Als ich nach dem Duschen los will, öffne ich eine Schublade
um meinen Reisepass herauszunehmen, da fällt mein Blick auf die zwei Bündel
Geld die mir Anes in Riad mitgegeben hat. Die Besitzer haben sich immer noch
nicht bei mir gemeldet. Anes hat mir zwar deren Namen gesagt, aber ich habe sie
vergessen. Mein philippinischer Reiseführer meinte, dass mich die Kollegen
schon aufsuchen werden und ich soll mir keine Sorgen machen. Außerdem wartet
einer auf einen Laptop und einer Spiegelreflexkamera. Beides befindet sich in
meiner Reisetasche.
Der Weg zum Flughafen ist fast genau derselbe wie der zur
Arbeit, aber ab einem bestimmten Punkt aus wird die Strecke sehr schön. Die
Verkehrsinsel zwischen den Fahrtrichtungen ist mit verschiedenen Gegenständen
sehr schön dekoriert.
Wir fahren ins wunderschöne Flughafengelände rein und gehen
schnurstracks zum Pakistaner. Tatsächlich! Das steht meine Reisetasche!
Überglücklich fahren wir nach hause.
Nach dem Auspacken Skype ich ausgiebig und so gegen Mittag
nehme ich einen Stuhl und setze mich vorm Eingang in die Sonne. Der
Sicherheitsmann kommt auch raus und setzt sich dazu. Als die Predigt in den
naheliegenden Moscheen zu ende geht, kommen die Gläubigen langsam die Straße
rauf. Wir spielen das Nationenratenspiel. Wer kommt aus welchem Land. Der
Sicherheitsmann ist ziemlich gut darin. Er erklärt mir auch die unterschiede.
Mal erkennt er die Herkunft am Kopftuch, mal am Käppi oder Mütze, mal am
Gewand. Da kommen auch meine Kollegen in ihrer Landestracht die Straße rauf.
Pakistaner, Bengalen und der Ägypter sind alle unterschiedlich gekleidet.
Eine Stunde später mache ich mich mit den zwei
pakistanischen Kollegen zu Fuß in die Stadt. Wir brauchen ca. eine Stunde bis
ins Zentrum und ich nutze die Chance einige Bilder zu machen. Im Zentrum gehen
wir erstmal in ein Restaurant zum essen. Dieses bietet zwar arabische Küche,
ist aber kein typisch arabisches Restaurant. Was gemeint ist? Es hat Tische und
Stühle! Man muss nicht auf dem Boden sitzen. Es gibt zwei Theken mit
verschiedenem Essen. Es gibt frittiertes Zeug wie Pommes, Fischstäbchen, etc.
und auf der anderen Seite traditionell arabisches Essen, das teilweise sehr
scharf ist. Außerdem gibt es arabischen Tee. Als ich einen Becher trinke und
davon begeistert bin, gehe ich zum Koch und frage ob ich ihm zuschauen darf.
Ich darf und es ist ihm eine Ehre. Er lädt mich sogar zu einem Tee ein.
Danach gehen wir in der Stadt spazieren. Arabische Städte
sind anders aufgebaut als europäische Städte. Es gibt keine zentrale Piazza mit
Rathaus und Fußgängerzone. Da Saudi ein Königreich ist, gibt es auch keine
Rathäuser. In einem Autoland wie Saudi, sind Fußgängerzonen Mangelware. Und
noch etwas ist anders. Die Geschäfte. Sie gibt es in Gruppen. Es gibt die
Handystraße, die Computerstraße, die Friseurstraße, die Parfümstraße, eine
Gegend mit Geschäften für Frauen und Kinder, usw. Je nachdem was man möchte,
geht man in die entsprechende Straße oder Gegend.
Als der Muezzin zum Gebet ruft, machen wir uns auf in eine
Moschee. Die Kollegen gehen hinein und ich warte währenddessen draußen. Ich
lehne mich an einem Laternenpfahl und lasse meinen Blick schweifen. Auf einmal
parkt ein Mercedes SE direkt vor mir und ein kleinwüchsiger Araber steigt aus. Wir
schauen uns kurz an und dann lass ich meinen Blick wieder schweifen. Er jedoch,
kommt näher und sagt mir etwas auf Arabisch. Natürlich verstehe ich nichts und
erwidere auf Englisch. Er jedoch lässt nicht locker und redet und redet und
redet. Irgendwann verstehe ich das Wort ‚Syrien’. Glaubt er etwa ich sei
Syrier? Vielleicht liegt das an meinem Bart der gewachsen ist. Ich versuche ihm
zu erklären, dass ich kein Syrier sondern ‚Yunani’ bin, aber irgendwie kommt
das bei ihm nicht an. Da hält ein SUV auf der anderen Straßenseite und Fahad,
ein Student steigt zu meinem Glück aus. Er sieht mich und kommt zu uns herüber.
Ich frage ihm ob er mir mit dem kleinwüchsigen Araber behilflich sein kann.
Gott sei dank, kann er es. Fahad erzählt dem Araber etwas, worauf sich der Mann
auf einmal zu mir umdreht und ‚Yunani’? fragt. Ja, sage ich, ‚Yunani’, nix
Syrien. OK!
Was der Mann wollte? Er wollte von mir wissen, warum ich
hier draußen stehe und nicht zum beten in die Moschee gehe. Jetzt weiß er, dass
ich kein Moslem und kein Syrier bin. Er lächelt mir zu, gibt mir seine Hand,
wünscht mir alles Gute und geht in die Moschee zum Beten.
Als die Betenszeit um ist, kommen alle raus, darunter auch
der Araber. Er grüßt mich wieder, steigt in seinem Benz ein und fährt weg.
Wir steigen in Fahads 6-Liter GMC-SUV ein und fahren in ein
Café zum Teetrinken. Das Café hat auch eine Dachterrasse mit Blick über eine
breite Straße und der größten Moschee von Ar’ar.
Danach fährt er uns nach hause. Kaum schließe ich meine
Wohnungstür, klopft es an der Tür. Draußen steht ein Kollege.
„Ich glaube du hast etwas für mich“ sagt er konspirativ.„Kann sein“, erwidere ich. „Was soll ich für dich haben?“
„Geld.“
„Wie viel?“
Er nennt einen Betrag der mit dem größeren Geldbündel übereinstimmt.
Nicht mal eine Minute nachdem er gegangen ist, klopft es wieder an der Tür. Es ist ein weiterer Kollege.
Wieder das gleiche Spiel mit mehr oder weniger demselben Wortlaut. Für ihn habe ich den kleineren Geldbündel, den Laptop und die Spiegelreflexkamera.
Gott sei dank bin ich die Sachen und vor allem das Geld los.
Bilder vom Weg zum Flughafen gibt es hier: (Öffnet in neuem Fenster)
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