Samstag, 21. Juni 2014

Teil 18


Nach einer Woche im Bett, bin ich wieder gesund und darf zurück zur Arbeit. Was ich genau hatte weiß ich nicht. Jedenfalls haben die Medikamente gewirkt. Meine Stimme ist wieder da, das Fieber ist weg und ich fühle mich wieder voller Elan.

Sonntag früh, 7:20 Uhr, die Sonne scheint und ich gehe mit einem mulmigen Gefühl die Treppe runter. Als ich vor der Residenz stehe, schließe ich die Augen und atme tief ein. Kühle Wüstenluft. So langsam kommen die Kollegen und wir begrüßen uns. Die wenigsten haben mich während meiner Krankheit besucht und jetzt sind alle froh, dass es mir wieder gut geht und ich zurück bin. Warum? Die armen haben eine leidvolle Woche erleben müssen.

Einer unserer Lehrer hat gekündigt und ist gegangen. Da hat unser Projektmanager beschlossen, dass ich auch seine Klasse übernehme. Also zwei Klassen werden zusammengeführt und werden eine. Die Probleme? Die Studenten mögen sich nicht und wollen nicht zusammengelegt werden. Ich werde 35 oder so Studis in der Klasse haben und die zwei Klassen sind unterschiedlich weit im Stoff.

Ich habe vorgeschlagen die Gruppe zu zerschlagen und die Studenten auf die restlichen Klassen zu verteilen, aber unser Projektmanager wollte nicht. Dann wurde ich krank und machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem hält er an seinem Plan fest und schikaniert uns alle.

Während meiner Abwesenheit mussten die Kollegen, außer ein – zwei die dem Projektmanager sehr nahe stehen, ihre Klassen unterrichten und alle paar Minuten zur anderen Klasse gehen um sich um die Lehrerlosen Studenten zu kümmern. Wie mir berichtet worden ist, liefen die Kollegen den ganzen Tag die Korridore entlang und nach der Arbeit waren sie fix und fertig und legten sich erstmal schlafen. Unser Projektmanager hat sich rigoros geweigert von seinem Büro raus zu kommen um die Lehrerlosen Studenten zu unterrichten, machte aber was er am Besten kann: die Kollegen mit Zettelchen auf denen Forderungen stehen zu terrorisieren.

Deswegen sind sie jetzt froh, dass es mir besser geht und sie entlastet werden. Aber ich bin nicht ‚amused’ darüber. Egal, bald geht es dem Ende zu und wir werden unseren untauglichen und nutzlosen Projektmanager los.

Als er um 7:30 Uhr raus kommt um zu sehen ob wir alle da sind, ist es vorbei mit der Ruhe. Ich stöpsle mir die Ohren mit den Ohrhörern zu und drehe die Musik voll auf. 30 Seconds to Mars. Feinster Gitarrenrock damit ich nichts höre.

Um 8 Uhr stehe ich im Klassenraum und muss mir Beschwerden meiner Studenten anhören. Als nach einiger Zeit alle da sind, geht es los mit dem Unterricht. Ich habe meine Mühe ca. 35 junge, temperamentvolle Araber ruhig zu halten aber es funktioniert. So früh am Morgen sind sie noch nicht ganz fit und manche dösen vor sich hin. Die erste Stunde vergeht wie im Flug. Als ich nach der ersten Pause in die Klasse zurückkomme sehe ich wie einige Studis schlafen. Ich wecke sie noch nicht, weil mich ein paar andere Studenten umzingeln und mir ihre Hausaufgaben geben wollen. Da kommt der Projektmanager des Weges und sieht die schlafenden Jungs. Er flippt sofort aus, kommt in die Klasse rein, schreit mich an und geht zu den Schlafenden und weckt sie gewaltsam auf. Dann dreht er sich wieder um zu mir und schimpft weiter auf mich ein. Als er nach zwei Minuten oder so immer noch schreit sage ich, dass die Studis in der Pause geschlafen haben und ich habe sie nicht aufgeweckt, weil wir noch nicht angefangen haben. Da schaut er mich verdutzt an, guckt auf seine Uhr, sieht dass es schon fünf nach ist und schreit mich an und wirft mir vor ich verplempere die Zeit anstatt Unterricht zu machen. Da kommt Gott sei dank der große Manager vorbei und will ihn sprechen. Beim rausgehen knallt er die Tür zu.

Eine halbe Stunde später, wir sind gerade beim Vokabellernen, nehmen ein paar Jungs ihre Handys aus der Tasche und schauen heimlich in online-Wörterbüchern, was die Worte auf Arabisch bedeuten. Sie machen es heimlich, weil unser Projektmanager die Handynutzung innerhalb des Polytechnikums verboten hat. Wie das Schicksal es so will, sieht er durchs Fenster einen der Jungs mit dem Handy in der Hand. Er schreit durch das offene Fenster, worauf ich es zuknalle. Ein paar Sekunden später steht er an der Tür und öffnet sie mit Gewalt, so dass sie gegen die Wand knallt. Er schreit mich sofort an und wirft mir vor, dass ich seine Befehle nicht befolge, etc. Ich schnappe mir einen Stuhl und sage gelassen: „Wenn du nicht jetzt sofort gehst und die Tür langsam hinter dir zumachst, wirst du die Bekanntschaft dieses Stuhls machen!“

Er geht und macht langsam die Tür hinter sich zu. Meine Jungs jubeln und klatschen in die Hände. Ich bin nicht stolz drauf, habe aber ab dem Zeitpunkt meine Ruhe.

Der Tag verläuft ruhig und wir haben unseren Spaß. Trotzdem warte ich voller Hoffnung auf dem letzten Unterrichtstag und der Erlösung. Aber bis dahin wird noch einiges geschehen und unser Projektmanager wird nicht müde unser aller Leben zur Hölle zu machen.

                                Wir sind gut drauf.
           
                                             Ich schlaf dann mal ein wenig.

                                Ich habe nichts getan!

                                            Kalt ist es hier.

                                 Wir haben Spaß.

                     Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht, also bin ich nicht hier. Oder doch?

                                Isch cool män!

                                AAAAAARGGGHHHHHH!!!!!!

                               Lehrer, dein Unterricht ist langweilig!

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