Freitag, 31. Oktober 2014

Riad Teil 3

Die letzten Worte des Fahrers hallen noch durch die Wohnung: “Kein Internet, Sir!” Ich sitze immer noch noch auf der großen Couch im Wohnzimmer und denke mir: ‘Was ist das für ein Scheißstart!’ Hier sitze ich nun ganz allein in einem brandneuen, möblierten, 100 oder so qm Haus, das trotz der Möbel sich leer anfühlt und auch so ausschaut. Es hallt wenn man ein Geräusch macht. I gehe durch die Räume und schaue was da alles steht und gibt. Ein Schlafzimmer mit einem etwas breiteren Einzelbett, ein zweites Schlafzimmer mit einem Doppelbett, eine große Küche, das Wohnzimmer, ein Esszimmer und zwei Badezimmer. In einem der beiden steht eine Waschmaschine. Sie steht direkt vor der Dusche. Essen idiotische Idee war das denn? Wird sie jedes mal mitgeduscht wenn ich dusche? Wird sie nicht rosten? Was ist mit der Elektrik? Ich beschließe meine Nachbarn kennenzulernen und sehen wer sie sind. Ich klingle an der Tür nebenan. Nach einer halben minute öffnet ein arabisch ausschauender Mann die Tür. Ich stelle mich vor und wir beginnen ein Gespräch. Er scheint ein guter Mensch zu sein und gibt mir jede Menge Informationen. Er ist auch sehr geduldig und antwortet alle mein Fragen. Er hält die ganze Zeit die Tür so angelehnt, dass man nicht in seine Wohnung reinschauen kann.  Das ist was man hier ‘Die Familie beschützen’ nennt. Man wird nie jemandes Frau kennenlernen. Man lernt die Kinder nur kennen, solange sie klein sind oder sie dasselbe Geschlecht haben wenn sie älter sind. Wenn man schon über Kinder spricht, einer seiner Söhne lugst durch die Tür und kommt nach draußen und stellt sich mir vor.
Nach ein paar Minuten verabschiede ich mich und klingle an einer anderen Tür. Keiner Antwortet. Ich klingle an der letzten der vier Türen auf meinem Stockwerk und nach etwa einer halben Minute öffnet ein arabisch ausschauender Mann in den Dreißigern. In beiden Fällen handelt es sich nicht um Saudis, aber um Leute aus der Region. Der Mann lächelt und begrüßt mich herzlich, scheint es aber etwas eilig zu haben und unser Gespräch endet nach einer Minute. Oh wie ich mir wünsche zurückk in Ar’ar oder irgendwo im Vereinigten Königreich zu sein! Dort wird man zum Tee eingeladen und speziell in Yorkshire wird einem mit was auch immer man braucht geholfen und die Leute dort haben kein Problem damit einem die ganze Familie vorzustellen. 
Zurück in meiner Wohnung gehe ich nochmal durch sämtliche Zimmer und schaue in den Schränken und Schubladen. Kein Bügeleisen, kein Bügelbrett, kein Wäscheständer, kein Wischmob. Gott sei dank gibt es Teller, Besteck, Gläser, Kopfkissen und eine Steppdecke. Ich gehe zu den Fenstern um zu sehen was für eine Aussicht ich habe. Überhaupt keine. Die gegenüberliegenden Gebäude befinden sich in Reichweite und deren Fenster befinden sich direkt gegenüber meinen. Ich verstehe die Leute nicht. Zuerst machen sie einen Riesenaufstand um die Privatsphäre, bauen hohe Mauern um die Häuser herum, damit keiner in den Garten reinschauen und Blicke auf Frauen und Kinder erhaschen kann und dann kommen sie in einem Neubaugebiet und bauen die Häuser sehr dicht beieinander. 
Ich schalte den Fernseher an der an der Wohnzimmerwand hängt und zappe durch die gut 1500 Kanäle. Nicht ein einziger Sender ist auf Englisch. Sogar BBC, Euronews und CNN sind auf Arabisch. Ich halte bei einem pakistanischen Sender an der Cartoons zeigt. Tom & Jerry. Dann beschließe ich auszupacken. Das wird eine schwierige Zeit werden.
Es gibt große Kleiderschränke in die die Ausstattung einer großen arabischen Familie schlucken können, aber keine Kleiderbügel. Ich stelle fest, dass es auch keine Möglichkeit gibt Hand- und Badetücher in Bad und Küche aufzuhängen. Ich werde improvisieren müssen. Während ich auspacke und all meine Sachen in den Schränken und Schubladen tue, rieche ich Essen. Jemand kocht etwas sehr leckeres und der Geruch kommt durch die Küche. Ich habe Hunger, aber ich habe nichts essbares da. Außerdem braucht man Tafelwasser zum Kochen und das einzige Wasser das ich habe ist die 1,5 Liter Flasche aus dem Hotelkühlschrank. Leitungswasser in diesem Land, bin mir nicht sicher ob es in der gesamten Region auch so ist, ist nicht zum Kochen und Trinken geeignet. Es ist nur zum Waschen gut. Es gibt ein spezielles Wasser zum Kochen, oder man kauft sich Tafel- oder Mineralwasser zum Trinken und zum Kochen. Es hört sich zwar nach vielem Schleppen von schweren Wasserflaschen an, ist es aber nicht. Es gibt Firmen die sich darauf spezialisiert haben Wasser zu liefern. Man ruft sie an, registriert sich, sie kommen an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Zeit, in diesem Haus wurde mir gesagt ist es Samstag um die Mittagszeit, man zahlt ca. 30 Euro beim ersten Mal und bekommt seine erste Flasche und ein Heft mit 20 Gutscheinen. Sie kommen einmal in der Woche vorbei, immer am selben Tag, zur selben Uhrzeit. Man muss nicht einmal da sein. Man stellt einfach die leere 19 Liter Flasche mit einem Gutschein vor die Haustür und sie wird mit einer vollen getauscht. Sehr praktisch für Familien.
Ich gehe eine Weile durch meine Wohnung. Sie wirkt kalt und charakterlos. Obschon sie sehr modern und brandneu ist, fühlt sie sich wie ein Gefängnis an. Nicht komfortabel, warm und kuschelig. Liegt es an den Farben, an der Größe, an der Leere? Bin nur ich es der so fühlt oder sind es die anderen auch? Ich sitze auf der Couch und schaue mir ein paar Cartoons an. Nach einer Weile beschließe ich ins Bett zu gehen. Trotz des großen und guten Bettes kann ich nicht schlafen.
Die Stimme des Muezzins weckt mich früh am Morgen auf. Ich mache mich sehr langsam fertig und um 7:20 Uhr gehe ich runter vors Haus. Der Bus kommt eine Minute später an. Bus? Eher ein Van. Ich stelle mich dem Fahrer vor. Sein Name ist Ruel und er kommt aus den Philippinen. Er ist schon seit acht Jahren im Land und kann auch Arabisch sprechen. Nicht so gut, wie er gesteht. Es gibt noch einen Van vorm Eingang des Nachbarhauses. Der ist für die Frauen. Die anderen Lehrer kommen, wir stellen uns vor und alle steigen ein. Das ist der Moment in dem es still wird. Keiner spricht. Wir sind zu siebt und fünf von Lehrer haben Kopfhörer auf und hören Musik. Außer mir hört der Kollege der ganz hinten sitzt keine Musik. Ich werde mich auf dem Nachhauseweg neben ihm setzen. Wenigstens haben wir hier keinen Projektmanager der rumschreit so wie in Ar’ar. Die Fahrt dauert nicht lange. Etwa zehn Minuten später kommen wir an der Al Yamamah Universität an. Wir fahren durch die Pforte, der Sicherheitsmann steht auf und begrüßt den Fahrer und wir halten direkt vorm Hauptgebäude an. Einer der Lehrer öffnet die seitliche Schiebetür und jeder verschwindet sofort im Gebäude und geht Richtung Aufzüge. Ich folge ihnen. Wir fahren rauf zum zweiten Stock und ich finde die Tür nach der ich suchen muss. Der HR Mensch ist noch nicht da, also warte ich. Als er kommt, zeigt er mir als erstes mein Büro. Büro? Ich bin schockiert als ich sehe was er ein Büro nennt. Es handelt sich um einen Kubus mit einem kleinen Schreibtisch und drei Stühlen. Kein Fenster, kein PC, keine Regale, schlechtes Licht und wenn man die Arme ausbreitet berührt man die Wände. Am Fenster an der Tür wurde ein Papier mit meinem Namen geklebt. Der HR Mensch erklärt mir, dass diese Büros brandneu sind. Sie wurden diesen Sommer gebaut und fertiggestellt, um die neuen Lehrkräfte unterzubringen. Es gibt mehr Lehrer dieses Jahr und deswegen mussten auch neue Büros her. Der HR Mensch ist stolz und hat ein breites Grinsen bis zu den Ohren. Ich kann seine Freude nicht teilen und täusche eins vor. Ich kann mir nicht vorstellen viel Zeit hier drin zu verbringen. 
Dann beginnen wir mit dem Papierkram des Anmeldeprozesses und um 9 Uhr muss ich zum Training. Training dauert vier Tage und es geht um die Methode und System der Uni und um Kultur, Gewohnheiten und Gepflogenheiten des Landes. So gegen Mittag lerne ich auch meinen Koordinator kennen. Ein Amerikaner der schon seit einigen Jahren hier ist. Er zeigt mir die Cafeteria und ein paar andere Orte die ich kennen muss. Ich bin von der Cafeteria enttäuscht. Es gibt ein Lokal das Dr. Coffee heißt und ein Subway. Kein Restaurant, kein richtiges Essen. Er lässt mich hier und geht zurück in sein Büro. Weil ich vor Hunger sterbe, begnüge ich mich mit Subway. Ich habe sehr lange versucht die amerikanische “Essenskultur” zu meiden, und jetzt bin ich hier an einer Uni in Saudi und bestelle ein “Footlong Sandwich”.
Nach dem “Mittagessen” versuche ich zurück zum Büro meines Koordinators zu finden, verirre mich aber. Zwei meiner Kollegen sehen mich und zeigen mir den Weg. Ich finde meinen Koordinator und er stellt mich einigen Kollegen vor. Ich kann mir all diese Namen nicht merken und sie mit den richtigen Gesichten assoziieren. Zu viel Info auf einmal. Information Overload wie ein befreundeter Computeringenieur sagt.
Die Hälfte des Teams scheint aus den Staaten zu sein und die andere Hälfte aus anderen Ländern, hauptsächlich aus dem arabisch sprechenden Raum. Ein paar kommen aus Pakistan, einer aus Indien und zwei Griechen sind auch dabei. 
Was alle gemeinsam haben und was eine der Voraussetzungen war um hier einen Job zu bekommen, ist ein Hintergrund im englischsprachigen Raum. Man muss dort studiert und/oder als Englischlehrer gearbeitet haben. Wenn ich mir meine Kollegen näher betrachte, bemerke ich, das der schreiende Projektmanager aus Ar’ar recht hatte. Er pflegte zu sagen: Wer kommt in diese Region, geht aber auch in andere Länder wie China oder Japan um zu unterrichten? Der ganze Abschaum. Es sind all die Westler die es zu Hause zu nichts bringen können oder es zu nichts gebracht haben und geldgeil sind. All die die zu Hause arbeitslos sind oder keine Arbeit finden können, weil sie unterqualifiziert sind. Wenn ich mir diese Kreaturen um mich herum anschaue, meinen Koordinator inklusive, muss ich sagen, ja mein ehemaliger Projektmanager hatte hier recht. Schau wie sie ausschauen, wie sie angezogen sind. Schäbig, ärmlich, unansehnlich. Jetzt fange ich alles zu glauben was er uns damals erzählte und auch dieses beliebte Spielt unter den Amerikanern, wer kann mit weniger als 100 Dollar im Monat auskommen, scheint wahr und keine Erfindung seines Wahns zu sein. Die stilvollsten sind die Ägypter und die Pakistaner. Sie sind auch die am besten ausgebildeten. Das ist etwas was ich in anderen Ländern und auch in Ar’ar festgestellt habe. Kein Wunder, dass Menschen in bestimmten Ländern keine Menschen aus bestimmten Ländern mögen. Wenn man einen schäbig aussehenden muttersprachigen Englischlehrer vor sich hat, dessen einziges Ziel ist Geld zu verdienen und er sich nicht um Traditionen, Bräuche und Gepflogenheiten schert und nach mehreren Jahren im Land kein einziges Wort der lokalen Sprache kann, welches Bild wird den Schülern und Studenten denn übermittelt? 
Weil ich nichts anderes zu tun habe, setze ich mich draußen in den Schatten und genieße die frische Luft. Ich kann nicht den ganzen Tag drinnen mit der Klimaanlage sein. Während ich hier sitze überlege ich mir, wie soll ich Arabisch lernen? Ich habe kein Auto, es gibt keine öffentliche Verkehrsmittel, die Person die mir die Sprache beibringen soll wohnt am anderen Ende der Stadt und ich bin mir sicher, sie wird bestimmt nicht stundenlang durch die Gegend fahren wollen. Und ich habe kein Internet. Auch wenn ich es hätte, ist die Verbindung dermassen schlecht, dass sie ständig abbricht. Ton und Bild sind von schlechter Qualität. Ich muss mir was ausdenken oder einen anderen Lehrer suchen.


