Donnerstag, 28. August 2014

Teil 27.1

Es ist Samstag sehr früh am Morgen. Es ist der Beginn einer sehr langen Reise. Es herrscht reges Treiben in der Residenz. Außer dem Projektmanager und zwei Lehrern die zurückbleiben, gehen alle.

Vorgestern am Donnerstag hat sich das Management mit einer kleinen Feier von uns verabschiedet. Die Manager wollten sich so bei uns für die gute Zusammenarbeit bedanken. Unser Projektmanager hat Wind davon bekommen und wollte uns nicht gehen lassen. Wir haben wieder mal nicht auf ihn gehört und sind zur Feier gegangen. Der Raum war festlich und edel geschmückt. Es gab reichlich Kaffee, Tee, Kuchen, Torte, Feigen, etc. Es wurden Ansprachen gehalten, Fotos gemacht und applaudiert. Wir bekamen auch Geschenke. Eine wunderschöne und rührende Feier.

Gestern habe ich den halben Tag verschlafen und bin erst gegen Mittag, als die Betenszeit um war, aus dem Bett gekrochen. Danach habe ich gepackt und bin mit einem der bengalischen Kollegen einkaufen gewesen, Wir wollten unbedingt was für unsere Familien kaufen. Bei mir war es Tee und Gebäck. Am Abend war ich bei den Bengalen zum Essen eingeladen. Unser letztes gemeinsames Abendmahl hatte etwas Trauriges. Bald werden wir alle in verschiedene Himmelsrichtungen ziehen und ein Wiedersehen steht in den Sternen.

Jetzt schleppen wir Koffer und Reisetaschen durch den Flur und die Treppe nach unten. Ich schaue noch einmal wehmütig in meine Wohnung ehe ich die Tür abschließe und nach unten gehen.  Draußen scheint wie jeden Tag die Sonne und es ist angenehm kühl. So langsam kommen alle mit ihrem Gepäck und wir versammeln uns vor der Residenz. Die Sicherheitsleute sind auch da und leisten uns Gesellschaft und wollen sich von uns verabschieden. Heute warten wir ausnahmsweise nicht auf dem Busfahrer, sondern auf dem Manager des Polytechnikums. Er und noch jemand sollen uns zum Busbahnhof fahren. Den Bus können wir nicht nehmen, weil unser Vertrag ausgelaufen ist und wir keinen Anspruch mehr darauf haben irgendwohin gefahren zu werden. Warum keiner Taxis bestellt hat, habe ich nicht verstanden. Jedenfalls hat sich der Manager bereit erklärt uns zu fahren. Unser Projektmanager hat, als er es erfahren hat, einen Tobsuchtsanfall bekommen und lange geschrien. Er wollte es unterbinden und uns verbieten vom Manager gefahren lassen zu werden. Er wollte, dass unser Kollege der zurückbleibt und einen internationalen Führerschein besitzt, mit dem Auto das uns zur Verfügung steht, zum Busbahnhof fährt. Da wir acht Leute mit sehr viel Gepäck sind, hätte der Kollege mehrmals hin und zurück fahren müssen.

Nun ja, wir haben wieder mal nicht auf dem Projektmanager gehört und warten jetzt auf dem Manager der gerade um die Kurve biegt. Er kommt mit einem weißen Pick-Up mit großer Ladefläche. Wir verladen unser ganzes Gepäck und vier nehmen im Auto Platz. Die restlichen Kollegen fahren mit dem Kollegen der zurückbleibt.

