Nach einer Woche im Bett, bin ich wieder gesund und darf
zurück zur Arbeit. Was ich genau hatte weiß ich nicht. Jedenfalls haben die
Medikamente gewirkt. Meine Stimme ist wieder da, das Fieber ist weg und ich
fühle mich wieder voller Elan.
Sonntag früh, 7:20 Uhr, die Sonne scheint und ich gehe mit
einem mulmigen Gefühl die Treppe runter. Als ich vor der Residenz stehe,
schließe ich die Augen und atme tief ein. Kühle Wüstenluft. So langsam kommen
die Kollegen und wir begrüßen uns. Die wenigsten haben mich während meiner
Krankheit besucht und jetzt sind alle froh, dass es mir wieder gut geht und ich
zurück bin. Warum? Die armen haben eine leidvolle Woche erleben müssen.
Einer unserer Lehrer hat gekündigt und ist gegangen. Da hat
unser Projektmanager beschlossen, dass ich auch seine Klasse übernehme. Also
zwei Klassen werden zusammengeführt und werden eine. Die Probleme? Die
Studenten mögen sich nicht und wollen nicht zusammengelegt werden. Ich werde 35
oder so Studis in der Klasse haben und die zwei Klassen sind unterschiedlich
weit im Stoff.
Ich habe vorgeschlagen die Gruppe zu zerschlagen und die
Studenten auf die restlichen Klassen zu verteilen, aber unser Projektmanager
wollte nicht. Dann wurde ich krank und machte ihm einen Strich durch die
Rechnung. Trotzdem hält er an seinem Plan fest und schikaniert uns alle.
Während meiner Abwesenheit mussten die Kollegen, außer ein –
zwei die dem Projektmanager sehr nahe stehen, ihre Klassen unterrichten und
alle paar Minuten zur anderen Klasse gehen um sich um die Lehrerlosen Studenten
zu kümmern. Wie mir berichtet worden ist, liefen die Kollegen den ganzen Tag
die Korridore entlang und nach der Arbeit waren sie fix und fertig und legten
sich erstmal schlafen. Unser Projektmanager hat sich rigoros geweigert von
seinem Büro raus zu kommen um die Lehrerlosen Studenten zu unterrichten, machte
aber was er am Besten kann: die Kollegen mit Zettelchen auf denen Forderungen
stehen zu terrorisieren.
Deswegen sind sie jetzt froh, dass es mir besser geht und
sie entlastet werden. Aber ich bin nicht ‚amused’ darüber. Egal, bald geht es
dem Ende zu und wir werden unseren untauglichen und nutzlosen Projektmanager
los.
Als er um 7:30 Uhr raus kommt um zu sehen ob wir alle da
sind, ist es vorbei mit der Ruhe. Ich stöpsle mir die Ohren mit den Ohrhörern
zu und drehe die Musik voll auf. 30 Seconds to Mars. Feinster Gitarrenrock
damit ich nichts höre.
Um 8 Uhr stehe ich im Klassenraum und muss mir Beschwerden
meiner Studenten anhören. Als nach einiger Zeit alle da sind, geht es los mit
dem Unterricht. Ich habe meine Mühe ca. 35 junge, temperamentvolle Araber ruhig
zu halten aber es funktioniert. So früh am Morgen sind sie noch nicht ganz fit
und manche dösen vor sich hin. Die erste Stunde vergeht wie im Flug. Als ich
nach der ersten Pause in die Klasse zurückkomme sehe ich wie einige Studis
schlafen. Ich wecke sie noch nicht, weil mich ein paar andere Studenten
umzingeln und mir ihre Hausaufgaben geben wollen. Da kommt der Projektmanager
des Weges und sieht die schlafenden Jungs. Er flippt sofort aus, kommt in die
Klasse rein, schreit mich an und geht zu den Schlafenden und weckt sie
gewaltsam auf. Dann dreht er sich wieder um zu mir und schimpft weiter auf mich
ein. Als er nach zwei Minuten oder so immer noch schreit sage ich, dass die
Studis in der Pause geschlafen haben und ich habe sie nicht aufgeweckt, weil
wir noch nicht angefangen haben. Da schaut er mich verdutzt an, guckt auf seine
Uhr, sieht dass es schon fünf nach ist und schreit mich an und wirft mir vor
ich verplempere die Zeit anstatt Unterricht zu machen. Da kommt Gott sei dank
der große Manager vorbei und will ihn sprechen. Beim rausgehen knallt er die
Tür zu.
Eine halbe Stunde später, wir sind gerade beim
Vokabellernen, nehmen ein paar Jungs ihre Handys aus der Tasche und schauen
heimlich in online-Wörterbüchern, was die Worte auf Arabisch bedeuten. Sie
machen es heimlich, weil unser Projektmanager die Handynutzung innerhalb des
Polytechnikums verboten hat. Wie das Schicksal es so will, sieht er durchs
Fenster einen der Jungs mit dem Handy in der Hand. Er schreit durch das offene
Fenster, worauf ich es zuknalle. Ein paar Sekunden später steht er an der Tür
und öffnet sie mit Gewalt, so dass sie gegen die Wand knallt. Er schreit mich
sofort an und wirft mir vor, dass ich seine Befehle nicht befolge, etc. Ich
schnappe mir einen Stuhl und sage gelassen: „Wenn du nicht jetzt sofort gehst
und die Tür langsam hinter dir zumachst, wirst du die Bekanntschaft dieses
Stuhls machen!“
Er geht und macht langsam die Tür hinter sich zu. Meine
Jungs jubeln und klatschen in die Hände. Ich bin nicht stolz drauf, habe aber
ab dem Zeitpunkt meine Ruhe.
Der Tag verläuft ruhig und wir haben unseren Spaß. Trotzdem
warte ich voller Hoffnung auf dem letzten Unterrichtstag und der Erlösung. Aber
bis dahin wird noch einiges geschehen und unser Projektmanager wird nicht müde
unser aller Leben zur Hölle zu machen.
Wir sind gut drauf.
Ich schlaf dann mal ein wenig.
Ich habe nichts getan!
Kalt ist es hier.
Wir haben Spaß.
Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht, also bin ich nicht hier. Oder doch?
Isch cool män!
AAAAAARGGGHHHHHH!!!!!!
Lehrer, dein Unterricht ist langweilig!
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