Wir parken auf dem Parkplatz, steigen aus, gehen zum
Waschraum, zuerst die Kollegen und dann ich. Als wir rein kommen sehe ich, dass
der Waschraum dieser Moschee viel größer und schöner ist als in so manch
anderer Moschee im Zentrum. Wir waren zwar schon öfters hier, aber ich war noch
nie im Waschraum. Da es noch wenige Minuten bis zur Betenszeit sind, herrscht
hier reger Betrieb. Als mich die Männer in den Waschraum eintreten sehen,
bleiben einige kurz stehen und betrachten mich als sei ich eine Erscheinung aus
einer anderen Welt. Was ich auch bin. Und plötzlich fühle ich mich wieder wie
Sting neben Cheb Mami im Videoclip ‚Desert Rose’. Ein großer Weißer inmitten
kleinwüchsiger Araber. Die Männer lächeln und ich lächle zurück, ich grüße und
sie grüßen zurück. Andere drehen sich gar nicht um und konzentrieren sich aufs
Waschen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt angestarrt zu werden. Obwohl
es sich in der Stadt herumgesprochen hat, dass ein paar wenige Weiße hier
leben, fühle ich mich manchmal wie eine Attraktion. Gott sei dank muss ich
sagen, hatte ich bis jetzt keine negativen Erfahrungen gehabt. Die Leute
starren einen an, nicht aus Rassismus, sondern, weil sie es nicht erwarten
einen Weißen in einer Stadt mitten in der Wüste zu sehen und schon gar nicht in
einer Moschee. Während ich aufs Klo gehe, reinigen sich meine Kollegen und
gehen nebenan in die Moschee zum Beten. Ich warte währenddessen draußen auf dem
Parkplatz und genieße den blauen Himmel und die klare und trockene Luft. Es
kommen noch ein paar Autos, leicht verspätet, die Türen gehen auf und hinaus
springen Männer, Frauen und Kinder die zu verschiedenen Eingängen laufen.
Manche Kinder gehen mit den Müttern, manche mit den Vätern.
Jede Moschee ist in zwei Teilen unterteilt. In einem Teil
sind die Männer, im anderen die Frauen. Die Frauen sehen den Imam nicht, hören
ihn aber. Leider ist mir als Mann nicht erlaubt in den Frauenbereich zu gehen,
auch außerhalb der Betenszeit nicht. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es
dort genauso aussieht wie bei den Männern. Das konnte ich sogar feststellen. In
einer der größeren Moscheen, war als ich dort war, gerade die Putzkolonne am
Werk und die Verbindungstür stand offen, so konnte ich einen Blick rein werfen.
Kein Unterschied zur Männerseite. Derselbe Teppich, dieselbe Deko.
Als die Betenszeit um ist kommen all die Gläubigen mit einem
breiten Lächeln im Gesicht raus. Jeder geht zu seinen paar Schuhe und danach
zum Auto. Ich wundere mich wie man bei, gerade am Freitag, den hunderten paar
Schuhe, sein Paar finden kann. Manche Moscheen haben Schuhschränke, da kann man
sich merken wo man seine gelassen hat, aber die meisten Leute lassen ihre
Schuhe einfach vorm Eingang. Meine ADIDAS Treter sind in Ar’ar wahrscheinlich
einzigartig, so kann ich sie leicht finden, aber bei den anderen? Hmm…
Innerhalb weniger Minuten ist der Parkplatz leer und auch wir fahren weg.
Ganz in der Nähe ist ein Gemüsemarkt. Dort wird auch
allerhand anderes Zeug verkauft, wie Kaffee, Zucker, Mais, Blumen, Mehl,
Kräuter, Gewürze und Obst. Es sind verschiedene Hallen nebeneinander aufgereiht
mit massenweise Parkplätzen davor. Wir gehen in einen Laden rein und schauen
uns das Obst an. Wir entdecken Blutorangen und wollen welche haben. Der
Ladenbesitzer kommt dazu und fängt ein Gespräch mit uns an. Er bietet uns sogar
eine zu probieren bevor wir kaufen. Was wir auch machen. Da nirgendwo Preise
stehen, frage ich nach dem Kilopreis. Als Antwort kommt 30 Rial die Kiste
(umgerechnet 6 Euro). Alles wird in Kisten und nicht in Kilos verkauft. Wie
viel da drin ist, möchte ich wissen. Der Meister zuckt mit den Schultern und
meint er wisse es nicht. Sechs Kilo vielleicht? Mist! Was sollen wir mit so
vielen Blutorangen machen? Kiloweise möchte der Meister auf keinen Fall
verkaufen. Der bengalische Kollege will keine haben. Während ich mit dem ägyptischen
Kollegen rede und darüber beraten ob wir uns eine Kiste teilen sollen, spricht
der Bengale mit dem Ladenbesitzer. Irgendwann dreht sich der Bengale zu uns um
und meint:
„Wenn ihr eine Kiste kaufen wollt, die ist jetzt günstiger
geworden.“
„Bitte?“
„Ich habe ihn auf 25 Rial runtergehandelt.“
„Super! Dann nehmen wir eine!“
Während ich bezahle schickt der Ladenbesitzer einen Jungen
um die Kiste zum Auto zu transportieren. Danach fahren wir zu einem türkischen
Restaurant. Es soll eines der teuersten in der Stadt sein und befindet sich
gleich neben dem teuersten Hotel der Stadt. Als wir rein gehen und uns der
Besitzer sieht, begrüßt er uns ganz herzlich. Er schaut mich die ganze Zeit
intensiv an und fängt ein Gespräch mit mir an. Wir setzen uns draußen auf die
Terrasse und werden von Bengalen bedient. Wir bestellen so einiges und die Ober
kommen und gehen. Ab und zu kommen sie und setzen sich dazu und reden mit dem
Kollegen, ihren Landsmann. Auch der Restaurantbesitzer gesellt sich kurz dazu
und wir stellen uns gegenseitig Fragen. Als die Rechnung kommt, stellen wir
verblüfft fest wie wenig wir bezahlen müssen. Hierbei muss erwähnt werden, dass
ein paar Sachen aufs Haus gehen. 1. wegen dem bengalischen Kollegen und 2.
wegen mir. Als Weißer hat man gewisse Vorteile in diesem Teil der Welt. Da ich
bezahle, gebe ich auch, für Saudi, ein gutes Trinkgeld.
Als wir zu Hause ankommen ist es schon dunkel. Ich gehe in
mein Schlafzimmer, schaue aus dem Fenster und werde mit dieser Aussicht
belohnt:
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