Nach einem äußerst schwierigen und anstrengenden Arbeitstag,
komme ich nach Hause und lege mich ins Bett. Ein paar Stunden später weckt mich
der Gesang des Muezzins ganz sanft. Da es noch hell ich beschließe ich einen
Spaziergang zu machen.
Ich trete vor die Tür, atme tief ein, die Luft ist klar und
rein und sehr erfrischend. Da es noch Betenszeit ist fast keiner unterwegs. Die
breite Straße vor unserer Residenz ist wie leergefegt. An der nahegelegenen
Tankstelle stehen ein paar Autos und Menschen die darauf warten, dass der
Tankwart wieder aufsperrt und sie tanken und einkaufen können. Mein Weg führt
mich an einer Stelle vorbei, an der sehr viele LKWs wie im Foto unten stehen.
Ich bin hier öfters vorbeigekommen, habe mich aber nie getraut näher ran zu
gehen um zu sehen was sie da machen. Eigentlich weiß ich es schon, bloß aus der
Nähe habe ich es noch nie gesehen. Jetzt ist keine Menschenseele da, also
nähere ich mich. Es ist eine Quelle aus der Wasser sprudelt. Die LKWs werden
mit Wasser befühlt, das dann zu den Haushalten der Stadt gefahren wird. In
Saudi gibt es kein fließend Wasser aus der Leitung wie sonst wo. Das Wasser
kommt altmodisch aus einer Quelle. Deswegen kann man und sollte man es auf gar
keinen Fall trinken, sonst bekommt man Magenschmerzen und Durchfall. Auch darf
man damit nicht kochen. Man benutzt es nur zum Waschen. Wasser zum Trinken und
zum Kochen gibt es im Supermarkt zu kaufen.
Jedes Haus hat auf dem Dach einen Wasserbehälter in dem das
Wasser reinkommt und wenn es fast aufgebraucht ist, wird der Behälter wieder
vollgemacht. So wie das Wasser zu den Häusern transportiert wird, wird auch das
Abwasser von den Häusern transportiert. Deswegen fahren sehr viele dieser LKWs
durch die Gegend.
Als ich vom Gelände wieder rausgehe, sehe ich ein besonders
schönes Exemplar am Straßenrand stehen. Ein gelber LKW mit schöner Deko. Ich
gehe einmal herum und stelle mich dann davor und bewundere das Fahrzeug. Dann
nehme ich mein BlackBerry aus der Tasche und mache ein Foto. Irgendwann höre
ich jemanden rufen:
„Doktor!“
Ich drehe mich um und sehe niemandem.
„Doktor!“ schreit wieder diese Stimme. „Hier!“
Ich schaue auf die andere Straßenseite und sehe wie fünf
junge Leute mir zuwinken.
Kann es sein, dass es unsere Studenten sind die mich
‚Doktor’ nennen? Unser Projektmanager hat allen Studenten erzählt, dass
sämtliche Lehrkräfte promoviert haben und einen Doktortitel tragen. Beim
Nähertreten merke ich, dass es sich nicht um unsere Studenten handelt. Als ich
vor ihnen stehe, fragt mich der eine wer ich bin, woher ich komme und was ich
hier mache. Dann übersetzt er alles für die anderen.
„Gefällt dir der LKW?“ fragt er.
„Ja, sehr!“ sage ich.
„Er gehört mir“, erwidert er.
„Sehr schickes Teil.“
Wir reden noch eine Weile und ich bin erstaunt wie gut sein
Englisch doch ist.
„Woher kannst du so gut Englisch? Wo hast du es gelernt?“
frage ich ihn.
„Vom Fernsehen“, antwortet er.
„Sauber!“ erwidere ich ganz Bayer.
„Ha?“ fragt er.
„Fantastisch!“ sage ich dann auf Englisch.
Nach ein paar Minuten geht hinten beim Haus auf dem Hügel
eine Tür auf und eine Frau schreit einen Namen. Alle fünf drehen sich um,
erwidern etwas und sagen mir: „Mama hat gerufen, das Essen ist fertig. Wir
müssen leider gehen.“
Wir geben uns zum Abschied die Hände und jeder geht seinen
Weg. Als ich an der nächsten Ecke gedankenverloren ankomme, denke ich mir,
schade dass du kein Foto von denen gemacht hast! Ich drehe mich um, aber es ist
keiner mehr da. Nur der gelbe LKW parkt stumm am Straßenrand.
Leere Straße vorm Haus.
Wasserdistribution
Schöner LKW

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