Donnerstag, 27. März 2014

Teil 7


Als ich aufwache ist es Nachmittag und der Imam hält grad die Asr-Predigt, die insgesamt vierte des Tages. Es gibt fünf Betenszeiten aber sechs Gebete. Zu Sonnenaufgang wird gebetet, gilt aber nicht als Betenszeit, man muss auch deshalb nicht in die Moschee.

Die Gedanken rasen durch den Kopf. Bilder und Klänge vermischen sich und ich fühle mich geplättet. „Ma’aden?“ höre ich den Fahrer fragen und erschaudere. Warum ich ihm keine Antwort geben konnte? Nun, Ma’aden ist das Unternehmen hinterm Projekt. Das Unternehmen besitzt mehrere Minen im Umkreis und wir bilden die zukünftigen Mitarbeiter aus. Meine Arbeitsstätte heißt Saudi Mining Polytechnic. Ich wiederum arbeite bei der kanadischen Firma Canadian Petroleum Services, die die Sprachlehrer fürs erste Jahr stellt. Im zweiten Jahr werden die Studis von den Leuten der University of Missouri übernommen. Konfus? Ich auch.

Dann kommen Bilder aus Riad. Anes ist kein Reiseführer per se, er hat eine führende Rolle in der kanadischen Firma und arbeitet außerdem auch an einer der Unis in Riad. Er nimmt jedoch die Sprachlehrer in Empfang und führt sie ein paar Tage rum.

„Warum bin ich hier und werde nicht gleich nach ´Ar´ar geflogen?“ fragte ich ihn.

„Damit du keinen Schock bekommst und denkst das ganze Land sei so wie ´Ar´ar“ sagte er.

Ich muss aber im Nachhinein sagen, dass mir Riad nicht gefallen hat. Zu groß, zu chaotisch, zu modern, zu viele Baustellen, gesichtslos, charakterlos, etc. Ich hatte Bilder von 1001 Nacht im Kopf und habe nichts davon gesehen. Es ist eine supermoderne Stadt wie viele westliche auch.

´Ar´ar scheint anders zu sein, zumindest das Wenige, das ich in der Früh gesehen habe.

Als ich aufstehe, bemerke ich, dass meine Schuhe anders stehen. Der Putzmann muss hier gewesen sein und ich habe es nicht mal mitbekommen. In diesem Teil der Welt, hat man Personal, ob man will oder mag oder nicht. Der Putzmann kommt, sechs mal in der Woche und macht die Wohnung sauber, es gibt Sicherheitsleute die sich ums Wohl und der Sicherheit der ‚Expats’ (moderne, hochqualifizierte Gastarbeiter, oder gut bezahlte Esel die die Arbeit machen die die Einheimischen nicht machen wollen oder können, wie Murray mein Projektmanager sagt) kümmern. Wenn man kein Auto gestellt bekommt, bekommt man einen Fahrer. Und es gibt tausend andere Leute die sich um dein Wohl kümmern. Am besten ist, man freundet sich mit denen an, ist freundlich zum Personal und gibt gelegentlich Trinkgeld, besonders dem Putzmann. Dann wird einem nichts fehlen und man wird wie ein König behandelt.

Meine Kollegen sind von der Arbeit zurückgekommen und Murray klopft an meine Tür. Er bietet mir Tee und was zu essen an und da ich meine Kleidung waschen möchte, organisieren meine Kollegen Waschpulver und extra Klamotten die ich währenddessen anziehen kann. Im laufe des Nachmittags lerne ich meine Kollegen kennen. Zwei Briten, drei Bengalen und drei Pakistaner, einer davon mit kanadischem Pass. Den Ägypter kenn ich schon.

Ich fühle mich gleich wie zu Hause. Alle sind so freundlich und hilfsbereit und wissen durch Murray so einiges über mich. Ich kann mir auf Anhieb nicht alle Namen merken und versuche geistiges Memory zu spielen.

Als alle zu Bett gehen, bleibe ich noch lange Zeit wach. Bin aufgeregt wie mein erster Tag sein wird.

Donnerstag, 20. März 2014

Arabische Hochzeit



Es gibt viele Expats in der Golfregion, aber nur wenige haben das Glück und das Vergnügen Kontakt mit Arabern zu haben. Wir hier haben das Glück wovon viele Expats träumen. Da `Ar’ar relativ klein ist (ca. 240.000 Einwohner) und unsere Arbeit mit ihnen zu tun hat, haben wir ständig Kontakt zu ihnen. So kam es auch zur Hochzeitseinladung. Ein paar Lehrer wurden von Studenten letzten Freitagabend zu einer Hochzeit eingeladen und für uns war es das Ereignis des Jahres! Ich wurde letzten Donnerstag von einem Zweitjahresstudenten eingeladen, konnte jedoch nicht alles verstehen was er mir sagte, weil ich von meinen Studenten umzingelt war die etwas von mir wollten und ziemlich laut waren. Ich konnte zwar verstehen, dass es um 20:30 Uhr bei unserer Residenz gegenüber anfangen würde, aber den Tag konnte ich nicht hören. So fragte ich meinen Ägyptischen Kollegen. Er wiederum war auch am Freitag, zusammen mit einem Briten und einem Bengalen zu einer Hochzeit im Zentrum eingeladen, fragte jedoch nach und erhielt keine Info über die eine bei uns gegenüber.
Freitagabend jedoch, sah ich die Afrikaner von der University of Missouri, die die Zweitjahresstudenten unterrichten, im Araberkostüm eben zu der Hochzeit gehen.
Egal. Als wir vor der Festhalle ankamen, gab es ein Verkehrschaos. Der Parkplatz war voll und so mussten wir woanders parken. Als wir durch den Parkplatz Richtung Eingang gingen, schaute ich mich um und sah lauter 5- und 6-Liter SUVs, Mercedes, BMWs (bloß 7er und S-Klasse und kein kleines, billiges Spielzeug) und andere Luxuskarossen.
Der Eingang war groß und es gab einen Empfangsraum. In dem Raum gab es flauschige Sofas wo einige Leute saßen und in der Mitte war ein Tisch mit einem Berg Süßem. Außerdem gab es Getränke und Kaffee und Tee. Von diesem Raum ging es zum Vorraum von dem man zu den Badezimmern, Esszimmern und der eigentlichen Festhalle gelangen konnte. Dort standen auch unsere Studenten die uns überschwänglich in Empfang nahmen. Wir schüttelten klassisch die Hände und küssten uns traditionell auf die Wangen – 2 Mal rechts. Dann führten sie uns in eine riesige Halle vom Ausmaß eines Fußballfeldes. Dort gab es Sofas in Reihen die sich gegenüberstanden und mit Tischen dazwischen. Auf den Tischen gab es lauter Süßes und Getränke. Wir gingen bis ans Ende der Halle mit der Tanzfläche wo auch die Familien der Bräutigame an Sesseln, Stühlen und Sofas entlang der Wand saßen. Wir schüttelten wieder ziemlich viele Hände und wurden von unseren Studis zu einer Sitzecke geführt. Dort standen zwei Tische vor uns mit Süßem und Getränken. Auf einmal kam ein junger Saudi mit kleinen Tassen und einer Kaffeekanne und schenkte uns Kaffee ein. Kaffee kann man zu dem Arabischen wirklich nicht sagen, eher aromatisiertes Getränk auf Kaffeebasis. Es enthält viele Kräuter und schmeckt sehr lecker. Der Saudi füllte immer einen Finger breit und wenn wir wollten, füllte er nach. Als mein Britischer Kollege fragte wie lange der Saudi denn hier stehen bleiben würde, bekam er als Antwort: Entweder bis wir nicht mehr wollen, oder die Kanne leer ist. Tja, irgendwann war sie auch leer und so ging er.
Es kamen noch ein paar Studenten und Verwandte der Bräutigame. Wir waren auf einer Doppelhochzeit. Zwei Cousins haben am selben Tag zwei Frauen geheiratet. Irgendwann schaute ich mich um und fing an Fragen zu stellen. Wie man auf den Bildern in der Galerie sehen kann, waren wir unter Männern. Das war mir schon klar, dass es so sein würde, aber ich wollte Details erfahren.
Da es hier konservativer als sonst wo ist, läuft alles ab wie in Europa von anno dazu mal (und in manch bayrischem Dorf immer noch). Die Hochzeiten sind arrangiert. Lange vorher werden Infos geholt und es wird vermittelt was das Zeug hält. Beide, Braut und Bräutigam erfahren so ziemlich viel über den anderen, sehen sich aber nicht. Wenn das Interesse besteht, wird ein Treffen arrangiert. Dafür geht eine Entourage des Bräutigams zum Haus der potenziellen Braut. Dort lernt sich die ganze Familie kennen. Dort haben Braut und Bräutigam die Gelegenheit für ein paar Minuten alleine zu sein. Sie müssen nicht ja sagen wenn sie nicht wollen. Beide haben das recht nein zu sagen. Wenn sich die beiden aber mögen und gefallen, werden sie verlobt. Und später kommt es zu weiteren Treffen, wobei immer jemand dabei ist. Ein Anstandswauwau.
Es gibt aber auch Fälle, in denen sich Braut und Bräutigam erst am Tag der Hochzeit sehen, weil sie von erzkonservativen Familien kommen (so was wie CSU-Wähler hihihi), sich sehen und erst dort entscheiden ob sie diesen Schritt gehen wollen oder nicht. Man kann nein sagen – beide haben dieses Recht.
Am Tag vor der Hochzeit treffen sich alle Frauen im Haus der Braut und feiern was das Zeug hält. Sie singen, tanzen, bemalen sich mit Henna, etc. An dem Tag werden auch die Sachen der Braut zum Haus des Bräutigams gebracht, oder zu ihrem gemeinsamen Haus. Am Tag der Hochzeit wird der Vertrag unterschrieben, ganz ohne Geistlichen und/oder Standesbeamten. Und am Abend wird kräftig gefeiert, in derselben Halle, aber jeder auf seiner Seite.
Irgendwann gingen auch die Bräutigame rüber zu den Frauen. Getrennt, jeweils nur für ein paar Minuten und wurden vorher angekündigt, damit die Frauen Gelegenheit haben sich zu verschleiern. Unter sich sind sie nicht verschleiert und tragen ganz normale Kleidung.
Später verschwinden die Paare nach Hause. Sie nutzen diesen Moment um zum ersten Mal ganz alleine zu sein. Die anderen Feiern ohne sie.
Irgendwann wurden wir aufgefordert aufzustehen um zum Essen zu gehen. Als wir die Essräume betraten, sahen wir wie alles schon angerichtet worden war. Reis mit Kamelfleisch, dazu Obst und Getränke. Gegessen wurde natürlich auf dem Boden ohne Besteck. Für uns zwei Europäer wurden zwei Plastiklöffel organisiert.
Dann ging es zurück zur Halle. Auf dem Weg zu unserer Sitzecke passierten wir ein paar Kinder denen ich die Hand schüttelte. Ab diesen Moment liefen die mir hinterher und wollten mit mir reden und Fotos machen.
Kurz danach fing die Party an. Zuerst kamen die Väter der Bräutigame mit ein paar anderen Männern und sangen und tanzten mit den Schwertern. Ich stand im Publikum und machte Fotos und Videos. Irgendwann entdeckte mich einer der Väter (was bei meiner Größe und Aussehen auch nicht schwer ist) und forderte mich zum Tanzen auf. Da er ein Nein nicht akzeptierte, musste ich wohl oder übel tanzen. Zuerst ohne, dann mit Schwert. Es war für beide eine große Ehre. Die Araber fühlen sich sehr geehrt wenn ein Weißer sie besucht und ihnen die Ehre gibt. Also machte ich brav jeden Spaß mit. Videos und Bilder gibt es in der Galerie zu sehen.
Dann kamen die Trommler und es wurde getrommelt, gesungen und getanzt. Auch da war ich wieder mit von der Partie. Das hat sich lange hingezogen und später erst kam ein Sänger und ein Musiker und die Gäste formten einen Kreis und tanzten die ganze Nacht lang. Wir blieben nicht bis zum Morgen, weil wir recht müde waren. Verabschiedeten uns von unseren Studis, ich mich von den Kindern, von den Verwandten und fuhren mit einem breiten Lächeln nach Hause.
 

