Sonntag, 14. September 2014

Teil 30


Es ist früh am morgen und in ein paar Stunden fliege ich von Dammam über Doha nach Athen. Ich bestehe darauf ein Taxi zu nehmen, aber mein Kumpel meint es sei zu gefährlich so wie die Taxler fahren. Ich solle mir lieber eine Limousine bestellen. Die kostet aber wesentlich mehr und ich sehe es nicht ein den vielfachen Preis zu bezahlen. Was soll mir denn passieren? Da ich stur bleibe, fährt mich mein Kumpel zum Flughafen. Die Fahrt von Al Khubar dauert eine Dreiviertelstunde und führt durch Wüstenlandschaft.

Als wir ankommen verabschieden wir uns von einander und ich schleppe mein Gepäck zum Check In. Dort wird es wie immer gewogen, mein Pass und mein Ticket kontrolliert und plötzlich werde ich vom Beamten angeguckt. Ich erschrecke und denke mir, was will er jetzt von mir?

„Sir, Sie haben Übergepäck. Nehmen Sie diesen Zettel und gehen sie zum Schalter um die Ecke um zu bezahlen und kommen dann wieder.“

Mist! Das wird teuer, denke ich mir. Also gehe ich um die Ecke wie mir befohlen wurde und gebe den Zettel ab.

„Das macht 480 Rial“ sagt der Mann nachdem er auf dem Zettel geschaut und etwas in seinem Computer getippt hat.

„Echt, soviel? Über wie viele Kilos sprechen wir?“

„Sieben.“

Mist, es sind die Scheißschulbücher! „Kann ich etwas aus meinem Koffer entfernen, damit es leichter wird?“

„Nein, es ist leider zu spät!“

„Ihr Säcke!“

„Ha?“

„Nichts. Kann ich mit Karte zahlen?“

„Nein. Aber dort drüben gibt es einen Automaten zum Geldabheben.“

„Dreck!“

Also schlendere ich zum Automaten und hebe 500 Rial ab. Ich bezahle die Strafe, bekomme einen Stempel auf den Zettel und darf wieder zurück zum ersten Schalter. Dort wird mir der Zettel abgenommen und eine Boardingkarte gegeben. Ich schaue sie mir an und merke, dass a) ich nur eine anstatt zwei bekommen haben und b) Doha drauf steht. Was ist mit dem Anschlussflug? Ich frage nach einer zweiten Boardingkarte und bekomme als Antwort, dass ich sie in Doha kriegen werde. Hmm… da ist etwas Faul. Das gefällt mir nicht.

Ich gehe durch ein paar Kontrollen und eine halbe Stunde später sitze ich in einem fast leeren Flieger. Ein mulmiges Gefühl begleitet mich die ganze Zeit und sagt mir, dass ich heute nicht in Athen ankommen werde. Gleichzeitig wurmt mich, dass ich fast 100 Euro fürs Übergewicht zahlen musste. Mein Gefühl aber sagt mir, dass die Säcke dafür zahlen werden.

Der Flug ist angenehm und da wir sehr wenige Passagiere sind, ist der Service tadellos. Als wir mit 15-minütiger Verspätung in Doha ankommen, flitze ich schnell zum Gate nach Athen. Dort erwartet mich eine endlos lange Schlange. Mist! Ich gehe an allen vorbei bis zum Steward nach vorne und erkläre ihm meine Situation mit der einen Boardingkarte. Er meint, ich solle mich einreihen und dann zu der Dame weiter hinten gehen. Sie wird mir weiterhelfen. Als ich an der Reihe bin gehe ich zur besagten Dame. Sie schaut sich meinen Pass und mein Ticket an, tippt etwas in ihren Computer, schüttelt den Kopf und meint: „Leider gibt es ein Problem. Nehmen Sie ihren Pass und Ticket und gehen Sie da hinten zum Helpdesk.“

„Was ist los?“ frage ich.

„Gehen Sie zum Helpdesk, dort wird Ihnen geholfen.“

Super! Nicht mal eine Antwort kriegt man.

Am Helpdesk angelangt, sehe ich wie es nur drei Schalter gibt und die Hölle los ist. Ich drehe meinen Kopf und sehe noch drei Schalter wo fast nichts los ist. Beim ersten stehen fünf Leute, beim anderen daneben werde gerade zwei bedient. Ich stelle mich hinter die zwei Personen und warte. Als sie nach fünf Minuten immer noch nicht fertig sind, gehe ich nach vorne, klatsche mit meinem Pass und Ticket auf die Schalteroberfläche und sage: „In 45 Minuten geht mein Flieger nach Athen. Werde ich drauf sein oder nicht? Und falls nicht, warum?“

Die Dame guckt mich an, nimmt meine Dokumente, tippt etwas in ihrem Computer und erzählt mir, der Flieger sei überbucht und ich werde heute hier bleiben, weil es keinen anderen Flug mehr gibt und der Nächste erst morgen Früh geht.

Super! Ich sehe mich wie Tom Hanks im Flughafen übernachten.