                                         Wohnungseingang 

                                Bad 1, Teil 1, links vom Eingang.

                               Bad 1, Teil 2, immer noch links neben dem Eingang.

                               Esszimmer, Teil 1, rechts neben dem Eingang.

                               Esszimmer, Teil 2, immer noch rechts neben dem Eingang.

                               Wohnzimmer

                               Gang zum großen Bad und den zwei Schlafzimmern.

                                Küche

                               "Kleines" Schlafzimmer

                               Kleiderschrank und Klima im "kleinen" Schlafzimmer.

                               Großes Schlafzimmer.



                               Großes Bad. Waschmaschine direkt vor der Dusche.

                               Wohngebäude mit weißem Van der uns zur Uni bringt.

Samstag, 25. Oktober 2014

Riad Teil 2

Der Fahrer nimmt mein Gepäck aus dem Kofferraum und trägt es rein ins Hotel. Ich verharre noch ein wenig auf den Stufen des Hoteleingangs und schaue in die Nacht. Es ist warm, trocken und die Luft fühlt sich sandig an. 
“It’s 5 o’clock somewhere” sagte mal ein Barman zu Slash als er um 11 Uhr morgens ein Glas Whisky bestellte während er irgendwo in den US und A auf seinen Flug wartete. Der ehemalige Guns’n’Roses Gitarrist Slash, machte diesen Satz zum Titel seines ersten Soloalbum. 

