Montag, 28. Juli 2014

Teil 23


Das Schuljahr neigt sich dem Ende und die Studenten haben keine Lust mehr zu pauken. Deren Gedanken sind schon im Urlaub. Da wir im Stoff ziemlich gut voran gekommen sind, können wir es uns erlauben wenig zu machen und statt den Büchern andere Aktivitäten auszuprobieren, wenn unser Projektmanager nichts dagegen hat. Da er aber dagegen ist, hören wir einfach nicht auf ihn und rebellieren.

In der ersten Stunde um 8 Uhr, sind die meisten Studenten abwesend und die die kommen sind nicht ganz fit. Erst ab 9 Uhr füllt sich der Raum und die Jungs werden fitter. Deshalb machen wir lockere Konversation in der ersten Stunde. Ab der zweiten wird es ernster. Heute jedoch habe ich auch keine rechte Lust, weil a) ich die Nacht nicht schlafen konnte und b) unser Projektmanager vorhin im Bus auf der Fahrt zur Arbeit die ganze Zeit geschrien hat. An Lamentierstakkato ohne gleichen. In letzter Zeit hat er öfters solche Krisen und schreit und schreit und schreit und beschimpft sogar einige Lehrkräfte, bevorzugt die Bengalen und einen der drei Pakistaner. Dem Pakistaner scheint’s egal zu sein und nimmt es mit Fassung. Die Bengalen aber fühlen sich verletzt und wir fühlen mit ihnen. Sie widersprechen aber nicht, weil es nicht ihrer Kultur entspricht einem älteren und/oder einem Vorgesetzten zu widersprechen. Einige von uns, darunter auch ich, hören über Kopfhörer lautstarke Musik um das Geschrei zu übertönen. Außerdem schreibt unser Projektmanager 20 E-Mails am Tag und terrorisiert jeden damit. Bei mir wandern sie ungelesen in den Papierkorb. Bei so manch anderen Kollegen auch. Die Studenten erwähnen seinen Namen im selben Atemzug mit dem Wort „Crazy“ und der dazugehöriger Handbewegung.

Na ja. Ich hatte meinen Studis versprochen sie ins Laboratorium zu bringen. Da ich jetzt zwei Gruppen habe, weil ein Kollege uns vorzeitig verlassen hat, bringe ich all ins Lab. Dort werden sie im zweiten Jahr ihrer Ausbildung viel Zeit verbringen müssen. Das Lab ist ein großer Raum voller Simulatoren, oder wie mein britischer Kollege sagt ‚Stimulatoren’. An den Simulatoren lernen sie die Bagger und all die anderen Fahrzeuge zu fahren und handzuhaben. Wenn sie es am Simulator gelernt haben, dürfen sie im dritten Jahr ein echtes Fahrzeug in der Mine fahren.

Wir werden von den afrikanischen Kollegen der University of Missouri, alle im Promotionsstudium, erwartet. Es gibt eine Einführung in Sachen Minen und Minenarbeit und einen längeren Vortrag dazu. Der scheint die Studenten eher zu langweilen. Sie wollen an die Geräte. Am Ende des langen Vortrags dürfen sie Fragen stellen. Da keiner etwas fragen möchte, nehme ich mir die Freiheit eine Frage zu stellen und kassiere Blicke die töten könnten. Eigentlich wollte ich noch mehr Fragen stellen, tue es aber nicht und hebe sie mir für später auf. Jetzt dürfen sie endlich ran an die Simulatoren.

Sie scheinen sichtlich Spaß zu haben und jeder darf mal ran. Die afrikanischen Kollegen verteilen sich und assistieren. Ich gehe rum und schaue mir an was die Studis treiben und wie sie sich machen. Als einer der Studenten mich hinter sich wahrnimmt, wird er nervös, steht vom Fahrersitz auf und überlässt mir das Fahren. Dann kommen mehrere Jungs um zu sehen wie sich ihr Lehrer so macht. Ich drehe ein paar Runden und versenke dann den Bagger in den Graben. Darauf jubeln alle und klatschen in die Hände.

So vergehen die Stunden bis zur Mittagspause. Am Nachmittag zeige ich ihnen einen Film über Minen und Minenarbeit in verschiedenen Ländern bis wir endlich um 15:15 Uhr Feierabend haben.

Auf dem Weg zurück im Bus setze ich mir Kopfhörer auf und höre 30 Seconds to Mars auf volle Pulle um das Geschrei des Projektmanagers nicht zu hören.

Am Nachmittag gehe ich mit einem der drei bengalischen Kollegen lange spazieren. Wir drehen eine lange Runde durch eine Gegend mit sehr schönen Häusern, breiten Straßen, kaum Verkehr, wenigen Geschäften und ein paar Schulen. Wir reden kaum miteinander und genießen die Stille und die Schönheit der Umgebung.

Als wir nach Hause zurückkommen, laden mich die Bengalen zum Abendessen ein. Sie essen jeden Abend gemeinsam und ab und zu werde ich eingeladen. Sie können hervorragend kochen und bereiten immer ein reichhaltiges Mahl. Gegessen wird wie in diesem Teil der Welt üblich, auf dem Boden sitzend und ohne Besteck.
 
 
Hier ist ein Video dazu. Darunter gibt es die Möglichkeit sich noch zwei andere anzusehen. 
 
 
 
 
 Bilder vom Spaziergang
 




 
Mächtiger Wind zur Pause
 

 

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