Dienstag, 19. August 2014

Teil 25


Am Montag haben wir den ganzen Tag mit Korrigieren und Noten vergeben verbracht. Über 200 Prüfungsbögen mussten überprüft werden. So richtig fertig geworden sind wir nicht. Deswegen mussten wir am Dienstag weitermachen. So gegen Mittag waren wir endlich fertig. Dann mussten wir auf unseren Busfahrer warten. Bis dahin haben wir uns die Zeit mit viel Spaß vertrödelt.

Am späten Nachmittag ging ich mit meinen ägyptischen und einen der bengalischen Kollegen in die Stadt. Zum letzten Gebet des Tages gingen wir in eine der großen Moscheen. Ich blieb wie üblich draußen auf dem Parkplatz, hörte dem Imam zu und betrachtete den Abendhimmel. In ein paar Tagen werden wir hier weg sein. Wahnsinn wie die Zeit vergeht! Was bleibt ist ein Haufen Erinnerungen. Gute wie weniger gute. Jedenfalls ist/war es für mich eine sehr große Erfahrung. Eine Erfahrung die mich verändert hat.

Ich bin immer noch gedankenverloren und schaue in den Abendhimmel und merke nicht wie meine Kollegen auf einmal neben mir stehen. »Tee?« Fragt einer der beiden. Klar! Wir fahren ins Zentrum und parken vorm Restaurant Safa. Dort wo ich dem Teemeister über die Schulter schauen darf. Ich bestelle für alle drei einen Becher, nehmen uns dazu noch drei Flaschen Wasser und setzen uns hin. Am Nachbartisch sitzt ein Vater mit vier kleinen Kindern. Die Kinder schauen mich an und kleben mit ihren Blicken an mir fest. Der Vater ermahnt sie nicht so zu glotzen, aber sie hören nicht auf ihm. Ich lächle denen zu und sage etwas auf Englisch. Die kleinen gucken mich verwirrt an und fangen zu lachen an.

Als wir gehen wollen, gehe ich zur Kasse. Da ist grad die Hölle los. Auf einmal kommt ein Araber daher und fragt mich was ich möchte. Ich sage ihm, dass ich gerne zahlen möchte. Da er es nicht versteht, fragt er noch mal. Ich sage ihm dasselbe und wedle mit den Scheinen. Da kapiert er und fragt was wir gehabt haben. Er lädt uns ein. Super! Danke!

Als ich rauskomme zu meinen Kollegen, sagt der Bengale: »Das ging aber schnell!« »Ja«, erwidere ich, und das Beste ist, wir wurden eingeladen. »Mist! « sagt er. »Schade, dass wir nicht gegessen haben!«

Dann gehen wir eine Weile spazieren. Da ich noch eine Handcreme brauche gehen wir zur Gegend mit den Frauen und Kindergeschäften. Irgendwann meint der Ägypter: »Sieh nur an wie die Frauen dich anschauen! Weiß und groß müsste man sein!« Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich angestarrt werde. Als ich mich umdrehe und in Richtung einer Frauengruppe schaue, schauen die verstohlen und kichernd weg.

Für heute Mittwoch ist eine Schulfeier angesagt. Einige Studenten haben einen Monat lang etwas vorbereitet und heute ist ihr großer Tag. Abschlussfeier in der Aula. Ich mache mir einen Spaß und erscheine im Araberkostüm. Frühmorgens komme ich die Treppe als Araber gekleidet herunter. Die Sicherheitsmänner freuen sich riesig und wollen sich mit mir fotografieren lassen. Dann warten wir draußen in der Morgensonne auf den Busfahrer. Als er kommt und mich sieht, grüßt er mich herzlich. Als der Projektmanager kommt, schüttelt er den Kopf und sagt etwas Abschätziges. Mir ist es egal. In drei Tagen werden wir hier weg sein und wir werden ihn nie wiedersehen. Ich habe heute gute Laune und die wir er mir nicht nehmen.

