Ich verbringe einige Zeit damit in den geschätzten 80qm hin
und her zu gehen und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich bin schon
öfters in Luxushotels gewesen, aber das hier ist eine Nummer größer und
exklusiver. Auch deswegen liebe ich die arabische Welt. Alles ist größer,
luxuriöser und exklusiver als bei uns. Hier kriegt man was für sein Geld. Ich
warte eine Zeitlang bis mein Gepäck da ist. Ich fühle mich müde und möchte ins
Bett, kann aber nicht, weil die Kontaktflüssigkeiten im Koffer sind. Deswegen
schreibe ich ein paar E-Mails. 2 – 3 Stunden später gehe ich runter zur
Rezeption um nachzufragen ob mein Gepäck schon da ist und es mir nicht gebracht
wurde und ob sie beim Flughafen anrufen könnten um nachzuforschen wo es ist und
bleibt.
Die Dame an der Rezeption weiß von nichts. Sie ruft beim
Flughafen an, aber es geht keiner ran. Mist! Dann frage ich ob wir uns zentral
befinden und ob es hier in der Nähe irgendwelche Sehenswürdigkeiten gibt. Die
Dame meint ich solle einfach aus dem Hotel raus, rechts abbiegen, am Ende der
Straße links und dann wieder rechts. Vor mir werde ich eine Moschee mit
spiralförmigem Turm sehen. Ich solle mich daran richten. Gesagt - getan. Ich
gehe einfach aus dem Hotel raus und folge ihren Anweisungen. Als ich den
spiralförmigen Turm sehe, marschiere ich in dessen Richtung. Ich komme an
Geschäften mit Schuhe und Taschen und Kleidung vorbei, einigen Restaurants und
Handygeschäften. Irgendwann biege ich links ab und sehe vor mir einen Souq. Ich
gehe die Straße entlang und komme an vielen Bekleidungsgeschäften,
Friseurläden, Elektromärkten, etc. vorbei. Dann biege ich wieder irgendwo ab
und ein Geruch steigt mir in die Nase. Ein würziger Geruch der vom Wind direkt
in meine Nase geführt wird. Das Bild ändert sich. Die Szenerie wird schöner, bunter,
traditioneller. Ich bleibe mitten auf einem Platz stehen und lasse meinen Blick
schweifen. Menschen jeglicher Couleur kommen und gehen, Gerüche und Geräusche
kommen aus allen Seiten. Ich möchte ein Foto machen, stecke meine Hände in
meine Jackentaschen und merke erst jetzt, dass ich a) kein Handy, b) keine
Kamera und c) nicht mal die Adresse und den Namen des Hotels dabei habe. Auch
Geld und Papiere habe ich keine dabei. Nur eine Kreditkarte, ein paar
Taschentücher und die Magnetkarte für die Hotelzimmertür auf der nichts steht.
Super! Ich gerate aber nicht in Panik und gehe weiter. Jetzt sehe ich den Turm
wieder über dem Dach eines Gebäudes ragen und bewege mich in dessen Richtung.
Ich erreiche die Moschee und gehe rein in den Hof. Ein paar Menschen huschen an
mir vorbei und verschwinden hinter verschiedenen Türen. Da ich nicht weiß
welche die richtige Tür ist, warte ich ein wenig bis jemand raus kommt oder
rein geht. Als nach einer Minute sich kein Mensch blicken lässt, halte ich nach
Schuhen Ausschau. Vor zwei Türen liegen die meisten Schuhe. Vor der einen
entdecke ich Herrenschuhe. Also ziehe ich meine Schuhe dort aus und gehe rein.
Es sind wenige Männer da, die alle verteilt im großen Raum sind. Ich schaue
mich um und knie mich irgendwohin hin. Es angenehm kühl und ruhig hier drin.
Kein Lärm dringt von draußen her.
Nach meinem Gebet gehe ich wieder nach draußen, ziehe meine
Schuhe an und setze meine Entdeckungsreise fort. Ich komme an einem anderen
Souq vorbei an dem es herrlich duftet. Hier werden Gewürze gehandelt. Ich atme
tief ein. Ah, ist das ein Genuss! Die Gewürze werden in riesigen Säcken zum
Verkauf angeboten und man kann mit einer kleinen Schaufel so viel in die Tüte
rein tun wie man möchte und braucht. Ich gehe weiter und komme an einer Stelle
vorbei an der es mehrere Cafés und Restaurants gibt. So langsam wird es dunkel
und ich muss zurück. Zurück? Wie? Wohin? Wie heißt das Hotel noch mal? Mist! Wo
bin ich gerade hergekommen? Ich schaue mich um und versuche mich zu erinnern
aus welcher Richtung ich gekommen bin. Hmm… alles schaut irgendwie gleich aus.
