Es gibt viele Expats in der Golfregion, aber nur wenige
haben das Glück und das Vergnügen Kontakt mit Arabern zu haben. Wir hier haben
das Glück wovon viele Expats träumen. Da `Ar’ar relativ klein ist (ca. 240.000
Einwohner) und unsere Arbeit mit ihnen zu tun hat, haben wir ständig Kontakt zu
ihnen. So kam es auch zur Hochzeitseinladung. Ein paar Lehrer wurden von
Studenten letzten Freitagabend zu einer Hochzeit eingeladen und für uns war es
das Ereignis des Jahres! Ich wurde letzten Donnerstag von einem Zweitjahresstudenten eingeladen, konnte jedoch nicht alles verstehen was er mir sagte,
weil ich von meinen Studenten umzingelt war die etwas von mir wollten und
ziemlich laut waren. Ich konnte zwar verstehen, dass es um 20:30 Uhr bei
unserer Residenz gegenüber anfangen würde, aber den Tag konnte ich nicht hören.
So fragte ich meinen Ägyptischen Kollegen. Er wiederum war auch am Freitag, zusammen
mit einem Briten und einem Bengalen zu einer Hochzeit im Zentrum eingeladen,
fragte jedoch nach und erhielt keine Info über die eine bei uns gegenüber.
Freitagabend jedoch, sah ich die Afrikaner von der
University of Missouri, die die Zweitjahresstudenten unterrichten, im
Araberkostüm eben zu der Hochzeit gehen.
Egal. Als wir vor der Festhalle ankamen, gab es ein
Verkehrschaos. Der Parkplatz war voll und so mussten wir woanders parken. Als
wir durch den Parkplatz Richtung Eingang gingen, schaute ich mich um und sah
lauter 5- und 6-Liter SUVs, Mercedes, BMWs (bloß 7er und S-Klasse und kein
kleines, billiges Spielzeug) und andere Luxuskarossen.
Der Eingang war groß und es gab einen Empfangsraum. In dem
Raum gab es flauschige Sofas wo einige Leute saßen und in der Mitte war ein
Tisch mit einem Berg Süßem. Außerdem gab es Getränke und Kaffee und Tee. Von
diesem Raum ging es zum Vorraum von dem man zu den Badezimmern, Esszimmern und der
eigentlichen Festhalle gelangen konnte. Dort standen auch unsere Studenten die
uns überschwänglich in Empfang nahmen. Wir schüttelten klassisch die Hände und
küssten uns traditionell auf die Wangen – 2 Mal rechts. Dann führten sie uns in
eine riesige Halle vom Ausmaß eines Fußballfeldes. Dort gab es Sofas in Reihen
die sich gegenüberstanden und mit Tischen dazwischen. Auf den Tischen gab es lauter
Süßes und Getränke. Wir gingen bis ans Ende der Halle mit der Tanzfläche wo
auch die Familien der Bräutigame an Sesseln, Stühlen und Sofas entlang der Wand
saßen. Wir schüttelten wieder ziemlich viele Hände und wurden von unseren
Studis zu einer Sitzecke geführt. Dort standen zwei Tische vor uns mit Süßem
und Getränken. Auf einmal kam ein junger Saudi mit kleinen Tassen und einer
Kaffeekanne und schenkte uns Kaffee ein. Kaffee kann man zu dem Arabischen
wirklich nicht sagen, eher aromatisiertes Getränk auf Kaffeebasis. Es enthält
viele Kräuter und schmeckt sehr lecker. Der Saudi füllte immer einen Finger breit und wenn wir wollten, füllte er nach. Als mein Britischer Kollege
fragte wie lange der Saudi denn hier stehen bleiben würde, bekam er als
Antwort: Entweder bis wir nicht mehr wollen, oder die Kanne leer ist. Tja,
irgendwann war sie auch leer und so ging er.
Es kamen noch ein paar Studenten und Verwandte der
Bräutigame. Wir waren auf einer Doppelhochzeit. Zwei Cousins haben am selben
Tag zwei Frauen geheiratet. Irgendwann schaute ich mich um und fing an Fragen
zu stellen. Wie man auf den Bildern in der Galerie sehen kann, waren wir unter
Männern. Das war mir schon klar, dass es so sein würde, aber ich wollte Details
erfahren.
