könnte, weil er schier unbezahlbar ist. Der Nachteil ist, dass man wie in einem Ghetto lebt, nur westliche Ausländer um sich und kaum Kontakt zu Arabern hat.
Wir in Ar'ar haben das Glück, oder auch das Pech nicht in so einem Compound zu wohnen. Wir haben zwar ein Gebäude für uns, aber mit deutlich weniger Luxus. Dafür leben wir mitten in der arabischen Gemeinschaft.
Hier sind wir nicht mal 30 Leute und wurden in einem Haus mit 2-Zimmer Wohnungen untergebracht. Jeder von uns hat eine 50qm Wohnung, mit Doppelbett, Flachbildfernseher, Klimaanlage, etc. Der Putzmann kommt sechs mal in der Woche! Und im Erdgeschoß gibt es einen Raum mit Waschmaschinen und Trockner. Die Benutzung ist kostenlos. Waschpulver muss man jedoch selber kaufen. Nur unsere Internetverbindung macht uns zu schaffen. Sie ist sehr, sehr langsam. Auch haben wir keine Vorhänge wie man auf einen der Bilder sehen kann, so wacht man am Wochenende auf wenn die Sonne aufgeht. Deswegen habe ich eine Schlafmaske und schlafe selig bis in den späten Vormittag oder bis zur Mittagszeit.
Wir haben auch keine Tiefgarage, parken aber vor der Tür und im Schuppen ist Platz für Fahrräder.

                                                Eingang zum Wohnzimmer.

                                Das Wohnzimmer mit offener Küche.

                                Flach-TV mit Satellitenempfang. 1000 Kanäle!

                                                 Das Bad. Vorne Waschbecken, hinten WC mit Dusche.

                               Schlafzimmer mit Doppelbett, Klima und KEINEN Vorhängen!!!


Sonntag, 1. Juni 2014

Teil 15

Was macht man in einem Land in dem es kein Kino, kein Theater, keine Oper, keine Diskothek und keine Bars gibt und keine Konzerte stattfinden? Nun, für jemanden der aus der westlichen Welt kommt und sich an die westliche Lebensweise gewöhnt hat wird es schwer sein sich umzugewöhnen. Für manche kann es ein Schock sein wenn sie erfahren, dass es all das hier nicht gibt, andere jedoch merken es am Anfang nicht, wundern sich später aber schon darüber. Menschen die dem Alkohol nicht abgeneigt sind und gerne ein Bier oder glas Wein beim Essen trinken, werden sich hier schwer tun. Saudi ist in dieser Hinsicht ein trockenes Land. Alkohol ist strengstens verboten und allen Berichten zum trotz, gibt es ihn nicht mal in den Hotels für ausländische Gäste. In manchen Nachbarländern jedoch, gibt es Alkohol in gewissen Hotels für Ausländer. Es ist auch verboten Alkohol in jeder erdenklichen Form einzuführen. Wird man erwischt, landet man sofort im Kerker. Da springt von irgendwoher ein kleinwüchsiger arabischer Grenzbeamter auf einen, reißt einen runter, schreit etwas Unverständliches auf Arabisch und man öffnet seine Augen wieder in einer Zelle bei Wasser und Brot. Na ja, vielleicht nicht ganz so, aber man landet schon im Gefängnis.

Es ist nicht so, dass man auf sein Bier verzichten muss, man findet überall bleifreies. Hier habe ich zum ersten Mal eine so große Auswahl an alkoholfreiem Bier gesehen. Marken die es auch bei uns gibt, weil sie teilweise Deutsch sind, offerieren hier Biervarianten in verschiedenen Geschmacksrichtungen mit Apfel, Zitrone, Himbeeren, etc. die es bei uns nicht zu kaufen gibt. Auch alkoholfreien Wein habe ich gesehen.

In der Freizeit kann man in Cafés gehen, in größeren Städten gibt es westliche Ketten wie Starbucks, in Restaurants, auch hier sind etliche westliche Ketten im Land vertreten, man kann Sport treiben, in Parks spazieren gehen, Sehenswürdigkeiten besuchen oder mit den Saudis in die Wüste gehen. Dort kann man auf Kamelen reiten, campen, im Zelt übernachten, grillen, etc. Viele Saudis fahren übers Wochenende raus in die Wüste, schlagen ihr Zelt auf und verbringen dort eine schöne Zeit mit Familie oder Freunden.

