Dienstag, 12. August 2014

Teil 24


Es ist Sonntagmorgen, die letzte Woche geht gerade los. Wie immer versammeln wir uns beim Bus vorm Eingang unserer Residenz. Wir haben alle gute Laune, weil der Spuck bald vorbei sein wird. Heute ist Examenstag und wir erwarten mit Spannung was in weniger als einer Stunde passieren wird. Was gemeint ist? Bei jedem Test sickerte der Testbogen durch und die Studenten wussten die Fragen am Tag vor dem Test. Zuerst dachten wir, es sei einer von uns der den Studenten die Testbögen gibt, das konnten wir leider nie beweisen, obwohl es Anzeichen dafür gibt, jedoch haben wir rausgefunden, dass einer der Manager, einer der ganz hohen Tiere ein Doppelagent ist. So haben wir ihm eine Falle gestellt. Wir haben zwei Testbögen entworfen. Den einen haben wir ans Management weitergegeben um ihn wie immer im Safe unterzubringen und den anderen haben wir mit nach Hause genommen und 200-mal ausgedruckt. Jetzt hat einer von uns diese Bögen in seiner Tasche und wird sie dann verteilen. Außerdem haben wir auch durchgeboxt dass die Studenten nicht wie üblich in ihren Klassenzimmern die Prüfung ablegen, sondern alle zusammen in einer großen Halle mit allen Lehrern und diversen Sicherheitsleuten. Außerdem müssen alle ihre Handys vorher abgeben.

Das wird ein Spaß! Wir steigen alle mit einem breiten Grinsen in den Bus ein und fahren der Morgensonne entgegen.

Als wir ankommen gehen wir wie üblich in die Küche um uns Kaffee und Tee zu machen. Dann gehen ein paar in die Aula um nach dem Rechten zu sehen und die Bögen zu verteilen. Die Sicherheitsmänner haben alles hergerichtet und warten auf uns und die Studenten. Wir gehen in die Klassenzimmer, nicht zu unseren Klassen, aber jeder zu einer anderen und warten aufs Kommando. Es kommt jemand der den Boten spielt und sagt den Lehrern dass sie jetzt mit ihrer Gruppe den Klassenraum verlassen und langsam zur Aula gehen können. Dann geht’s wie bei Häftlingen unter Begleitung von Sicherheitsleuten zur Aula. Dort steht jemand der die Studenten empfängt, ihnen die Handys abnimmt und sie zu ihren Plätzen führt. Da es etwas über 200 Leute sind, dauert es etwas bis alle da sind und an ihren Plätzen sitzen. Die Bögen werden verteilt und die Spannung steigt ins unermessliche. Jetzt passieren zwei Sachen: Auf den Gesichtern der Studenten ist der blanke Horror abzulesen und auf den Gesichtern der Lehrer breitet sich ein sehr breites Grinsen aus. Die Studenten gucken sich fassungslos gegenseitig an und wissen nicht was hier ab geht. Wir wiederum ermahnen sie sich nicht umzuschauen, sonst nehmen wir ihnen die Bögen weg und sie bekommen eine Null.

Die ersten Minuten vergehen und es dauert etwas bis die Studenten anfangen zu schreiben. Lehrer, Sicherheitsleute und sogar der Manager patrouillieren auf und ab und schauen ob jemand spickt oder mit dem Nachbarn redet. Bei Zuwiderhandlung darf er nach Hause gehen.

Etwa eine halbe Stunde später, als einige schon aufgegeben haben, andere beim Spicken oder beim Reden erwischt wurden, und der Rest über die Fragen schwitzt, nehmen ein paar Lehrer, darunter auch ich, ihre Kameras raus und schießen Bilder von den Leuten.

Als die Prüfung zu Ende ist und die letzten aus der Aula gehen, entspannen wir uns auch und gehen erstmal essen. Da die Studenten weg sind, gehört die Cafeteria uns. Nur das Personal ist da. Es ist so ruhig und friedlich! Wir machen auch Bilder vom Personal und gehen dann zum Korrigieren.

Das Korrigieren bereitet uns sehr großen Spaß, weil viele teilweise witzige Antworten geschrieben haben. Auf die Frage: Was hattest du gestern Abend zu essen? Schrieb einer: Ich hatte Shahinur zum Essen. Shahinur heißt einer der Lehrer aus Bangladesch. Hmm…

Dieser Spaß bringt aber Ärger mit sich, weil das hohe Tier, das den Studenten die Bögen weitergibt, sich von uns veräppelt fühlt und seinen Frust freien Lauf lässt. Er geht zum Projektmanager und verlangt zu erfahren, was das ganze soll. Weil er sich nicht verraten kann, redet er einen professionellen Schwachsinn daher. Unser Projektmanager meinte einfach lapidar: Die Fragen auf den Bogen den wir dir gegeben haben, haben wir als zu schwer empfunden und sie mit einfacheren ersetzt. Da nicht alle Fragen geändert wurden, konnte das hohe Tier nichts dagegen sagen. Die Reihenfolge wurde geändert um die Studenten zu verwirren und neue, einfachere Fragen kamen auf dem neuen Bogen.

So geht dieser Tag mit einen großen Grinsen zu ende.

                                Prüfungsstress




                               Beim Notenberaten

                                Kollegen beim Korrigieren



 
                                Ich beim Korrigieren




 




                                Küchenpersonal





                               Essen!

                                Der Kassierer
 

 

 

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