Am Montag haben wir den ganzen Tag mit Korrigieren und Noten
vergeben verbracht. Über 200 Prüfungsbögen mussten überprüft werden. So richtig
fertig geworden sind wir nicht. Deswegen mussten wir am Dienstag weitermachen.
So gegen Mittag waren wir endlich fertig. Dann mussten wir auf unseren
Busfahrer warten. Bis dahin haben wir uns die Zeit mit viel Spaß vertrödelt.
Am späten Nachmittag ging ich mit meinen ägyptischen und
einen der bengalischen Kollegen in die Stadt. Zum letzten Gebet des Tages
gingen wir in eine der großen Moscheen. Ich blieb wie üblich draußen auf dem
Parkplatz, hörte dem Imam zu und betrachtete den Abendhimmel. In ein paar Tagen
werden wir hier weg sein. Wahnsinn wie die Zeit vergeht! Was bleibt ist ein
Haufen Erinnerungen. Gute wie weniger gute. Jedenfalls ist/war es für mich eine
sehr große Erfahrung. Eine Erfahrung die mich verändert hat.
Ich bin immer noch gedankenverloren und schaue in den
Abendhimmel und merke nicht wie meine Kollegen auf einmal neben mir stehen.
»Tee?« Fragt einer der beiden. Klar! Wir fahren ins Zentrum und parken vorm
Restaurant Safa. Dort wo ich dem Teemeister über die Schulter schauen darf. Ich
bestelle für alle drei einen Becher, nehmen uns dazu noch drei Flaschen Wasser
und setzen uns hin. Am Nachbartisch sitzt ein Vater mit vier kleinen Kindern.
Die Kinder schauen mich an und kleben mit ihren Blicken an mir fest. Der Vater
ermahnt sie nicht so zu glotzen, aber sie hören nicht auf ihm. Ich lächle denen
zu und sage etwas auf Englisch. Die kleinen gucken mich verwirrt an und fangen
zu lachen an.
Als wir gehen wollen, gehe ich zur Kasse. Da ist grad die
Hölle los. Auf einmal kommt ein Araber daher und fragt mich was ich möchte. Ich
sage ihm, dass ich gerne zahlen möchte. Da er es nicht versteht, fragt er noch
mal. Ich sage ihm dasselbe und wedle mit den Scheinen. Da kapiert er und fragt
was wir gehabt haben. Er lädt uns ein. Super! Danke!
Als ich rauskomme zu meinen Kollegen, sagt der Bengale: »Das
ging aber schnell!« »Ja«, erwidere ich, und das Beste ist, wir wurden
eingeladen. »Mist! « sagt er. »Schade, dass wir nicht gegessen haben!«
Dann gehen wir eine Weile spazieren. Da ich noch eine
Handcreme brauche gehen wir zur Gegend mit den Frauen und Kindergeschäften. Irgendwann
meint der Ägypter: »Sieh nur an wie die Frauen dich anschauen! Weiß und groß
müsste man sein!« Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich angestarrt werde. Als
ich mich umdrehe und in Richtung einer Frauengruppe schaue, schauen die verstohlen
und kichernd weg.
Für heute Mittwoch ist eine Schulfeier angesagt. Einige
Studenten haben einen Monat lang etwas vorbereitet und heute ist ihr großer
Tag. Abschlussfeier in der Aula. Ich mache mir einen Spaß und erscheine im
Araberkostüm. Frühmorgens komme ich die Treppe als Araber gekleidet herunter.
Die Sicherheitsmänner freuen sich riesig und wollen sich mit mir fotografieren
lassen. Dann warten wir draußen in der Morgensonne auf den Busfahrer. Als er
kommt und mich sieht, grüßt er mich herzlich. Als der Projektmanager kommt,
schüttelt er den Kopf und sagt etwas Abschätziges. Mir ist es egal. In drei
Tagen werden wir hier weg sein und wir werden ihn nie wiedersehen. Ich habe
heute gute Laune und die wir er mir nicht nehmen.
Als wir am Polytechnikum ankommen, geht der Spaß weiter. Die
Sicherheitsleute kommen zu mir und es werden Handys gezückt. Jeder will ein
Foto von und mit mir. Dann gehe ich rüber zum Unterrichtsgebäude. Als mich die
Studenten sehen flippen sie aus. Dann gehen wir durch sämtliche Räume und
machen sehr viele Fotos. Danach besuche ich das Management. Ich gehe von Büro
zu Büro und alle sind sehr herzlich, erstaunt und erfreut. Nur unser
Projektmanager tobt. Da mein Gewand etwas knittrig ist, nehmen es mir ein paar
Studenten ab und bringen es irgendwohin zum Bügeln. Pünktlich zur Feier sind
sie wieder da und helfen mir es anzuziehen.
Einer der bengalischen Kollegen soll den Showmaster machen.
Er geht auf die Bühne, sagt ein paar Worte, bittet die ersten auf die Bühne zu
kommen und kommt zu mir und bittet mich weiterzumachen, weil er Lampenfieber
hat. Das kommt jetzt plötzlich. Er drückt mir das Programm in die Hand und
meint ich solle alle nacheinander auf die Bühne rufen, das ist alles. Mich
freut es. Heute bin ich besonders gut drauf. Nach dem ersten Act, steige ich
auf die Bühne und jazze die Show auf. Irgendwann erscheint auch unser
Projektmanager im Publikum. Ich wundere mich was er hier macht. Er war gegen
diese Feier und jetzt sitzt er ganz hinten neben seinen Schleimern. Er sieht
mich mit Abscheu an. Da ich das merke, denke ich mir: »Dir werde ich es jetzt
zeigen!«
Irgendwann mitten in der Show, sage ich ein paar Worte über
meine Erfahrung hier bei SMP, in Ar’ar und im Land. Dann fällt der Satz: »Man
kann als Ausländer das Land nicht verändern, Saudi verändert einen, so hat mich
dieses wunderbare Land verändert und meinen Horizont erweitert. Danke euch
allen!«
Mein Blick schweift übers Publikum und landet beim
Projektmanager. Er schüttelt voller Abscheu, Ekel und angewidert vom Gehörten
den Kopf. Mir macht’s einen Heidenspaß und ich mache weiter mit der Show.
Krönung der Show ist als ein paar Studenten ein Lied A-Capella vortragen. Der
ganze Saal ist gerührt und danach gibt es Standing Ovations. Das hat mein
ägyptischer Kollege super hingekriegt. Bravo!
Als die Feier zu Ende geht, heißt es Abschied nehmen. Die
Studenten werden wir nicht mehr wiedersehen und unser ägyptischer Kollege
fliegt schon heute Abend. Ein schöner und freudiger Tag nimmt eine traurige
Wendung. Aber so ist es nun mal im Leben. Ein Kommen und Gehen. Man kommt
zusammen, bindet sich und einige Zeit später nimmt man Abschied. Leider! Es ist
ein komisches Gefühl. Wir umarmen uns mit den Studenten, machen noch Bilder und
dann sind sie weg. Wir bleiben noch zum Essen und müssen noch auf dem Busfahrer
warten. Die Fahrt nach Hause hat etwas Trauriges. Nur unser Projektmanager
tobt. Es geht darum, dass es morgen eine Abschiedsfeier vom und mit dem
Management geben soll. Das Management will sich bei uns mit einer kleinen Feier
für die gute Zusammenarbeit bedanken. Unser Projektmanager ist dagegen und will
nicht, dass wir hingehen. Er droht und warnt uns und verlangt von uns nicht
hinzugehen. Wir aber haben uns schon abgesprochen und beschlossen hinzugehen.
Ich höre wie immer Musik auf volle Pulle um mir das Geschrei nicht anzutun.
Als wir zu Hause ankommen, verschwinden wir ganz schnell in
unsere Wohnungen und auf einmal herrscht Ruhe. Erst später trauen sich einige
langsam und lautlos aus ihren Wohnungen raus. Wir wollen runter ins Erdgeschoß
zum Ägypter und müssen an der geöffneten Wohnungstür des Projektmanagers vorbei.
Als ich vorbeihusche, sehe ich wie er schläft. Die Luft ist rein. Endlich!
Hier ist das Lied im Original (öffnet im neuen Fenster)











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