Da es hier konservativer als sonst wo ist, läuft alles ab
wie in Europa von anno dazu mal (und in manch bayrischem Dorf immer noch). Die Hochzeiten sind arrangiert. Lange vorher
werden Infos geholt und es wird vermittelt was das Zeug hält. Beide, Braut und
Bräutigam erfahren so ziemlich viel über den anderen, sehen sich aber nicht. Wenn
das Interesse besteht, wird ein Treffen arrangiert. Dafür geht eine Entourage
des Bräutigams zum Haus der potenziellen Braut. Dort lernt sich die ganze
Familie kennen. Dort haben Braut und Bräutigam die Gelegenheit für ein paar
Minuten alleine zu sein. Sie müssen nicht ja sagen wenn sie nicht wollen. Beide
haben das recht nein zu sagen. Wenn sich die beiden aber mögen und gefallen,
werden sie verlobt. Und später kommt es zu weiteren Treffen, wobei immer jemand
dabei ist. Ein Anstandswauwau.
Es gibt aber auch Fälle, in denen sich Braut und Bräutigam
erst am Tag der Hochzeit sehen, weil sie von erzkonservativen Familien kommen
(so was wie CSU-Wähler hihihi), sich sehen und erst dort entscheiden ob sie
diesen Schritt gehen wollen oder nicht. Man kann nein sagen – beide haben
dieses Recht.
Am Tag vor der Hochzeit treffen sich alle Frauen im Haus der
Braut und feiern was das Zeug hält. Sie singen, tanzen, bemalen sich mit
Henna, etc. An dem Tag werden auch die Sachen der Braut zum Haus des Bräutigams
gebracht, oder zu ihrem gemeinsamen Haus. Am Tag der Hochzeit wird der Vertrag
unterschrieben, ganz ohne Geistlichen und/oder Standesbeamten. Und am Abend
wird kräftig gefeiert, in derselben Halle, aber jeder auf seiner Seite.
Irgendwann gingen auch die Bräutigame rüber zu den Frauen.
Getrennt, jeweils nur für ein paar Minuten und wurden vorher angekündigt, damit
die Frauen Gelegenheit haben sich zu verschleiern. Unter sich sind sie nicht
verschleiert und tragen ganz normale Kleidung.
Später verschwinden die Paare nach Hause. Sie nutzen diesen
Moment um zum ersten Mal ganz alleine zu sein. Die anderen Feiern ohne sie.
Irgendwann wurden wir aufgefordert aufzustehen um zum Essen
zu gehen. Als wir die Essräume betraten, sahen wir wie alles schon angerichtet
worden war. Reis mit Kamelfleisch, dazu Obst und Getränke. Gegessen wurde
natürlich auf dem Boden ohne Besteck. Für uns zwei Europäer wurden zwei
Plastiklöffel organisiert.
Dann ging es zurück zur Halle. Auf dem Weg zu unserer
Sitzecke passierten wir ein paar Kinder denen ich die Hand schüttelte. Ab
diesen Moment liefen die mir hinterher und wollten mit mir reden und Fotos
machen.
Kurz danach fing die Party an. Zuerst kamen die Väter der
Bräutigame mit ein paar anderen Männern und sangen und tanzten mit den
Schwertern. Ich stand im Publikum und machte Fotos und Videos. Irgendwann
entdeckte mich einer der Väter (was bei meiner Größe und Aussehen auch nicht
schwer ist) und forderte mich zum Tanzen auf. Da er ein Nein nicht akzeptierte,
musste ich wohl oder übel tanzen. Zuerst ohne, dann mit Schwert. Es war für
beide eine große Ehre. Die Araber fühlen sich sehr geehrt wenn ein Weißer sie
besucht und ihnen die Ehre gibt. Also machte ich brav jeden Spaß mit. Videos
und Bilder gibt es in der Galerie zu sehen.
Dann kamen die Trommler und es wurde getrommelt, gesungen
und getanzt. Auch da war ich wieder mit von der Partie. Das hat sich lange
hingezogen und später erst kam ein Sänger und ein Musiker und die Gäste formten
einen Kreis und tanzten die ganze Nacht lang. Wir blieben nicht bis zum Morgen,
weil wir recht müde waren. Verabschiedeten uns von unseren Studis, ich mich von
den Kindern, von den Verwandten und fuhren mit einem breiten Lächeln nach
Hause.
Bilder gibt es
hier. (Öffnet in neuem Fenster)
Videos:
Die, die mit Schwertern tanzen.
Tanzen mit Musik 1
Traditionelles Singen und Tanzen 1
Tanzen mit Musik 2
Traditionelles Singen und Tanzen 2
Wer ist der Kerl ab Minute 2:15 der die Tanzfläche betritt?
Traditionelles Singen und Tanzen 3
Traditionelles Singen und Tanzen 4
Traditionelles Singen und Tanzen 5