Als wir am Polytechnikum ankommen, geht der Spaß weiter. Die Sicherheitsleute kommen zu mir und es werden Handys gezückt. Jeder will ein Foto von und mit mir. Dann gehe ich rüber zum Unterrichtsgebäude. Als mich die Studenten sehen flippen sie aus. Dann gehen wir durch sämtliche Räume und machen sehr viele Fotos. Danach besuche ich das Management. Ich gehe von Büro zu Büro und alle sind sehr herzlich, erstaunt und erfreut. Nur unser Projektmanager tobt. Da mein Gewand etwas knittrig ist, nehmen es mir ein paar Studenten ab und bringen es irgendwohin zum Bügeln. Pünktlich zur Feier sind sie wieder da und helfen mir es anzuziehen.

Einer der bengalischen Kollegen soll den Showmaster machen. Er geht auf die Bühne, sagt ein paar Worte, bittet die ersten auf die Bühne zu kommen und kommt zu mir und bittet mich weiterzumachen, weil er Lampenfieber hat. Das kommt jetzt plötzlich. Er drückt mir das Programm in die Hand und meint ich solle alle nacheinander auf die Bühne rufen, das ist alles. Mich freut es. Heute bin ich besonders gut drauf. Nach dem ersten Act, steige ich auf die Bühne und jazze die Show auf. Irgendwann erscheint auch unser Projektmanager im Publikum. Ich wundere mich was er hier macht. Er war gegen diese Feier und jetzt sitzt er ganz hinten neben seinen Schleimern. Er sieht mich mit Abscheu an. Da ich das merke, denke ich mir: »Dir werde ich es jetzt zeigen!«

Irgendwann mitten in der Show, sage ich ein paar Worte über meine Erfahrung hier bei SMP, in Ar’ar und im Land. Dann fällt der Satz: »Man kann als Ausländer das Land nicht verändern, Saudi verändert einen, so hat mich dieses wunderbare Land verändert und meinen Horizont erweitert. Danke euch allen!«

Mein Blick schweift übers Publikum und landet beim Projektmanager. Er schüttelt voller Abscheu, Ekel und angewidert vom Gehörten den Kopf. Mir macht’s einen Heidenspaß und ich mache weiter mit der Show. Krönung der Show ist als ein paar Studenten ein Lied A-Capella vortragen. Der ganze Saal ist gerührt und danach gibt es Standing Ovations. Das hat mein ägyptischer Kollege super hingekriegt. Bravo!

Als die Feier zu Ende geht, heißt es Abschied nehmen. Die Studenten werden wir nicht mehr wiedersehen und unser ägyptischer Kollege fliegt schon heute Abend. Ein schöner und freudiger Tag nimmt eine traurige Wendung. Aber so ist es nun mal im Leben. Ein Kommen und Gehen. Man kommt zusammen, bindet sich und einige Zeit später nimmt man Abschied. Leider! Es ist ein komisches Gefühl. Wir umarmen uns mit den Studenten, machen noch Bilder und dann sind sie weg. Wir bleiben noch zum Essen und müssen noch auf dem Busfahrer warten. Die Fahrt nach Hause hat etwas Trauriges. Nur unser Projektmanager tobt. Es geht darum, dass es morgen eine Abschiedsfeier vom und mit dem Management geben soll. Das Management will sich bei uns mit einer kleinen Feier für die gute Zusammenarbeit bedanken. Unser Projektmanager ist dagegen und will nicht, dass wir hingehen. Er droht und warnt uns und verlangt von uns nicht hinzugehen. Wir aber haben uns schon abgesprochen und beschlossen hinzugehen. Ich höre wie immer Musik auf volle Pulle um mir das Geschrei nicht anzutun.

Als wir zu Hause ankommen, verschwinden wir ganz schnell in unsere Wohnungen und auf einmal herrscht Ruhe. Erst später trauen sich einige langsam und lautlos aus ihren Wohnungen raus. Wir wollen runter ins Erdgeschoß zum Ägypter und müssen an der geöffneten Wohnungstür des Projektmanagers vorbei. Als ich vorbeihusche, sehe ich wie er schläft. Die Luft ist rein. Endlich!
 











Hier ist das Lied im Original (öffnet im neuen Fenster)
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen