Auf der anderen Seite der Kontrolle komme ich in einen
rundlichen Raum, mit Springbrunnen in der Mitte, einigen Pflanzen, darunter
Palmen, sanften Sandfarben, einigen Kiosken wo man etwas zu essen und zu
trinken kaufen kann und den ganzen Gates. Ich setze mich auf einen Sitz in der
Nähe des Gates, stelle meinen Rucksack vor mich hin auf dem Boden und lasse
meinen Blick schweifen. Die Durchsagen werden auf Arabisch und Englisch
gemacht. Ich habe gute zwei Stunden vor mir. Vor mir herrscht buntes Treiben.
Viele Menschen die auf und ab gehen, Männer, Frauen, Kinder. Die meisten von
denen sind traditionell gekleidet.
Nach ein paar Minuten stehe ich auf um nachzusehen ob mein
Flug schon angezeigt wird und um auf Toilette zu gehen. Ich lasse meinen
Rucksack beim Sitz zurück. Als ich vom Klo zurückkomme, sitzt jemand hinter
meinem Sitz der ziemlich viel Hustet und gar nicht Gesund ausschaut. Deswegen
nehme ich meinen Rucksack und setze mich woanders hin. Ich platziere ihn wieder
vor mir auf dem Boden, nehme mein Handy aus der Tasche, senke mein Haupt zum
Bildschirm und gehe durch die Musikalben. Kurze Zeit später merke ich wie zwei
Männer sich neben mir setzen, einer rechts, einer links. Auf einmal
verschwindet das Display meines BlackBerry und zwei Ausweise kommen zum
Vorschein. Sicherheitspolizei.
Im Hinterkopf singt Falco:
„Jetzt hör ich sie! Sie kommen!
Sie kommen dich zu holen,
sie werden dich nicht finden,
niemand wird dich finden…“
Dazu diverse Kerkerszenen.
Bevor ich meinen Kopf heben kann, sind die Ausweise wieder
verschwunden und einer der Beiden fragt mich ob ich English kann. Jetzt hebe
ich mein Haupt und schaue links und rechts in die Gesichter zweier
Sicherheitsbeamten.
„Ja, ich spreche English“, sage ich.
„Können wir deinen Reisepass samt Visa und Boardingkarte sehen?“
fragt einer der Beiden.
Ich gebe es ihnen.
„Ist das dein Rucksack?“
„Ja.“
„Was ist drin?“
„Ein Laptop, ein iPad, Tabak, Taschentücher, Stifte…“
„Können wir einen Blick da rein werfen?“
„Klar!“
Einer schaut sich meine Papiere an, der andere meinen Rucksack.
„Welche Marke hat dein Laptop?“
Ich sage es ihm.
„Wieso hast du deinen Rucksack hier allein gelassen? Wieso
hast du den Platz gewechselt?“
„Ich wollte aufs Klo und als ich zurückkam sah ich den wild
hustenden Mann hinter meinem Platz.“
Die beiden drehen sich um, sehen den Mann wie er sich seine
Seele aus dem Leib hustet und einer der beiden fragt:
„Hattest du keine Angst, dass dir jemand den Rucksack
klaut?“
„In einem Flughafen in Saudi Arabien?“ frage ich allen
ernstes.
Die beiden lächeln, geben mir meine Papiere zurück und
verschwinden genauso unauffällig wie sie gekommen sind.
Irgendwann später wird mein Flug gerufen. Mit dem Bus geht
es zum Flieger. Im Flieger sehe ich wie vorne wieder nur Männer sitzen.
Allerdings sitzt eine Frau auf meinem Fensterplatz, daneben ein Mann, deshalb
nehme ich den Gangsitz. Kurz darauf als alle drin sind, kommt der Pilot, schaut
auf die Frau runter, sagt ihr etwas auf Arabisch und im harschen Ton, sie steht
auf und geht nach hinten. Der Pilot sieht dann zu mir runter und meint
freundlich: „Willkommen an Bord, genießen Sie den Flug!“
„Danke!“
So kam ich zu meinem Fensterplatz.
