Montag, 28. April 2014

Teil 12.1

Da mir der erste Spaziergang ins Zentrum gut gefallen hat, habe ich beschlossen einen zweiten zu machen. Diesmal können die zwei pakistanischen Kollegen nicht mit und alle anderen können/wollen nicht. Macht nichts. Mit meiner Exilim Kamera und den zwei BlackBerries mache ich mich auf dem Weg ins Zentrum.
Da es keine Landkarten gibt und Google Maps und Apple Maps auch keine wirkliche Hilfe sind, versuche ich denselben weg entlang zu gehen wie beim ersten Mal. Ich habe in einem Laden und auch die Studenten gefragt ob es Straßenkarten gibt und bekam eine negative Antwort. Einige wussten sogar nicht was eine Straßenkarte ist und von anderen wurde ich gefragt wozu ich eine brauche. Wozu denn wohl? Um mich zurecht zu finden. Sie schüttelten nur den Kopf und gingen weiter. Wahrscheinlich dachten sie, jetzt kommt so ein blöder Touri daher aus dem Westen und hat Angst in einer Kleinstadt wie Ar’ar verloren zu gehen. Ich habe auch versucht den Weg ins Zentrum auf Google und iMaps zu finden, aber irgendwie klappte es nicht. Den Weg, den wir gegangen sind gibt es dort nicht. Außerdem gibt es die Straße wo das Polytechnikum ist, auch nicht. Deswegen mache ich mich so auf dem Weg. Mein ägyptischer Kollege der sich hier gut auskennt, meinte, wenn ich mich verlaufe, solle ich ein Straßenschild fotografieren und es ihm per MMS schicken und er kommt mich abholen.
Schilder weisen zwar den Weg, aber wie man in der Bildergalerie (öffnet im neuen Fenster) sehen kann, allerdings sind sie auf Arabisch und unverständlich für mich. Es gibt zwar ein Zeichen das das Zentrum andeutet, aber ab einen gewissen Punkt gibt es das Zeichen nicht mehr.
Als ich an einer Hauptverkehrsstraße vorbeikomme, sehe ich viele Männer stehen und auf etwas warten. Ein Männerstrich etwa? Mitten am Tag? Kann ich mir nicht vorstellen. Prostitution ist in diesem Land strengstens verboten. Außerdem schauen die Männer schäbig aus, so als ob sie in den Feldern gearbeitet hätten oder auf dem Bau. Außerdem sind keine Araber unter ihnen. Es sind alles Afrikaner und Asiaten.
Ich gehe etwas langsamer und schaue mich vorsichtig um, spiele den Touristen und schieße Fotos von Gebäuden und Laternen. Manche Männer schauen mich interessiert an. Wahrscheinlich bin ich ein Kuriosum für sie, wie sie für mich. Als ich irgendwie nicht schlau daraus werde, komme ich an einem Fast-Food-Laden vorbei. Ich gehe herein um zu fragen und um mir etwas zum trinken zu kaufen. Leider kann der Verkäufer kein Englisch, so erfahre ich nicht was die Männer dort machen. Die Männer stehen mal alleine, mal zu zweit oder zu dritt in Abständen von ein paar Metern zu den anderen. Als ich meinen Spaziergang fortsetze, kommt mir ein Kleinbus entgegen. Einer von der Sorte der uns zur Arbeit fährt. Gleiche Marke, gleiche Farbe, gleiches Alter, etc. Ich höre wie der Bus einige Meter hinter mir bremst. Ich drehe mich um und sehe wie ein paar Männer einsteigen. Kurz danach kommt ein weiterer Kleinbus und nimmt ein paar Männer mit. Später erfahre ich vom Sicherheitsmann unserer Residenz und vom ägyptischen Kollegen, dass diese Männer Arbeiter sind und nach ihrer Schicht zu einer der Hauptverkehrsstraßen gehen und auf ihren Bus warten um nach Hause gefahren zu werden. Klar, in Saudi gibt es doch keinen ÖPNV! Die Leute müssen irgendwie zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, so wie wir auch. Bloß, wir müssen uns nicht an irgendeine Straßenecke stellen um auf den Bus zu warten, der Bus wartet vor unserer Tür. Mohammed, unser Fahrer kommt jeden morgen, stellt sein Auto ab, wir steigen in den klapprigen Bus ein, werden zur Arbeit gefahren und mittags wieder zurück.
Einige ausländische Arbeiter (Afrikaner und Asiaten), fahren Rad und verzichten auf dem Busservice. Das sehe ich jeden morgen und Nachmittag auf der Baustelle neben unserer Residenz. Die Fahrräder sind mindestens genauso klapprig wie die Kleinbusse mit denen sie und wir auch zur Arbeit gefahren werden. Nachmittags und abends sieht man sie mit den Fahrrädern in der Stadt ihre Einkäufe machen oder wie sie durch die Gegend fahren. Fahrradwege gibt es kaum, dafür sind die Straßen extra breit. Ist aber nicht ganz ungefährlich so wie die Autofahrer fahren und auf keinen Acht geben.

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