Samstag, 14. Juni 2014

Teil 17


Wenn man in Saudi lebt und arbeitet, hat man zumindest als Westler diverse Vorzüge. Einer dieser Vorzüge sind kostenlose Arztbesuche. Man kriegt vom Arbeitgeber eine Karte und eine Liste von Krankenhäusern und Ärzten die man umsonst besuchen kann. Ich habe komischerweise keine solche Karte bekommen obwohl sie mir vertraglich zusteht. Ich habe öfters danach gefragt und jedes Mal eine andere Antwort erhalten. Bei der letzten Anfrage habe ich meine Stimme erhöht und Druck gemacht und alles was ich erreichen konnte war, dass falls ich mal zum Arzt muss, mir der Manager des Polytechnikums die Kosten erstatten wird. Nun ja, jetzt bis ich krank geworden. Da mein Projektmanager das mitbekommen hat, hat er mich darum gebeten zu Hause zu bleiben bis ich wieder gesund werde. Er hat Angst, dass ich die anderen auch anstecke, hat er gemeint, und einen Ausfall des Personals kann er sich nicht leisten. Was fehlt mir? Keine Ahnung. Ich habe leichtes Fieber und meine Stimme ist weg und ich fühle mich schwach. Nach drei Tagen im Bett informierte ich meinen Projektmanager, dass ich ins Krankenhaus möchte und er soll bitte dem Manager des Polytechnikums bescheid geben. Gegen Mittag bekomme ich einen Anruf vom Manager. Er erkundigt sich nach meinem Befinden. Als ich darauf beharre einen Doktor sehen zu wollen, meint er ich soll in einer halben Stunde fertig sein. Er kommt mich abholen. Nicht einmal eine Viertelstunde Später steht er mit seinem Schatzmeister vorm Haus. Sie fahren mich zum Militärkrankenhaus. Er parkt vor der Tür, wir steigen aus, die zwei Araber schreiten voran und ich folge brav. Drinnen gehen wir durch ein paar Gänge, biegen ein paar Mal ab und gehen in ein kleines Zimmer ohne Fenster rein um die Anmeldung zu machen. Wir setzen uns auf drei äußerst bequemen und großen schwarzen Ledersesseln und die drei fangen sofort mit dem Smalltalk an. Nach gefühlten 10 Minuten dreht sich der Angestellte zu mir um und fragt nach meinem Ausweis und meinem Befinden. Während er das alles in seinem Computer tippt, geht der Smalltalk weiter. Irgendwann bekomme ich meinen Pass zurück, wir stehen auf und gehen wieder durch ein paar Korridore. Dann kommen wir zu so etwas wir einem Empfangsbereich. Direkt neben dem Empfang ist ein Zimmer das wie ein Untersuchungszimmer ausschaut.
„Bleib hier stehen“, sagt der Manager und geht in das Zimmer rein.
„Da ist kein Arzt“, sagt er als er wieder rauskommt.
Er geht zu einer der Schwestern und fragt nach den Ärzten. Die Schwester meint wir müssen vorher noch woanders hin um unseren Einweisungsschein gestempelt zu bekommen.
Gesagt, getan.
Dann geht’s wieder zurück zur Schwester.
„Wo ist der Arzt?“ fragt der Manager.
„Er untersucht gerade einen Patienten.“
„Wo?“
„In dem Raum.“
„Aha. Wo wird unser Patient untersucht?“
„Hier in diesem. Sie werden gerufen, es sind noch drei Patienten vor Ihnen.“
Das hat meinem Manager nicht gefallen. Er geht um die Theke herum und verschwindet in ein Schwestern- oder Arztzimmer. Ein paar Sekunden später kommt er mit einem Arzt raus. Da stehen sie zu dritt (Doc, Manager, Schatzmeister) und unterhalten sich auf Arabisch. Ich schaue blöd in der Gegend rum und warte geduldig. Auf einmal fällt das Wort „Professor“ und alle drei Köpfe drehen sich zu mir um und gucken mich an. Dann wird weiter getuschelt. Dann höre ich das Wort „Europäer“ und wieder drehen sich die drei Köpfe um und starren mich an.
Dann kommt der Doc zu mir und bittet mich ihn zu folgen. Vorne ein kleiner ägyptischer Arzt, zwei Köpfe kleiner als ich, hinter mir zwei Araber in ihren Gewändern. Auf dem Weg nimmt der Arzt zwei Schwestern mit. Ich lege mich auf ein Bett, die Araber setzen sich ans Nebenbett, der Doc steht am Bettende und ich habe jeweils eine Schwester links und rechts die sofort mit der Untersuchung anfangen. Natürlich geht der Smalltalk weiter. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, die Schwestern verschwinden, die Araber folgen ihnen, der Arzt bleibt noch ein wenig bei mir und nach zwei Minuten darf ich aufstehen. Da mir etwas schwindelig ist und ich zu fallen drohe, springt eine andere Schwester aus dem Nichts und stützt mich. Wir gehen nach draußen und da sehe ich wie der Schatzmeister einen Batzen Scheine auf den Tresen knallt, das Rezept nimmt und rüber zur Apotheke geht. Ich darf mich noch hinsetzen und nach zwei Minuten werde ich mit einer kleinen Tüte Medikamente nach Hause gefahren.

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