„Warten Sie kurz und ich helfe Ihnen weiter.“

Zehn oder so Minuten später ist sie fertig mit den zwei Personen und widmet mir ihre volle Aufmerksamkeit. Sie tippt wieder etwas, schaut mich an und meint: „Das tut uns sehr leid mein Herr, machen Sie sich aber keine Sorgen, denn die Politik der Qatar Air sieht eine Entschädigung vor.“

Und plötzlich entschwinden sämtliche Gewitterwolken, die Sonne kommt raus und ein Strahlen breitet sich langsam auf meinem Gesicht aus wie ich höre was mir die Dame alles so erzählt.

„Sie haben Anspruch auf eine kostenlose Übernachtung mit Abendessen und Frühstück und kostenlosen Transfer. Darüber hinaus können Sie wählen ob Sie einen Scheck über 250 USD haben möchten oder doch lieber ein Upgrade in die Businessklasse. Den Scheck können Sie innerhalb eines Jahres überall auf der Welt eintauschen. Bis wir Ihnen ein Hotelzimmer gefunden haben, können Sie sich in die Businesslounge setzen und wir kommen und holen Sie ab, wenn wir fertig sind.“

Ich bin völlig perplex ob der herrlichen Neuigkeiten und überlege kurz: Der Dollar steht zurzeit sehr schlecht zu Pfund und Euro. Wer weiß ob beim Eintausch Gebühren verlangt werden oder nicht. Wenn der Flieger heute überbucht war, wird der morgen Früh auch voll sein. Fünf Stunden eingepfercht in der Holzklasse? Nein, dann doch lieber Businessklasse.

Die Dame gibt mir ein Ticket für die Lounge und weist mir den Weg. In der Lounge angekommen, werde ich erstmal schief angeschaut, weil ich in Jeans erscheine, mit grauen GEOX Schuhen und einen bordeauxfarbenen Kapuzenpulli auf dem University of Hull draufsteht. Als ich denen mein Ticket für die Lounge zeige, werden die Herrschaften auf einmal extrem freundlich. Kleider machen Leute, nicht war? Genauso ist es. Drinnen ist es wie im Schlaraffenland. Es gibt zu Essen und zu Trinken und alles ist umsonst. Ich schlage mir den Bauch voll und gehe dann hinüber zu den Sofas und Sesseln mit Tischen davor und mache es mir bequem. Ich nehme mein Laptop raus und vertiefe mich in meine E-Mails. Es werden keine störende Ansagen gemacht, sodass man in dieser eigenartig entspannten Atmosphäre leicht das Zeitgefühl verlieren und somit seinen Flieger verpassen kann. Irgendwann kommt die Dame vom Helpdesk und bittet mich ihr zu folgen. Ich gehorche brav und gehe ihr hinterher. Beim Schalter angekommen, überreicht sie mir ein Ticket fürs Hotel, die Boardingkarte für morgen Früh und erklärt mir wie alles ablaufen wird. Da ich mein Gepäck brauche, telefoniert sie ein wenig rum und klärt das für mich. Dann bringt sie mich in eine Halle wo schon ein paar andere Gestrandete warten und geht. Ein paar Minuten später kommt ein Bus und holt uns alle ab und bringt uns zur anderen Seite des Flughafens. Dort gehe ich durch eine Kontrolle und schnurstracks in ein Büro um das mit meinem Gepäck zu klären. Dort wird mir erzählt, dass mir das Gepäck am Nachmittag ins Hotel gebracht wird. Dann gehe ich durch eine andere Kontrolle. In der Halle dahinter gibt es Vertretungen von sehr vielen Hotels. Ich gehe zu meiner Vertretung und überreiche ihnen mein Ticket. Der Herr meint ich solle warten bis a) er ein Taxi organisiert und b) noch ein paar andere Passagiere kommen. Als ich so mitten in der Halle stehe, bemerke ich dass die Frauen hier zwar die Abaya und ein Kopftuch tragen, aber keinen Schleier vorm Gesicht. Faszinierend und gewöhnungsbedürftig. Auch deren Abayas sind in vielen verschiedenen Farben und nicht nur schwarz wie in Saudi.

Endlich kommt der Mann wieder und bringt ein paar Leute mit. Dann gehen wir über die Straße zu einem Taxi das uns zum Hotel fährt. Nach fünf Minuten sind wir da. Wir steigen aus und gehen zur Rezeption. Da Hotel ist ein moderner Glaspalast in einer Büro- und Hotelgegend. Etwas enttäuscht bin ich. An der Rezeption wird ein Angestellter zu gewunken und führt mich zum Zimmer. Es geht mit dem Fahrstuhl zum 12. Stock. Der Angestellte sperrt mir die Tür auf und geht. Ich trete herein, und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Warum? Bilder unten bitte anschauen! Rechts neben dem Eingang befindet sich ein WC. Vor mir erstreckt sich ein langer und breiter Raum. Darin befinden sich: Ein Tisch mit Spiegel. Eine Bar mit Kaffeemaschine und Wasserkocher. Ein Flachbildfernseher. Eine Wohnzimmergarnitur. Ein Esstisch. Wo ist das Bett? Im anderen Raum. Im Raum daneben befindet sich ein sehr großes Schlafzimmer mit großem Bad, Sofa mit herrlichem Ausblick direkt davor und an einer Seite sind all die Schränke. WOW! Danke Qatar Air!


















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