Da die Flugzeit nur 90 Minuten beträgt, ist Schlafen nicht
angesagt. Ich nehme mein iPad raus und schaue mir ein paar Folgen der
‚Simpsons’. Darf man sich diese Serie anschauen, oder steht sie auf dem Index?
Hmm…
Kurz vor der Landung wird es hell und die Sonne geht auf
über der Wüste. Da ich vorher noch nie in der Wüste war, finde ich es total
faszinierend. Der Flug auf Kairo war enttäuschend. Da fliege ich einmal im
Leben nach Ägypten, freue mich wie ein kleines Kind endlich Wüste zu sehen, und
was war? Alles Grün! Klar, Kairo liegt im Delta. Zwar ganz unten, wird aber
immer noch erfasst.
Er ist bezaubernd schön der aufgehenden Sonne über der Wüste
zuzusehen. Diese Farben sind einmalig! Ich bin ganz hin und weg.
Als wir in Ar’ar landen sehe ich ein kleines
Flughafengebäude direkt gegenüber dem Flugzeug. Aus dem Flieger raus, ins
Gebäude rein. Kurz darauf kommt auch das Gepäck. Während ich gespannt aufs
Gepäckband schaue kommt ein Mann von rechts und sagt: „Ma’aden?“ Huh, wer bist
du denn? Was willst du von mir? Geh weg, weg! Weg du Wicht! Der Mann fragt noch
mal: „Ma’aden?“ Hmm… bin ich das? Ich schaue ihn fragend an und bin dabei Anes
anzurufen. Er ist aber schneller.
„Du, Anes, hier ist jemand von Ma’aden, ist das mein
Fahrer?“
„Kann sein, wenn du der einzige Ausländer bist, dann ist er
für dich da.“
Da ich mir nicht sicher bin, rufe ich Murray, meinen
Projektmanager an. Es tutet, aber er geht nicht ran. Mist! In dem Moment höre
ich seine Stimme vom Eingang und tatsächlich, er steht da mit einem ägyptischen
Kollegen.
„Was machst du noch hier? Worauf wartest du noch? Warum kommst
du nicht raus wie alle anderen? Wo ist dein Gepäck?“ fragt Murray.
„Genau, wo ist mein Gepäck?“ frage ich.
Links neben uns befindet sich das Lost & Found Büro.
Dort sitzt ein Pakistaner. Der wird uns sicher helfen. Als wir reingehen,
werden erstmal Hände geschüttelt, dann wird Platz genommen, dann kommt der
obligatorische Smalltalk, und erst danach geht es an die Substanz. Der
Pakistaner schaut sich meine Bordkarte an und sieht sofort, dass meine
Reisetasche nach Hail geflogen worden ist. Er schreitet sofort zur Tat und nach
einigen Minuten sagt er mir, dass – ‚Inshallah’, meine Reisetasche in 2 Tagen
hier sein wird. Klar, so Gott will. Und wenn er nicht will? Da zuckt der
Pakistaner mir den Schultern. Aber irgendwie vertraue ich ihm, nicht dass ich
meine Sachen in zwei Tagen wiedersehen werden, aber dass er mir hilft. Ausländern
kann man meistens vertrauen. Sie sind gerissen und brechen auch mal Gesetze. Er
gibt uns sogar seine Handynummer und die Nummer von Hail.
Als wir aus dem Flughafengebäude rauskommen, erblicke ich
eine traumhaft schöne Umgebung. Überall ist es grün, überall Palmen, kleine
Wege und Straßen, Steine die als Deko dienen, hübsche Gebäude, eine kleine
Moschee, blauer Himmel und strahlende Sonne. Wie in Malibu, sage ich. Der
Ägypter lacht und Murray meint nur: „Ja, ja!“
Unterwegs machen wir Halt bei einer Apotheke. Ich muss mich
mit dem Nötigsten eindecken. Auch hier werden Hände geschüttelt, Smalltalk
betrieben, Fragen gestellt, usw. Mein Projektmanager kauft mir Shampoo, Deo,
Kontaktlinsenflüssigkeit, einen Kamm, etc. Der Kamm kommt nicht alleine, ein
kleinerer Bartkamm ist mit dabei.
Danach geht’s nach Hause ins Bett und die Beiden fahren zur
Arbeit.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen