Sonntag, 13. Juli 2014

Teil 21

Nach den erfolgreichen Verhandlungen, bin ich sehr froh, dass ich mir beim Kauf des iPhones und der Schutzfolie einiges gespart habe. Meinen Kollegen hat es auch Spaß gemacht und freuen sich mit mir. Nach all dem Hin und Her haben wir Hunger bekommen. Wo sollen wir etwas essen gehen? Wieder zu ‚Safa’ oder eines der anderen Restaurants in denen wir öfters gehen? Das Handy des Ägypters schlägt Alarm und ein paar Sekunden später hört man die Muezzins auf ihren Minaretten die Gläubigen rufen. Also müssen wir aufs Essen noch etwas warten. Da die beiden Kollegen, ein Ägypter und ein Bengali, die Moscheen im Zentrum nicht so sehr bevorzugen, fahren wir mit dem Auto zu einer größeren und schöneren etwas außerhalb. Da waren wir schon öfters und es gibt auch ein schönes und gutes Restaurant zwei Ecken weiter.

Wir parken auf dem Parkplatz, steigen aus, gehen zum Waschraum, zuerst die Kollegen und dann ich. Als wir rein kommen sehe ich, dass der Waschraum dieser Moschee viel größer und schöner ist als in so manch anderer Moschee im Zentrum. Wir waren zwar schon öfters hier, aber ich war noch nie im Waschraum. Da es noch wenige Minuten bis zur Betenszeit sind, herrscht hier reger Betrieb. Als mich die Männer in den Waschraum eintreten sehen, bleiben einige kurz stehen und betrachten mich als sei ich eine Erscheinung aus einer anderen Welt. Was ich auch bin. Und plötzlich fühle ich mich wieder wie Sting neben Cheb Mami im Videoclip ‚Desert Rose’. Ein großer Weißer inmitten kleinwüchsiger Araber. Die Männer lächeln und ich lächle zurück, ich grüße und sie grüßen zurück. Andere drehen sich gar nicht um und konzentrieren sich aufs Waschen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt angestarrt zu werden. Obwohl es sich in der Stadt herumgesprochen hat, dass ein paar wenige Weiße hier leben, fühle ich mich manchmal wie eine Attraktion. Gott sei dank muss ich sagen, hatte ich bis jetzt keine negativen Erfahrungen gehabt. Die Leute starren einen an, nicht aus Rassismus, sondern, weil sie es nicht erwarten einen Weißen in einer Stadt mitten in der Wüste zu sehen und schon gar nicht in einer Moschee. Während ich aufs Klo gehe, reinigen sich meine Kollegen und gehen nebenan in die Moschee zum Beten. Ich warte währenddessen draußen auf dem Parkplatz und genieße den blauen Himmel und die klare und trockene Luft. Es kommen noch ein paar Autos, leicht verspätet, die Türen gehen auf und hinaus springen Männer, Frauen und Kinder die zu verschiedenen Eingängen laufen. Manche Kinder gehen mit den Müttern, manche mit den Vätern.

Jede Moschee ist in zwei Teilen unterteilt. In einem Teil sind die Männer, im anderen die Frauen. Die Frauen sehen den Imam nicht, hören ihn aber. Leider ist mir als Mann nicht erlaubt in den Frauenbereich zu gehen, auch außerhalb der Betenszeit nicht. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es dort genauso aussieht wie bei den Männern. Das konnte ich sogar feststellen. In einer der größeren Moscheen, war als ich dort war, gerade die Putzkolonne am Werk und die Verbindungstür stand offen, so konnte ich einen Blick rein werfen. Kein Unterschied zur Männerseite. Derselbe Teppich, dieselbe Deko.

Als die Betenszeit um ist kommen all die Gläubigen mit einem breiten Lächeln im Gesicht raus. Jeder geht zu seinen paar Schuhe und danach zum Auto. Ich wundere mich wie man bei, gerade am Freitag, den hunderten paar Schuhe, sein Paar finden kann. Manche Moscheen haben Schuhschränke, da kann man sich merken wo man seine gelassen hat, aber die meisten Leute lassen ihre Schuhe einfach vorm Eingang. Meine ADIDAS Treter sind in Ar’ar wahrscheinlich einzigartig, so kann ich sie leicht finden, aber bei den anderen? Hmm… Innerhalb weniger Minuten ist der Parkplatz leer und auch wir fahren weg.

Ganz in der Nähe ist ein Gemüsemarkt. Dort wird auch allerhand anderes Zeug verkauft, wie Kaffee, Zucker, Mais, Blumen, Mehl, Kräuter, Gewürze und Obst. Es sind verschiedene Hallen nebeneinander aufgereiht mit massenweise Parkplätzen davor. Wir gehen in einen Laden rein und schauen uns das Obst an. Wir entdecken Blutorangen und wollen welche haben. Der Ladenbesitzer kommt dazu und fängt ein Gespräch mit uns an. Er bietet uns sogar eine zu probieren bevor wir kaufen. Was wir auch machen. Da nirgendwo Preise stehen, frage ich nach dem Kilopreis. Als Antwort kommt 30 Rial die Kiste (umgerechnet 6 Euro). Alles wird in Kisten und nicht in Kilos verkauft. Wie viel da drin ist, möchte ich wissen. Der Meister zuckt mit den Schultern und meint er wisse es nicht. Sechs Kilo vielleicht? Mist! Was sollen wir mit so vielen Blutorangen machen? Kiloweise möchte der Meister auf keinen Fall verkaufen. Der bengalische Kollege will keine haben. Während ich mit dem ägyptischen Kollegen rede und darüber beraten ob wir uns eine Kiste teilen sollen, spricht der Bengale mit dem Ladenbesitzer. Irgendwann dreht sich der Bengale zu uns um und meint:

„Wenn ihr eine Kiste kaufen wollt, die ist jetzt günstiger geworden.“

„Bitte?“

„Ich habe ihn auf 25 Rial runtergehandelt.“

„Super! Dann nehmen wir eine!“

Während ich bezahle schickt der Ladenbesitzer einen Jungen um die Kiste zum Auto zu transportieren. Danach fahren wir zu einem türkischen Restaurant. Es soll eines der teuersten in der Stadt sein und befindet sich gleich neben dem teuersten Hotel der Stadt. Als wir rein gehen und uns der Besitzer sieht, begrüßt er uns ganz herzlich. Er schaut mich die ganze Zeit intensiv an und fängt ein Gespräch mit mir an. Wir setzen uns draußen auf die Terrasse und werden von Bengalen bedient. Wir bestellen so einiges und die Ober kommen und gehen. Ab und zu kommen sie und setzen sich dazu und reden mit dem Kollegen, ihren Landsmann. Auch der Restaurantbesitzer gesellt sich kurz dazu und wir stellen uns gegenseitig Fragen. Als die Rechnung kommt, stellen wir verblüfft fest wie wenig wir bezahlen müssen. Hierbei muss erwähnt werden, dass ein paar Sachen aufs Haus gehen. 1. wegen dem bengalischen Kollegen und 2. wegen mir. Als Weißer hat man gewisse Vorteile in diesem Teil der Welt. Da ich bezahle, gebe ich auch, für Saudi, ein gutes Trinkgeld.

Als wir zu Hause ankommen ist es schon dunkel. Ich gehe in mein Schlafzimmer, schaue aus dem Fenster und werde mit dieser Aussicht belohnt:






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