Als ich aufwache ist es Nachmittag und der Imam hält grad
die Asr-Predigt, die insgesamt vierte des Tages. Es gibt fünf Betenszeiten aber
sechs Gebete. Zu Sonnenaufgang wird gebetet, gilt aber nicht als Betenszeit,
man muss auch deshalb nicht in die Moschee.
Die Gedanken rasen durch den Kopf. Bilder und Klänge
vermischen sich und ich fühle mich geplättet. „Ma’aden?“ höre ich den Fahrer
fragen und erschaudere. Warum ich ihm keine Antwort geben konnte? Nun, Ma’aden
ist das Unternehmen hinterm Projekt. Das Unternehmen besitzt mehrere Minen im
Umkreis und wir bilden die zukünftigen Mitarbeiter aus. Meine Arbeitsstätte
heißt Saudi Mining Polytechnic. Ich wiederum arbeite bei der kanadischen Firma
Canadian Petroleum Services, die die Sprachlehrer fürs erste Jahr stellt. Im
zweiten Jahr werden die Studis von den Leuten der University of Missouri
übernommen. Konfus? Ich auch.
Dann kommen Bilder aus Riad. Anes ist kein Reiseführer per
se, er hat eine führende Rolle in der kanadischen Firma und arbeitet außerdem
auch an einer der Unis in Riad. Er nimmt jedoch die Sprachlehrer in Empfang und
führt sie ein paar Tage rum.
„Warum bin ich hier und werde nicht gleich nach ´Ar´ar
geflogen?“ fragte ich ihn.
„Damit du keinen Schock bekommst und denkst das ganze Land
sei so wie ´Ar´ar“ sagte er.
Ich muss aber im Nachhinein sagen, dass mir Riad nicht
gefallen hat. Zu groß, zu chaotisch, zu modern, zu viele Baustellen,
gesichtslos, charakterlos, etc. Ich hatte Bilder von 1001 Nacht im Kopf und
habe nichts davon gesehen. Es ist eine supermoderne Stadt wie viele westliche
auch.
´Ar´ar scheint anders zu sein, zumindest das Wenige, das ich
in der Früh gesehen habe.
Als ich aufstehe, bemerke ich, dass meine Schuhe anders
stehen. Der Putzmann muss hier gewesen sein und ich habe es nicht mal
mitbekommen. In diesem Teil der Welt, hat man Personal, ob man will oder mag
oder nicht. Der Putzmann kommt, sechs mal in der Woche und macht die Wohnung
sauber, es gibt Sicherheitsleute die sich ums Wohl und der Sicherheit der
‚Expats’ (moderne, hochqualifizierte Gastarbeiter, oder gut bezahlte Esel die
die Arbeit machen die die Einheimischen nicht machen wollen oder können, wie
Murray mein Projektmanager sagt) kümmern. Wenn man kein Auto gestellt bekommt,
bekommt man einen Fahrer. Und es gibt tausend andere Leute die sich um dein
Wohl kümmern. Am besten ist, man freundet sich mit denen an, ist freundlich zum
Personal und gibt gelegentlich Trinkgeld, besonders dem Putzmann. Dann wird
einem nichts fehlen und man wird wie ein König behandelt.
Meine Kollegen sind von der Arbeit zurückgekommen und Murray
klopft an meine Tür. Er bietet mir Tee und was zu essen an und da ich meine
Kleidung waschen möchte, organisieren meine Kollegen Waschpulver und extra
Klamotten die ich währenddessen anziehen kann. Im laufe des Nachmittags lerne
ich meine Kollegen kennen. Zwei Briten, drei Bengalen und drei Pakistaner,
einer davon mit kanadischem Pass. Den Ägypter kenn ich schon.
Ich fühle mich gleich wie zu Hause. Alle sind so freundlich
und hilfsbereit und wissen durch Murray so einiges über mich. Ich kann mir auf
Anhieb nicht alle Namen merken und versuche geistiges Memory zu spielen.
Als alle zu Bett gehen, bleibe ich noch lange Zeit wach. Bin
aufgeregt wie mein erster Tag sein wird.
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