Wenn man Essen gehen möchte, eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Land, hat man wirklich die Qual der Wahl. In Ar’ar jedenfalls gibt es keine westlichen Ketten. Kein McDoof, kein Burger King, kein Pizza Hut, Applebee’s, etc. Hier erlebt man Arabien pur. Klar gibt es hier Fast-Food, aber eher in Dönerbudenform. Die Restaurants sind in zwei Gruppen unterteilt. Eine mit Tischen und Stühlen und eine ohne. Die meisten in Ar’ar werden traditionell gehalten und haben keine Tische und Stühle. Man sitzt auf dem Boden. Es gibt nicht mal Besteck. Als Westler hat man es schwer wenn man nicht gewöhnt ist mit den Händen, bzw. Fingern zu essen. Ich esse so einiges mit den Fingern und Händen, außer den Reis, da habe ich den Dreh noch nicht raus. Deswegen frage ich nach Besteck und bekomme welches aus Plastik. Meine Kollegen jedoch, essen ganz normal ohne. In den Restaurants gibt es kleine Zimmer mit Türen in denen man sich reinsetzt um zu essen. Die Schuhe werden ausgezogen und vor der Tür des Zimmerchens gelassen. Je nach Restaurant sind die Wände verschieden hoch und aus unterschiedlichem Material. Die können bis zur Decke reichen und aus Stoff sein, oder aus Ziegel und etwa mannshoch.
So kommt es öfters vor, dass wir Köpfe unserer Studenten über den Mauern sehen, wenn wir in einem Restaurant sind. Da wir Lehrer die einzigen in der Stadt sind die Englisch miteinander sprechen, bleiben unsere Studis stehen wenn sie uns hören. Natürlich wird sofort bescheid gegeben welche Lehrer wo grad beim Essen sind und so erfährt es die ganze Schule.
Drinnen sitzt man auf einem Teppich und lehnt sich auf Kissen. So bleibt man unter sich und wird nicht von Tischnachbarn gestört. Der Kellner bringt das Essen und setzt es auf eine Papiertischdecke die auf dem Boden ausgebreitet und meistens auch mit einer Klarsichtfolie beschichtet ist.

Zu essen gibt es Kabsa. Es ist das Nationalgericht der Araber. Was es genau ist und wie es aussieht kann man hier sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kabsa Mir hängt es mittlerweile zum Halse raus und kann das Zeug nicht mehr sehen. Leider gibt es das in der Cafeteria des Polytechnikums jeden Tag. Ich weigere mich und nehme was anderes, wenn es denn was anderes gibt. Einmal kam ich zu spät und es gab leider nur Kabsa, also nahm ich widderwillig einen Teller davon. Da fragte mich der Koch:

„Do you like Kabsa?“

„Des Kabsa-zeigl konnst dia sonst wohi schmiern, aber leider hob i heit koa andre Woi“ antwortete ich auf Bairisch.

„Ha?“ fragte der Koch.

„Oh, yes, I love it!“ erwiderte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Der Koch freute sich, schwang seine Kelle und gab mir noch mehr Kabsa.

Nun, es gibt Restaurants die nur Kabsa anbieten. Andere die auch andere Sachen anbieten, aber Freitagnachmittag kurz nach dem Gebet nur Kabsa verkaufen. So ist es manchmal schwer etwas zu essen zu finden. Meine moslemischen Brüder haben kein Problem damit und können es jeden Tag essen.

Die Portionen sind in diesem Land riesig. Von einem Teller können locker zwei Menschen satt werden. Deswegen bestellt nicht jeder für sich selbst, sondern es wird für alle bestellt, das Essen wird in der Mitte gestellt damit sich jeder bedienen kann. Kamelfleisch ist hier eine Spezialität. Man muss sich aber an den Geschmack gewöhnen. Ist nicht jedermanns Sache. Was es hier nicht gibt ist Schweinefleisch.

Wir gehen jedes Wochenende auswärts essen. Es ist sehr günstig im Restaurant zu essen, deswegen tun wir uns das Kochen nicht an. Im beliebten Safa-Restaurant kann man ab 2 Euro essen. Eine Dose Cola kostet 40 Cent. Woanders ist es ein wenig teurer. Einmal waren wir zu dritt in einem türkischen Restaurant, das zu den teuersten der Stadt gehört und haben inklusive Trinkgeld 19 Euro ausgegeben. Zusammen und nicht pro Person!


                                Essen!!!

                                Die einzigen Tische in diesem Restaurant.

                                Hier gibt's die Nachspeise.

                               Die Decke des Restaurants.

                                ESSEN!!!

                                 Tür zum Zimmerchen.

                               Zwei Kollegen im Zimmerchen.


                                 Restaurant Außenansicht.

                               Anderes Restaurant von innen. Zimmerchen mit mannshohen Mauern.

                                                 Ich beim Essen.

                               Kollegen beim Essen.

                               Kollegen beim Essen im Al-Bustan Hotelrestaurant. Das teuerste der Stadt.


                               Pool in Al-Bustan Hotelrestaurant.

                               Kronleuchter im Al-Bustan Hotelrestaurant.

                               Nach dem Schlemmern.

                                Lehrer Theo beim Essen in der Cafeteria.

                               Hier gibt's Kabsa.

                               Cafeteria-Essen.


 
                                Al-Bustan Hotelcafé.

 
                                Ich Teetrinker!