Vorgestern am Donnerstag hat sich das Management mit einer
kleinen Feier von uns verabschiedet. Die Manager wollten sich so bei uns für
die gute Zusammenarbeit bedanken. Unser Projektmanager hat Wind davon bekommen
und wollte uns nicht gehen lassen. Wir haben wieder mal nicht auf ihn gehört
und sind zur Feier gegangen. Der Raum war festlich und edel geschmückt. Es gab
reichlich Kaffee, Tee, Kuchen, Torte, Feigen, etc. Es wurden Ansprachen
gehalten, Fotos gemacht und applaudiert. Wir bekamen auch Geschenke. Eine
wunderschöne und rührende Feier.
Gestern habe ich den halben Tag verschlafen und bin erst
gegen Mittag, als die Betenszeit um war, aus dem Bett gekrochen. Danach habe
ich gepackt und bin mit einem der bengalischen Kollegen einkaufen gewesen, Wir
wollten unbedingt was für unsere Familien kaufen. Bei mir war es Tee und
Gebäck. Am Abend war ich bei den Bengalen zum Essen eingeladen. Unser letztes
gemeinsames Abendmahl hatte etwas Trauriges. Bald werden wir alle in
verschiedene Himmelsrichtungen ziehen und ein Wiedersehen steht in den Sternen.
Jetzt schleppen wir Koffer und Reisetaschen durch den Flur
und die Treppe nach unten. Ich schaue noch einmal wehmütig in meine Wohnung
ehe ich die Tür abschließe und nach unten gehen. Draußen scheint wie jeden Tag die Sonne und es ist
angenehm kühl. So langsam kommen alle mit ihrem Gepäck und wir versammeln uns
vor der Residenz. Die Sicherheitsleute sind auch da und leisten uns
Gesellschaft und wollen sich von uns verabschieden. Heute warten wir
ausnahmsweise nicht auf dem Busfahrer, sondern auf dem Manager des
Polytechnikums. Er und noch jemand sollen uns zum Busbahnhof fahren. Den Bus
können wir nicht nehmen, weil unser Vertrag ausgelaufen ist und wir keinen
Anspruch mehr darauf haben irgendwohin gefahren zu werden. Warum keiner Taxis
bestellt hat, habe ich nicht verstanden. Jedenfalls hat sich der Manager bereit
erklärt uns zu fahren. Unser Projektmanager hat, als er es erfahren hat, einen
Tobsuchtsanfall bekommen und lange geschrien. Er wollte es unterbinden und uns
verbieten vom Manager gefahren lassen zu werden. Er wollte, dass unser Kollege
der zurückbleibt und einen internationalen Führerschein besitzt, mit dem Auto
das uns zur Verfügung steht, zum Busbahnhof fährt. Da wir acht Leute mit sehr
viel Gepäck sind, hätte der Kollege mehrmals hin und zurück fahren müssen.
Nun ja, wir haben wieder mal nicht auf dem Projektmanager
gehört und warten jetzt auf dem Manager der gerade um die Kurve biegt. Er kommt
mit einem weißen Pick-Up mit großer Ladefläche. Wir verladen unser ganzes
Gepäck und vier nehmen im Auto Platz. Die restlichen Kollegen fahren mit dem
Kollegen der zurückbleibt.
Am Busbahnhof entladen wir den Pick-Up und der Manager
besorgt uns die Fahrscheine nach Rafha, von wo wir in den Flieger nach Riad
steigen werden. Die Busfahrt quer durch die arabische Wüste soll 3,5 Stunden
dauern. Dann verabschieden wir uns von ihm herzlich und warten auf den Bus. Der
Bus kommt mit Verspätung, wer weiß woher. Als wir einsteigen sehen wir, dass nur
eine handvoll Leute im Bus sind. Wir verteilen uns im ganzen Bus und machen es
uns bequem. Dann kommt einer der zwei Busfahrer und verlangt nach unseren
Fahrkarten. Der britische Kollege versteht nicht was man von ihm verlangt und
zeigt sein Ticket nicht her. Der Busfahrer will ihm ein Ticket verkaufen,
darauf kommt es zum Missverständnis und der Fahrer/Kontrolleur wird ruppig. Das
fängt ja gut an! Da es noch sehr früh am Morgen ist, nicken alle ein. Im Bus
gibt es zwei Fernseher auf denen eine BBC Tierdokumentation läuft. Englisch
original mit Arabischen Untertiteln. Ich schaue eine Zeitlang aus dem Fenster
und fühle mich von der Wüste magisch angezogen. Soweit das Auge reicht gibt es
nichts als Wüste. Ab und zu kommen wir an Schaf- und Kamelherden vorbei und
irgendwann erscheint eine Ölpipeline entlang der Autobahn. Ich mache ein paar
Bilder und vertiefe mich in Gedanken.
Es war eine schöne und intensive Zeit und Erfahrung. Nicht
immer schön, manchmal schwierig und zum kotzen, aber im Großen und Ganzen eine
sehr interessante Erfahrung. Es hat sich mir eine völlig andere und neue Welt
eröffnet. Eine orientalische Welt in der so manches anders läuft als bei uns.
Ja, lieber Franz-Josef, auch hier laufen die Uhren anders, nicht nur zuhause in
Bayern.
Ich bin es gewöhnt ein Ausländer oder unter Ausländern zu
sein, hier gehöre ich jedoch einer Minorität an. Ab und zu komme ich mir vor
wie Nina Hoss in „Die weiße Massai“. Sie ist ja die einzige Weiße unter den
Afrikanern. Hier bin ich einer der ganz wenigen Weißen unter den Arabern,
Afrikanern und Asiaten. Was mir nicht fremd ist, ist mit Afrikanern und Asiaten
zusammenzuarbeiten. Als Student in Hull, hatte ich Kollegen und Vorgesetzte
jeglicher Couleur. Das hatte ich irgendwie vermisst. Man lernt so viel über andere
Völker, Länder, Traditionen, Religionen, etc. und man lernt viel über sich
kennen.
Schöne Bilder jagen mir durch den Kopf, sowie ein paar
traurige und weniger schöne. All der Zoff, Ärger und Streit mit unserem
Projektmanager scheint auf einmal weit weg zu sein. Vom Wüstenwind weit
vertrieben Richtung Empty Quarter. Da soll er auch hin. Der Ärger, der
Projektmanager. Wüstenwind, blas alle weg, weg von uns auf Nimmerwiedersehen!
Schöne Bilder sind die mit meinen Kollegen als wir mit dem
Auto durch die Gegend fuhren, zum Einkaufen, Spazieren oder Picknicken gingen,
zusammen kochten und aßen, und lange Gespräche führten. Meine Radltouren durch
die Stadt, meine einsamen Spaziergänge, die Farben beim Sonnenauf- und
Untergang, die klare Luft und die Lässigkeit der Araber. Ausnahmslos alle waren
freundlich und hilfsbereit. Ich wurde von der lokalen Bevölkerung im Auto durch
die Gegend kutschiert, musste in Cafes und Restaurants weniger oder gar nichts
bezahlen, die Leute haben sich mit mir fotografieren lassen oder haben Fotos
von mir gemacht, hießen mich herzlich willkommen und das Highlight schlechthin
war die Hochzeitsfeier. Ein Ereignis das mir ewig in Erinnerung bleiben wird.
Meine Wohnung
Die Abschiedsfeier
Am Busbahnhof
Alles ruhig im Bus
Ein Bengale schläft
Ich, auf der Rückbank eines Autos in dem mich zwei Araber nach Hause gefahren haben. Auf einmal drehte sich einer um und machte diesen Schnappschuss.



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