Jetzt ist es 5 Uhr und ich wünschte ich hätte ein Glas Whisky. Oh Harry, wo bist du denn nun mit deiner erlesenen Auswahl an feinen Tropfen? “Dry county….” höre ich Bon Jovi wieder singen. “Ich habe dich gehört John, nun schleich dich aber!” 
“Dry county, we’re swimming in the sand…” 
Das tun wir hier wirklich John! Jetzt schleich dich aber! Weg! Weg! Und bevor er und seinen Mannen in die sandige Nacht entschweifen, nimmt John sein Mikro voller Passion in die Hand und singt noch mal inbrünstig die erste Zeile des Refrains: “Dry county, we’re swimming in the sand…”
Was macht man wenn man nichts zu trinken bekommen kann? Zündet man sich eine an? Kann es nicht machen. Habe das Rauchen vor vielen Jahren aufgegeben.
Der Fahrer kommt wieder heraus, verabschiedet sich, steigt in sein Auto ein und fährt weg. Ich drehe mich um und gehe in Richtung Rezeption wo mein Gepäck auf mich wartet. Der Herr am Empfang erklärt mich, dass im Paket ein Frühstück und ein Mittag- oder Abendessen enthalten sind und ich es mir aussuchen kann wann ich was essen möchte. Frühstück ist von 8 bis 11, Mittag von 12:30 bis 4 und Abendessen von 7 bis 10. Es ist ein Büffet und ich kann so viel essen wie ich will und kann. Er zeigt mir den Weg zum Restaurant und ruft dann einen Angestellten um mein Gepäck aufs Zimmer zu bringen. Vierter Stock in einem fünf Sterne Hotel. Es Zimmer ist nichts besonderes, ein Standardzimmer und viel zu klein für hiesige Verhältnisse. Es hat die Größe eines europäischen Hotelzimmers. Es ist einkalt im Zimmer und ich schalte deswegen die Klimaanlage aus. Straßenlärm ist zu hören. Das Zimmer schaut direkt auf die Autobahn. Das kann ja heiter werden! Gott sei dank habe ich Ohrenstöpsel dabei. Das ist eine Motorradfahrergewohnheit. Motorradfahrer haben bei längeren Autobahnfahrten wegen der enormen Geräuschkulisse meistens Ohrenstöpsel dabei. 
Ich entdecke den Kühlschrank und öffne ihn. Drin finde ich eine kleine Flasche Apfelsaft. Ist zwar kein Whisky, hat aber eine ähnliche Farbe. Es ist schon hell draußen als ich mich so gegen 6 Uhr schlafen lege, aber dank der extrem dicken Vorhänge ist es im Zimmer dunkel. 
Ich wache so gegen 13 Uhr auf, weil ich das komische Gefühl habe nicht alleine im Zimmer zu sein. Mag sein dass es ein Traum und nicht Wirklichkeit ist, aber als ich die Augen aufmache entdecke ich den Putzmann am ende des Bettes. Wir erschrecken uns beide und er entschuldigt sich und berichtet, dass ihm gesagt wurde, dass dieses Zimmer frei geworden und bereit zum Saubermachen ist. Er nimmt sein Zeug und geht. 
Ich stehe langsam auf und mache mich langsam fertig. Dusche erstmal sehr lange und wenn ich fertig bin, gehe ich runter ins Restaurant zum Mittagessen. Das Restaurant geht in die Länge und in die Breite und in der Mitte befindet sich das Büffet, das den Raum in zwei teilt. Rechts davon ist der Männerabschnitt und links davon der Frauen-, Paare- und Familienabschnitt. Die Dekoration ist mediterran angehaucht, mit hellblauen und cremigen Farben und Vögeln und Muscheln, etc. Das Büffet ist sehr üppig. Es stehen sechs Hauptgerichte zur Auswahl, dazu einige Beilagen, verschiedene Brote, Vorspeisen, Salate, Nachspeisen und Getränke. Ein Kellner kommt und fragt mich was ich zu trinken haben möchte, da er kein Getränk auf meinen Tisch sieht. Ich frage nach eine Pepsi Light und kaum eine Minute später steht der Kellner vor mir mit einer Dose in der Hand. Nicht viele Leute sind um die Uhrzeit hier. Ich schaue mich um und sehe ein paar arabisch aussehende Männer auf meiner Seite und ein paar Paare auf der anderen. Nur ein Paar ist weiß. 
Nach meinem ausgiebigen Mittagessen gehe ich durchs Hotelgelände spazieren. Bevor ich mich auf die Reise nach Saudi gemacht habe, hat mir der HR Mensch eine E-Mail geschickt in der stand, dass er ein Zimmer für mich im Madareem Crown gebucht hat. Weil mir der Name komisch vorkam, dachte ich er hätte da was durcheinander gebracht und meint vielleicht das Mandarin Oriental. Nach einer Recherche im Internet fand ich heraus, dass es in Saudi kein Mandarin Oriental gibt, und dass der HR Mensch recht hatte. Schade! Auf der Seite des Madareem Crown sah ich dass es sich um ein riesiges fünf Sterne Hotel handelt. Der Pool sah auf den Fotos vielversprechend aus, in der Realität ist er aber recht klein. Dafür entdecke ich einen zweiten, der im Internet nicht erwähnt wird. Im Garten des Hotels gibt es zudem einen Blumenladen, einen Kiosk, ein Cafe, ein Fischrestaurant mit den zweiten Pool und die Villas für die besonders betuchten die sich keine Standardzimmer oder Suiten antun möchten. 
Ich verschwende noch einige Zeit mit auf dem Hotelgelände Herumgehen und gehe dann auf mein Zimmer und gucke etwas Fern. Es gibt nichts in der Nähe und man kann nirgendwo Spazieren gehen. Ich rufe einen ehemaligen Kollegen aus Ar’ar an der auch hier ist und wir machen aus, dass er mich abholen kommt. Da er erst seit kurzem in der Stadt ist und sich nicht auskennt und auf Google Maps auch nicht wirklich Verlass ist, dauert es eine Weile bis er da ist. Wir umarmen uns als er endlich da ist. Er hat zwei neue Kollegen mitgebracht. Sie wollen nicht im Hotel etwas trinken, weil sie der Meinung sind, dass es zu teuer ist. So entscheiden wir uns irgendwo in der Stadt etwas trinken zu gehen. Zu einem der großen Einkaufszentren. Es ist Freitag Abend und was kann man in Saudi machen? Sicherlich nicht saufen und tanzen. Man kann entweder in ein Cafe, einem Restaurant oder in ein Einkaufszentrum wo man beides findet. 