Am Busbahnhof entladen wir den Pick-Up und der Manager besorgt uns die Fahrscheine nach Rafha, von wo wir in den Flieger nach Riad steigen werden. Die Busfahrt quer durch die arabische Wüste soll 3,5 Stunden dauern. Dann verabschieden wir uns von ihm herzlich und warten auf den Bus. Der Bus kommt mit Verspätung, wer weiß woher. Als wir einsteigen sehen wir, dass nur eine handvoll Leute im Bus sind. Wir verteilen uns im ganzen Bus und machen es uns bequem. Dann kommt einer der zwei Busfahrer und verlangt nach unseren Fahrkarten. Der britische Kollege versteht nicht was man von ihm verlangt und zeigt sein Ticket nicht her. Der Busfahrer will ihm ein Ticket verkaufen, darauf kommt es zum Missverständnis und der Fahrer/Kontrolleur wird ruppig. Das fängt ja gut an! Da es noch sehr früh am Morgen ist, nicken alle ein. Im Bus gibt es zwei Fernseher auf denen eine BBC Tierdokumentation läuft. Englisch original mit Arabischen Untertiteln. Ich schaue eine Zeitlang aus dem Fenster und fühle mich von der Wüste magisch angezogen. Soweit das Auge reicht gibt es nichts als Wüste. Ab und zu kommen wir an Schaf- und Kamelherden vorbei und irgendwann erscheint eine Ölpipeline entlang der Autobahn. Ich mache ein paar Bilder und vertiefe mich in Gedanken.

Es war eine schöne und intensive Zeit und Erfahrung. Nicht immer schön, manchmal schwierig und zum kotzen, aber im Großen und Ganzen eine sehr interessante Erfahrung. Es hat sich mir eine völlig andere und neue Welt eröffnet. Eine orientalische Welt in der so manches anders läuft als bei uns. Ja, lieber Franz-Josef, auch hier laufen die Uhren anders, nicht nur zuhause in Bayern.

Ich bin es gewöhnt ein Ausländer oder unter Ausländern zu sein, hier gehöre ich jedoch einer Minorität an. Ab und zu komme ich mir vor wie Nina Hoss in „Die weiße Massai“. Sie ist ja die einzige Weiße unter den Afrikanern. Hier bin ich einer der ganz wenigen Weißen unter den Arabern, Afrikanern und Asiaten. Was mir nicht fremd ist, ist mit Afrikanern und Asiaten zusammenzuarbeiten. Als Student in Hull, hatte ich Kollegen und Vorgesetzte jeglicher Couleur. Das hatte ich irgendwie vermisst. Man lernt so viel über andere Völker, Länder, Traditionen, Religionen, etc. und man lernt viel über sich kennen.

Schöne Bilder jagen mir durch den Kopf, sowie ein paar traurige und weniger schöne. All der Zoff, Ärger und Streit mit unserem Projektmanager scheint auf einmal weit weg zu sein. Vom Wüstenwind weit vertrieben Richtung Empty Quarter. Da soll er auch hin. Der Ärger, der Projektmanager. Wüstenwind, blas alle weg, weg von uns auf Nimmerwiedersehen!

Schöne Bilder sind die mit meinen Kollegen als wir mit dem Auto durch die Gegend fuhren, zum Einkaufen, Spazieren oder Picknicken gingen, zusammen kochten und aßen, und lange Gespräche führten. Meine Radltouren durch die Stadt, meine einsamen Spaziergänge, die Farben beim Sonnenauf- und Untergang, die klare Luft und die Lässigkeit der Araber. Ausnahmslos alle waren freundlich und hilfsbereit. Ich wurde von der lokalen Bevölkerung im Auto durch die Gegend kutschiert, musste in Cafes und Restaurants weniger oder gar nichts bezahlen, die Leute haben sich mit mir fotografieren lassen oder haben Fotos von mir gemacht, hießen mich herzlich willkommen und das Highlight schlechthin war die Hochzeitsfeier. Ein Ereignis das mir ewig in Erinnerung bleiben wird.

                                                 Meine Wohnung








                                Die Abschiedsfeier







                                Am Busbahnhof



                                Alles ruhig im Bus

                                            Ein Bengale schläft
 
 
Ich, auf der Rückbank eines Autos in dem mich zwei Araber nach Hause gefahren haben. Auf einmal drehte sich einer um und machte diesen Schnappschuss.

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