Es ist Sonntagmorgen, die letzte Woche geht gerade los. Wie
immer versammeln wir uns beim Bus vorm Eingang unserer Residenz. Wir haben alle
gute Laune, weil der Spuck bald vorbei sein wird. Heute ist Examenstag und wir
erwarten mit Spannung was in weniger als einer Stunde passieren wird. Was
gemeint ist? Bei jedem Test sickerte der Testbogen durch und die Studenten
wussten die Fragen am Tag vor dem Test. Zuerst dachten wir, es sei einer von
uns der den Studenten die Testbögen gibt, das konnten wir leider nie beweisen,
obwohl es Anzeichen dafür gibt, jedoch haben wir rausgefunden, dass einer der
Manager, einer der ganz hohen Tiere ein Doppelagent ist. So haben wir ihm eine
Falle gestellt. Wir haben zwei Testbögen entworfen. Den einen haben wir ans Management
weitergegeben um ihn wie immer im Safe unterzubringen und den anderen haben wir
mit nach Hause genommen und 200-mal ausgedruckt. Jetzt hat einer von uns diese
Bögen in seiner Tasche und wird sie dann verteilen. Außerdem haben wir auch
durchgeboxt dass die Studenten nicht wie üblich in ihren Klassenzimmern die
Prüfung ablegen, sondern alle zusammen in einer großen Halle mit allen Lehrern
und diversen Sicherheitsleuten. Außerdem müssen alle ihre Handys vorher
abgeben.
Das wird ein Spaß! Wir steigen alle mit einem breiten
Grinsen in den Bus ein und fahren der Morgensonne entgegen.
Als wir ankommen gehen wir wie üblich in die Küche um uns
Kaffee und Tee zu machen. Dann gehen ein paar in die Aula um nach dem Rechten
zu sehen und die Bögen zu verteilen. Die Sicherheitsmänner haben alles
hergerichtet und warten auf uns und die Studenten. Wir gehen in die
Klassenzimmer, nicht zu unseren Klassen, aber jeder zu einer anderen und warten
aufs Kommando. Es kommt jemand der den Boten spielt und sagt den Lehrern dass
sie jetzt mit ihrer Gruppe den Klassenraum verlassen und langsam zur Aula gehen
können. Dann geht’s wie bei Häftlingen unter Begleitung von Sicherheitsleuten
zur Aula. Dort steht jemand der die Studenten empfängt, ihnen die Handys
abnimmt und sie zu ihren Plätzen führt. Da es etwas über 200 Leute sind, dauert
es etwas bis alle da sind und an ihren Plätzen sitzen. Die Bögen werden
verteilt und die Spannung steigt ins unermessliche. Jetzt passieren zwei
Sachen: Auf den Gesichtern der Studenten ist der blanke Horror abzulesen und
auf den Gesichtern der Lehrer breitet sich ein sehr breites Grinsen aus. Die
Studenten gucken sich fassungslos gegenseitig an und wissen nicht was hier ab
geht. Wir wiederum ermahnen sie sich nicht umzuschauen, sonst nehmen wir ihnen
die Bögen weg und sie bekommen eine Null.
Die ersten Minuten vergehen und es dauert etwas bis die
Studenten anfangen zu schreiben. Lehrer, Sicherheitsleute und sogar der Manager
patrouillieren auf und ab und schauen ob jemand spickt oder mit dem Nachbarn
redet. Bei Zuwiderhandlung darf er nach Hause gehen.
Etwa eine halbe Stunde später, als einige schon aufgegeben
haben, andere beim Spicken oder beim Reden erwischt wurden, und der Rest über
die Fragen schwitzt, nehmen ein paar Lehrer, darunter auch ich, ihre Kameras
raus und schießen Bilder von den Leuten.
Als die Prüfung zu Ende ist und die letzten aus der Aula
gehen, entspannen wir uns auch und gehen erstmal essen. Da die Studenten weg
sind, gehört die Cafeteria uns. Nur das Personal ist da. Es ist so ruhig und
friedlich! Wir machen auch Bilder vom Personal und gehen dann zum Korrigieren.
Das Korrigieren bereitet uns sehr großen Spaß, weil viele
teilweise witzige Antworten geschrieben haben. Auf die Frage: Was hattest du
gestern Abend zu essen? Schrieb einer: Ich hatte Shahinur zum Essen. Shahinur
heißt einer der Lehrer aus Bangladesch. Hmm…
Dieser Spaß bringt aber Ärger mit sich, weil das hohe Tier,
das den Studenten die Bögen weitergibt, sich von uns veräppelt fühlt und seinen
Frust freien Lauf lässt. Er geht zum Projektmanager und verlangt zu erfahren,
was das ganze soll. Weil er sich nicht verraten kann, redet er einen
professionellen Schwachsinn daher. Unser Projektmanager meinte einfach lapidar:
Die Fragen auf den Bogen den wir dir gegeben haben, haben wir als zu schwer
empfunden und sie mit einfacheren ersetzt. Da nicht alle Fragen geändert
wurden, konnte das hohe Tier nichts dagegen sagen. Die Reihenfolge wurde
geändert um die Studenten zu verwirren und neue, einfachere Fragen kamen auf
dem neuen Bogen.
So geht dieser Tag mit einen großen Grinsen zu ende.
Prüfungsstress
Beim Notenberaten
Kollegen beim Korrigieren
Ich beim Korrigieren
Küchenpersonal
Essen!
Der Kassierer




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