Wir gehen zum Hotelparkplatz wo ziemlich viele große Autos und Luxuskarossen stehen. Ich frage: “Welches ist deins?” und erwarte dass er auf einen KIA, Hyundai oder ähnliches zeigt. Aber sein Finger zeigt auf einen Mercedes 280 SE in hellblau!!! Oh wie ich meinen Herrn Benz vermisse! Ich besitze einen 260er SE in dunkelblau. 
Weil wir uns verfahren, brauchen wir eine Zeitlang bis wir an der Riyadh Gallery ankommen. Es handelt sich nicht um eine Kunstgalerie wie der Name vermuten lässt. Es ist ein Einkaufszentrum. Der Parkplatz ist voll, aber nach ein paar Runden im selbigen finden wir eine Lücke. Kaum aus dem Benz raus, meint einer, es hat das Gefühl, dass es Familientag ist. Echt jetzt? Ja. Mist! Es ist Familientag! Als wir den Eingang erreichen lässt uns der Wachmann nicht rein, weil wir einzelne Männer sind und keine Frauen dabei haben. 
Gegenüber der Riyadh Gallery befindet sich die Marina Mall. Wir versuchen unser Glück dort, haben aber auch dort kein Glück. Es scheint in der ganzen Stadt Familientag zu sein. Familientag bedeutet, wie der Name vermuten lässt, Eintritt nur für Frauen, Kinder, verheiratete Paare und Familien. Männer ohne weibliche Begleitung müssen draußen bleiben.
Wir fragen den Wachmann ob es auf der Außenseite ein Cafe gibt und er weist uns den Weg dahin. Das Cafe ist nichts besonderes, ist aber sehr teuer. Vier Getränke (ein Espresso, ein großer Kaffee und zwei Shakes) kosten 17 Euro. Für diese Summe kann man in Ar’ar mit der ganzen Familie im Restaurant essen. Ich mache keine Spaß. Wir sind mal zu dritt in ein türkisches Restaurant essen gewesen, das sogar zu den teueren gehört und ich habe für alle drei 19 Euro inklusive Trinkgeld bezahlt. Wir hatten soviel zu essen, dass wir nicht alles aufessen konnten. 
Auf dem Rückweg geht es schneller und ich gehe sofort ins Bett.
Samstag früh. Ich stehe kurz vor 11 Uhr auf und gehe frühstücken. Da ich nicht weiß wann ich wieder etwas zu essen finde, esse ich soviel ich kann um durch den Tag zu kommen. Da ich mich immer noch müde fühle, lege ich mich wieder schlafen. Ich habe ja Zeit bis um 14 Uhr wenn der Fahrer kommt um mich abzuholen und zu meiner Wohnung zu bringen. Ich stelle den Wecker auf 13 Uhr. Um 13 Uhr jedoch klingelt das Telefon. Der Herr vom Empfang ist am Apparat und teil mir mit, dass mein Fahrer schon da ist. Jesses! Hat er nicht 14 Uhr gesagt? Ich dusche und packe schnell und geh runter zur Rezeption. Dort werde ich gefragt ob ich etwas aus der Minibar hatte. 
“Ja, warum?”
“Sie müssen dafür bezahlen mein Herr!”
“Echt? Ist das nicht umsonst? Sie haben gestern nichts erwähnt und es hängt nirgendwo eine Preisliste.”
“Es tut mir wirklich sehr leid mein Herr, aber es ist nicht umsonst. Was hatten Sie?”
Gute Frage. Außer einer Dose Pepsi und einer kleinen Flasche Wasser, habe ich sie leergetrunken. Aber das erzähle ich ihm nicht. 
“Ich hatte die große Flasche Wasser, die zwei Schokoriegel, eine Dose Orangenlimo und etwas anderes and das ich mich nicht erinnere. 
“Wir schicken jemanden aufs Zimmer um nachzuschauen und lassen Sie es wissen.”
“Wo ist der Fahrer?”
“Irgendwo im Cafe.”
Ich bekomme eine SMS vom HR Menschen der mir mitteilt, dass sie hier sind. Ich gehe ins Cafe und sehe sie bei Kaffee und Kuchen. “Wir warten schon seit einer geschlagenen halben Stunde.”
“Sie, der Fahrer und der Herr am Empfang haben mir 14 Uhr gesagt. Jetzt ist es 13:40, also bin ich 20 Minuten zu früh da. Ich bin fast fertig. Muss noch die Rechnung unterschreiben und die Minibar bezahlen.”
Auf der Rechnung für die Minibar stehen 69 Rial. Ich zahle mit einen Hunderter und bekomme 33 zurück. Wie geht das? Ich frage was ich außerdem noch bezahle und er meint den Apfelsaft. Gott sei dank haben sie nicht bemerkt, dass die Red Bull Dose und ein paar andere Dosen fehlen.  
Der HR Mensch erzählt mir, dass ich jetzt zur meiner Wohnung und zu einem Supermarkt gefahren werde. Der Fahrer wird mir auch zeigen wo der Bus zur Arbeit hält und er sagt mir auch die Abfahrtszeiten. Dann nimmt der Fahrer mein Gepäck und platziert es in einen Ford Taurus. Der HR Mensch steigt in sein Auto ein und fährt weg. Wir fahren zuerst gen Süden und dann dreht der Fahrer um und fährt gen Norden. Was wird das?
“Sind Sie sich sicher, dass dies der richtige Weg ist?”
“Ja, ja.”
Vielleicht will er Staus im Zentrum vermeiden und fährt außen herum. Aber nach nicht mal einer Viertelstunde biegt er in eine Gegend ab die sich noch im Bau befindet. Eine riesige und einzige Baustelle sehe ich vor mir. Es schaut dreckig, schlecht und mondhaft aus. Ich frage wo wir sind und er meint “Yasmin Quarter”.
“Warum Yasmin? Sollte ich nicht ins Diplomatische Viertel?”
“Noch nicht fertig!”
Mist!
Wir fahren zu einem Minimarkt. Mir wird gesagt, dass es die einzigen Geschäfte in der Gegend sind. Ich schaue mich um und sehe: zwei Minimärkte, zwei Reinigungen, drei Läden die ich nicht ausmachen kann was sie sind und zwei Esslokale mit bengalischer und pakistanischer Küche.
Nach einem kurzen Besuch im Minimarkt, fahren wir für eine Minute weiter und halten vor einem brandneuen Gebäude. Wir gehen zum ersten Stock, der Fahrer öffnet die Tür und gehen in die Wohnung rein. Es ist eine riesige, über 100qm große möblierte Wohnung. Sie riecht sogar neu. Trotz der Möbel, sieht sie leer aus. 

