Da mir der erste Spaziergang ins Zentrum gut gefallen hat, habe ich
beschlossen einen zweiten zu machen. Diesmal können die zwei pakistanischen
Kollegen nicht mit und alle anderen können/wollen nicht. Macht nichts. Mit
meiner Exilim Kamera und den zwei BlackBerries mache ich mich auf dem Weg ins
Zentrum.
Da es keine Landkarten gibt und Google Maps und Apple Maps auch keine
wirkliche Hilfe sind, versuche ich denselben weg entlang zu gehen wie beim
ersten Mal. Ich habe in einem Laden und auch die Studenten gefragt ob es
Straßenkarten gibt und bekam eine negative Antwort. Einige wussten sogar nicht
was eine Straßenkarte ist und von anderen wurde ich gefragt wozu ich eine
brauche. Wozu denn wohl? Um mich zurecht zu finden. Sie schüttelten nur
den Kopf und gingen weiter. Wahrscheinlich dachten sie, jetzt kommt so ein
blöder Touri daher aus dem Westen und hat Angst in einer Kleinstadt wie Ar’ar
verloren zu gehen. Ich habe auch versucht den Weg ins Zentrum auf Google und
iMaps zu finden, aber irgendwie klappte es nicht. Den Weg, den wir gegangen
sind gibt es dort nicht. Außerdem gibt es die Straße wo das Polytechnikum ist,
auch nicht. Deswegen mache ich mich so auf dem Weg. Mein ägyptischer Kollege
der sich hier gut auskennt, meinte, wenn ich mich verlaufe, solle ich ein
Straßenschild fotografieren und es ihm per MMS schicken und er kommt mich
abholen.
Schilder weisen zwar den Weg, aber wie man in der Bildergalerie (öffnet im neuen Fenster) sehen kann, allerdings
sind sie auf Arabisch und unverständlich für mich. Es gibt zwar ein
Zeichen das das Zentrum andeutet, aber ab einen gewissen Punkt gibt es das
Zeichen nicht mehr.
Als ich an einer Hauptverkehrsstraße vorbeikomme, sehe ich viele Männer
stehen und auf etwas warten. Ein Männerstrich etwa? Mitten am Tag? Kann ich mir
nicht vorstellen. Prostitution ist in diesem Land strengstens verboten.
Außerdem schauen die Männer schäbig aus, so als ob sie in den Feldern
gearbeitet hätten oder auf dem Bau. Außerdem sind keine Araber unter
ihnen. Es sind alles Afrikaner und Asiaten.
Ich gehe etwas langsamer und schaue mich vorsichtig um, spiele den Touristen
und schieße Fotos von Gebäuden und Laternen. Manche Männer schauen mich
interessiert an. Wahrscheinlich bin ich ein Kuriosum für sie, wie sie für mich.
Als ich irgendwie nicht schlau daraus werde, komme ich an einem Fast-Food-Laden
vorbei. Ich gehe herein um zu fragen und um mir etwas zum trinken zu kaufen.
Leider kann der Verkäufer kein Englisch, so erfahre ich nicht was die Männer
dort machen. Die Männer stehen mal alleine, mal zu zweit oder zu dritt in
Abständen von ein paar Metern zu den anderen. Als ich meinen Spaziergang
fortsetze, kommt mir ein Kleinbus entgegen. Einer von der Sorte der uns zur
Arbeit fährt. Gleiche Marke, gleiche Farbe, gleiches Alter, etc. Ich höre wie
der Bus einige Meter hinter mir bremst. Ich drehe mich um und sehe wie ein paar
Männer einsteigen. Kurz danach kommt ein weiterer Kleinbus und nimmt ein paar
Männer mit. Später erfahre ich vom Sicherheitsmann unserer Residenz und vom
ägyptischen Kollegen, dass diese Männer Arbeiter sind und nach ihrer Schicht zu
einer der Hauptverkehrsstraßen gehen und auf ihren Bus warten um nach Hause
gefahren zu werden. Klar, in Saudi gibt es doch keinen ÖPNV! Die Leute müssen
irgendwie zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, so wie wir auch. Bloß, wir
müssen uns nicht an irgendeine Straßenecke stellen um auf den Bus zu warten,
der Bus wartet vor unserer Tür. Mohammed, unser Fahrer kommt jeden morgen,
stellt sein Auto ab, wir steigen in den klapprigen Bus ein, werden zur Arbeit
gefahren und mittags wieder zurück.
Einige ausländische Arbeiter (Afrikaner und Asiaten), fahren Rad und
verzichten auf dem Busservice. Das sehe ich jeden morgen und Nachmittag auf der
Baustelle neben unserer Residenz. Die Fahrräder sind mindestens genauso
klapprig wie die Kleinbusse mit denen sie und wir auch zur Arbeit gefahren
werden. Nachmittags und abends sieht man sie mit den Fahrrädern in der Stadt
ihre Einkäufe machen oder wie sie durch die Gegend fahren. Fahrradwege gibt es
kaum, dafür sind die Straßen extra breit. Ist aber nicht ganz ungefährlich so
wie die Autofahrer fahren und auf keinen Acht geben.
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