Bilder gibt es hier. (Öffnet in neuem Fenster)

Videos:

Die, die mit Schwertern tanzen.


Tanzen mit Musik 1

Traditionelles Singen und Tanzen 1

Tanzen mit Musik 2

Traditionelles Singen und Tanzen 2

Wer ist der Kerl ab Minute 2:15 der die Tanzfläche betritt?

Traditionelles Singen und Tanzen 3

Traditionelles Singen und Tanzen 4

Traditionelles Singen und Tanzen 5

Sonntag, 16. März 2014

Arabische Hochzeit in Ar'ar - Bilder

                                     (Oben) Vor dem Essen

                                          (Unten) Nach dem Essen
                                    

                                         Nach dem Nachtisch
                                         

                                              Der mit dem Schwert tanzt

                                            Der mit dem Schwert tanzt
                                            

Der mit dem Schwert tanzt
                                                 

Der mit dem Schwert tanzt

                                                 Zwei Meister, ein Student, ein Schwert

Vier Meister und ihre Studenten
                                      (Oben) Kamelfleisch mit Reis.
                                     (Unten) Süßes wird gereicht.
                                       Essen ist fertig.
Kinder die mir hinterherrennen, weil sie es komisch finden einen                              Weißen zu sehen.
                                     Traditionelle Lieder werden gesungen.
                                     Meine Kollegen beim Essen.
                                     Mein Kollege mit einem zukünftigen Studenten?
                                     Mashallah!
                                     Mit Kollegen aus GB und Bangladesch.
                                      Hochzeitsgäste
                                     Es ist angerichtet.
                                     Schoko gefällig?
                                     Dessert wird Spazieren getragen.
 Arabischer Kaffee. Er füllt solange nach bis man nicht mehr will oder die Kanne leer ist.
                                     Ägyptischer Kollege mit Student.
                                     3 Studenten.
                                     3 Studenten.
                                               Britischer Kollege mit Student.
                                     Mit Kollegen aus Ägypten und Bangladesch.
                                     Kurz vor dem Singen und Tanzen.
                                     Die Verwandten der Bräutigams (es gab 2)
                                     Kurz vor der Sause.
                                     Ratschen, ratschen, ratschen.
                                     Beim Essen.
                                     2 unserer Studenten.
                                     Beim Essen.
                                     Beim Essen.
                                     Zukünftige Studenten?
                                     Ich mit den Kleinen.
                                     Ich mit den Kleinen.
                                                 Mashallah!
                                     Junge Saudis.
                                     Gemacht von einem der Kinder.
                                     Treppe.
                                     Traditionelles Singen.
                                     Traditionelles Musizieren.
                                     Yeah!
                                     Disco!
                                     Beim Tanzen.
                                   









                                     Panorama der Festhalle.
                                     Traditionelles Singen.
                                     Traditionelles Singen.