Kein Internet sagt der Fahrer bevor er geht und die Tür hinter sich zu macht. Ich sinke auf die Couch.








Mittwoch, 22. Oktober 2014

Riad

Teil 1

Hier bin ich wieder an einem Donnerstagnachmittag im Athener Flughafen. Ich schreite durch die Halle Richtung Passkontrolle mit meinem Rucksack an den Schultern, derselbe Rucksack der mich auf meinen Reisen in den vergangenen Jahren begleitet hat. I schaue mich noch mal um und sehe wie meine Liebste und meine Liebsten weinen und möchte am liebsten den Tränen freien Lauf lassen. Ich winke noch mal zurück ehe ich um die Ecke durch die Passkontrolle gehe und aus dem Blickfeld verschwinde. 
Saudi ruft. Ein neues Abenteuer ist dabei zu beginnen, oder hat es schon längst angefangen? Dieses mal ist es kein Trip ins Ungewisse, es ist eine Reise in ein neues Abenteuer, einer neuen Erfahrung. Neuer Job, neue Stadt, neue Studenten, alles neu. Riad ruft. I habe versucht nicht dahin zu ziehen, ich wäre viel lieber entweder zurück nach Ar’ar oder in eine andere kleine Stadt gegangen. Ich mag Riad nicht. Schon vom ersten Augenblick war mir die Stadt unsympathisch. Zu groß, zu chaotisch, zu modern. Die Stadt hat keinen Charakter. Es ist eine große Baustelle mit sehr modernen Gebäuden. Überall Glaspaläste, Einkaufszentren, hohe Gebäude und dazwischen riesige Straßen, Ringe, Stadtautobahnen auf denen gerast wird und man als Fußgänger kaum eine Chance hat sie zu überqueren. Die ganze Stadt scheint eine einzige Baustelle zu sein und ist ständig am wachsen. Es gibt kaum alte Gebäude und historische schon gar nicht. Es siehe alles sehr westlich aus. Da kann man gleich zu Hause bleiben. Wenn man was typisches arabischen sehen und erleben möchte muss man in die Provinz. Dort gibt es so gut wie keine modernen Bauten, keine Einkaufszentren und keine Glaspaläste. 
Noch aus einem anderen Grund wollte ich nicht nach Riad. Wie im ganzen Land, gibt es auch in der Hauptstadt keine öffentliche Verkehrsmittel. Man braucht ein Auto. Ohne ist man aufgeschmissen. Und genau da fängt der Spaß an. Sein eigenes Auto darf man nur unter zwei Vorraussetzungen mitbringen: a) es ist unter drei Jahre alt und b) man hat eine IQAMA, eine Art Sozialversicherungsnummer. 
Glücklich ist, wem ein Auto von der Firma zur Verfügung gestellt wird und einen internationalen Führerschein besitzt. Der EU Schein allein reicht nicht aus. Eines mieten geht nicht so einfach. Es kommt auf das Visum an das man hat. Eines kaufen geht nur mit IQAMA. Auch wenn man ein Auto fahren, bzw. kaufen oder mieten kann, wird man es nicht genießen. Schon mal in Neapel Auto gefahren? Hier ist es x-mal schlimmer. Die Saudis haben eine Fahrstill unter aller Sau. Sogar als Mitfahrer macht man sich in die Hosen. Blinker? Was ist das? Tempolimits? Kinderkram. Es wird überholt was das Zeug hält und von allen Seiten. Auf drei Fahrspuren passen gut fünf Autos nebeneinander. Die meisten Autos sind auch deswegen zerbeult oder quasi Schrott. Durch den deutschen TÜV kommen die sicherlich nicht. Auch nicht wenn man den Prüfer schmiert. 
Ein weiteres Problem ist sich zurechtzufinden. Auf Google Maps kann man nicht zurückgreifen, weil die Pläne nicht aktuell sind. Es gibt zwar Navis zu kaufen, aber ob die Software mit dem Wachstumstempo der Stadt mithalten kann mag ich bezweifeln. 
Ohne Auto fühlt man sich wie ein Gefangener. Gefangen in seinen vier Wänden. Man ist sehr begrenzt. Wo kann man denn auch hingehen? Um den Block, in die nähere Umgebung? Und was macht man im Sommer bei 45 Grad im Schatten? In einer Kleinstadt kann man, außer in den heißen Sommermonaten, überall zu Fuß oder mit dem Fahrrad gelangen. 
Ein Taxi zu nehmen ist eine Option. Bloß, die meisten Taxifahrer sprechen kein Englisch, kennen sich nicht so gut aus und wie soll man einem den Weg erklären wenn man a) kein Arabisch kann, b) sich selber nicht auskennt und c) viele Schilder auf Arabisch sind? Außerdem versuchen die Fahren einen mit dem Fahrpreis zu bescheißen. Als Weißer hat man die Arschkarte gezogen, da zahlt man am meisten. Trost ist, dass es immer noch spottbillig im Vergleich zu uns ist. 
Gehe durch die Passkontrolle und den Duty-Free-Bereich zum Gate. Ich wollte mein Ticket upgraden aber es ging nicht. Die dafür nötigen Ausrüstung gibt es nicht ab Flughafen. Man kann nur einchecken, Tickets kaufen geht nicht. 24 Stunden vorher übers Telefon wäre ein Upgrade möglich gewesen. Also nix ist mit flauschiger Lounge und Nektar schlürfen. 
Der Flug mit Gulf Air ist ganz angenehm. Ich habe einen Fenstersitz neben dem Notausgang der mir Extraplatz zum Ausstrecken beschert. Der Flieger ist zwar nicht völlig ausgebucht, aber dennoch ziemlich voll. Neben mir sitzen zwei Burschen die arabisch aussehen, aber einen amerikanischen Akzent haben. Sie unterhalten sich ein wenig am Anfang und dann schalten sie die Bildschirme vor sich ein und gucken sich Filme an. Ich lese den Spiegel bis zum Abendessen. ‘Es gibt Reis, Baby’ wie Helge Schneider sagen würde. Ein kleiner Vorgeschmack aufs Kabsazeigl das mich erwartet. Wenigstens wird es wahlweise mit Kalbfleisch serviert. Nach dem Abendessen schaue ich mir einen Film an.
Kaum ist der Film zu ende, sind wir auch schon in Bahrain. Ich war noch nie in Bahrain und wollte schon immer mal hin, schade dass die 3,5 Stunden Aufenthalt nicht ausreichen um in die Stadt zu gehen. Vielleicht verbringe ich hier meinen nächsten Urlaub. 
Ich schlendere durch die Duty-Free Zone und schaue mir die Geschäfte an. Dann entdecke ich in einem Geschäft einen blauen Porsche Carrera 4S. Die majestätische Schönheit dieses Autos zieht mich magisch an und ich betrachte es von der Nähe. Da kommt eine Verkäuferin auf mich zu und meint: Wenn Sie eine Anzahlung leisten, verschiffen wie es kostenlos in Ihr Land und sie zahlen den Restbetrag später. Sauber!!! Da kein Preisschild zu sehen ist und mein Jahressalär sicher nicht reicht, lächle ich der Dame zu und meine: Es ist ein sehr schönes Auto und es würde mir schmeicheln es zu besitzen, aber ich stehe eher auf Motorräder und würde gerne eine BMW 1200er GS Adventure kaufen. 
Nachdem ich durch alle Geschäfte gegangen bin, finde ich eine wifi - Ecke in der Nähe meines Gates und setze mich hin. Ich nehme mein iPad raus, höre Musik und schreibe ein paar Mails. Plötzlich entdecke ich einen Schatten auf dem Boden vor meinen Füßen und höre eine weibliche Stimme durch meine Ohrhörer. Ich nehme die Stöpsel raus, hebe meinen Kopf, sehe drei Sicherheitsleute vor mir stehen, frage ‘Bitte?’, sie antworten aber nicht, zucken nur mit den Schultern und gehen weiter. Was war das denn? 
Ich schreibe weiter an meinen E-Mails und um 2:35 in der Früh wird das Gate geöffnet und wir dürfen in den Flieger. Nicht viele Menschen wollen um die Uhrzeit nach Riad fliegen. Es sind hauptsächlich asiatische Männer, ein paar Saudis und wenige Frauen und Kinder. Ein paar Frauen reisen alleine. 
Dieses Mal habe ich einen Gangsitz. Neben mir sitzen zwei Pakistaner, mir gegenüber zwei Inder. Noch bevor wir aufs Rollfeld fahren, zuckt einer der Inder mit seinen Reisepass, einem Zettel und einem Kuli und sagt mir etwas was ich nicht verstehe. Ich kapiere aber was er möchte. Der Zettel kommt mir bekannt vor. Es ist das Formular, das man bei der ersten Einreise ins Königreich ausfüllen muss. Ich nehme seinen Pass und fülle den Zettel aus. Stelle ihm ein paar Fragen nach Angaben die nicht im Pass stehen. Bei der Frage nach der Religion muss ich schmunzeln. Soll ich Pastafari, Jude, Atheist oder etwas anderes hinschreiben, das die arabischen Grenzbeamte garantiert nicht witzig finden? Ich entscheide mich zu fragen und schreibe seine Religion hin. Danach möchte der andere Inder, dass ich den Bogen für ihn ausfülle und danach die zwei Pakistanis neben mir.
Auf einmal fühle ich mich um viele Jahre zurückversetzt und erinnere mich an eine Geschichte die mir mein Grundschullehrer erzählte. Am Anfang seine beruflichen Karriere wurde er in ein entlegenes Dorf zum Unterrichten geschickt. Dort konnten die meisten Dorfbewohner weder lesen noch schreiben. Jedes Mal wenn sie einen Brief bekamen oder einen schreiben wollten, klopften sie an die Tür des Lehrers. Jahrzehnte später finde ich mich in derselben Situation wider. 
Der Flug dauert etwas über einer Stunde und verläuft ganz angenehm. Als wir ankommen geht es durch denselben Gang wie beim ersten Mal als ich im Königreich gelandet bin. All die Erinnerungen schießen mir durch den Kopf. Dieses mal jedoch ist so ziemlich alles anders. Da gibt es Beamte die einen zur richtigen Schlange dirigieren, sodass man nicht suchen und fragen muss. Es sind viel weniger Leute da und es gibt auch kein ‘System down!!!’
Ich marschiere nach ganz vorne in der re-entrz Schlange und als ich vorne ankomme dirigiert mich ein Beamter zu einen Schalter an dem keiner steht. Dort kann mir aber aus irgendeinen Grund nicht geholfen werden, deswegen nimmt mich der Beamte zu einem anderen Schalter mit an dem Leute stehen. Er schickt sie weg zum Schalter wo ich vorher gewesen bin und ich werde sofort bedient. Mein Pass und Visa werden kontrolliert, meine Finger gescannt und nach nicht mal einer Minute darf ich durch zum Gepäckband. Das war’s! Keine zwei Stunden Wartezeit wie beim ersten Mal und kein ‘System down!!!’
In anderen Ländern nimmt man sein Gepäck in Empfang und geht einfach raus. Nicht so in Saudi. Hier geht die Gaudi weiter. Man muss sein Gepäck noch einmal durch die Röntgenmaschine jagen. Erst danach darf man raus. Ich schieb alles rein, nehme meine Sachen auf der anderen Seite wieder in Empfang und mache mir plötzlich Gedanken wie mich der HR Mensch denn erkennen wird. Wird er professionell mit einem Blatt Papier auf dem mein Name geschrieben ist hinter der Glastür stehen und auf mich warten, oder wird er es wie der Filipino beim letzten Mal machen, der nach Gefühl gegangen ist? Ehe ich durch die Tür schreite, schaue ich mich um und sehe, dass ich der einzige Weiße bin. Was mache ich mir Sorgen!
Tatsächlich steht jemand mit einem Blatt auf dem mein Name geschrieben ist und wartet auf mich. Es ist aber nicht der HR Mensch, sondern der Fahrer. Er nimmt meinen Rollkoffer mit der einen Hand und zückt sein Handy mit der anderen. Ein flüchtiger Blick auf sein Handy löst eine Verwunderung in mir aus. Es handelt sich um ein sehr einfaches Gerät mit einfarbigem Display und Tasten. Ich dachte in Zeiten in denen jeder mit einem schicken Smartphone durch die Gegend rennt, wären die Dinger nicht mehr erhältlich. 
Wir gehen Richtung Rolltreppe und dort erscheint ein riesiger Mann. Das ist der HR Mensch auf den ich gewartet habe. Wir gehen die Treppe runter zum Parkplatz und der Fahrer verschwindet mit meinem Gepäck.
‘Keine Angst, er holt nur den Wagen’, sagt der HR Mensch. 
Wir unterhalten uns kurz und nach nicht mal einer Minute fährt der Fahrer vor. Er öffnet die Tür für mich, ich steige ein, verabschiede mich vom HR Menschen, wir fahren durch die Schranke und entschwinden in die Nacht. 
Die Fahrt ended ein paar Minuten später beim Hotel. Die Fahrt zum Hotel kommt mir bekannt vor. Hier bin ich auch beim letzten Mal entlang gefahren worden. Das Hotel in das mich der Filipino brachte liegt in der Nähe. 
Es ist 5 Uhr früh, ich bin müde und fühle mich plötzlich als ob ich einen Whisky trinken wollte. Von irgendwoher höre ich Bon Jovi ‘Dry County’ singen. Ja John, es ist ein trockenes Land und es wird lange dauern bis ein alkoholisches Getränk über meine Lippen den Gaumen runter fließt. 

Und plötzlich vermisse ich meinen Sommer in Hull.