Scheiße! Was mache ich jetzt? Wo war noch mal dieser spiralförmige Turm? Ich
gehe durch einige Gassen und versuche mich zu erinnern woher ich gekommen bin
und suche gleichzeitig nach dem Turm. So langsam kommt mir einiges bekannt vor.
An jeder Ecke konzentriere ich mich und biege meistens richtig ab. Falls mir
mein Gefühl sagt, ich sei falsch, kehre ich zurück und versuche einen anderen
Weg. Bald sehe ich auch den Turm und gehe auf ihn zu. Von dort wird alles
schwieriger. Dann schlage ich einen Weg ein der sich als komplett falsch
erweist. Ich bemerke es aber nicht sofort, sondern gute 20 Minuten später. Ein
Teil des Weges ist schon richtig, aber danach verliere ich mich in den Gassen.
Den Turm sehe ich auch nicht mehr. Also gehe ich einen Teil zurück bis mir
etwas bekannt kommt. Dann biege ich in eine andere Richtung. Diese Entscheidung
ist die Richtige. Jetzt bin ich auf meinem Pfad. Etliche Minuten später sagt
mir mein Bauchgefühl, dass ich mich ganz in der Nähe des Hotels befinde. Bloß
wo ist das Hotel? Ich schaue mir die hohen Gebäude an und auf einmal kommt mir
der Name des Hotels wieder. Ich gehe in einen Laden rein um zu fragen, aber die
Menschen dort verstehen kein Englisch und mit dem Namen des Hotels können sie
auch nichts anfangen. Sie schicken mich aber in ein anderes Hotel. Dort frage
ich nach dem Weg. Zwei mal links wird mir gesagt. Tatsächlich! Ich biege
zweimal links ab und stehe vor meinem Hotel. Super! Kaum drin, sagt mir die Dame
am Empfang, dass mein Gepäck auch angekommen ist und auf meinem Zimmer auf mich
wartet. Ich gehe auf mein Zimmer und tatsächlich, es ist da. Dann gehe ich zum
Abendessen. Denn auch das Abendessen ist umsonst. Und ich muss sagen es ist
sehr lecker. Danach gehe ich zurück auf mein Zimmer und falle Tod ins Bett.
Der Wecker klingelt sehr früh und es ist dunkel draußen. Da
das Restaurant noch nicht aufgemacht hat, werde ich am Flughafen frühstücken.
Das Taxi kommt auch bald und holt mich und ein paar andere ab.
Am Flughafen gehe ich zum Check-In Schalter und werde von
einer Griechin bedient. Wir unterhalten uns eine Zeitlang auf Griechisch ehe
ich weiter muss. Die Krise und die Arbeitslosigkeit haben sie nach Doha
gebracht. Ich gehe durch die Kontrollen und direkt in die Lounge zum
Frühstücken. Die Atmosphäre hier drin ist ruhig, leger, entspannt. Ich
frühstücke in aller Ruhe und setze mich auf ein Ledersofa und spiele auf meinem
iPad herum. Als ich irgendwann meinen Kopf gen Bildschirm hebe, sehe ich: Final
Call for Athens. Mist! Ich spurte hinaus zum Gate. Mit dem Bus geht es zum
Flieger. Da es mehrere Busse sind, halten sie alle von den verschiedenen Türen.
Mein Bus hält hinten an. Also steige ich ganz hinten im Flugzeug ein. Ich zeige
meine Boardingkarte und die Stewardess meint, ich habe einen langen Weg vor mir
und weist mir mit einer Handbewegung die Richtung nach vorne. In der Mitte des
Flugzeuges, werde ich wieder nach meiner Karte gefragt und wieder heißt es:
Immer nur weiter. Dann komme ich zum Vorhang der die Business- von der
Holzklasse trennt. Dort werde ich angehalten und gemustert und nach meiner
Karte gefragt. Als die Stewardess meine Karte sieht, wird sie freundlicher und
zeigt mir meinen Sitz. Kaum auf meinem Sitz, springt eine zweite Stewardess und
fragt nach meiner Karte. Kaum ist sie weg, kommt ein Steward und verlangt nach
meiner Karte. Ich schaue mich um und sehe, dass a) alle Passagiere der
Businessklasse viel älter als ich sind und b) geschäftsmäßig gekleidet sind.
Ich trage wieder Jeans und meinen bordeauxfarbenen Kapuzenpulli meine Uni,
University of Hull. Dann ist endlich ruhe. Da neben mir keiner sitzt, breite
ich mich aus. Ich spiele ein wenig am Sitz herum und lehne mich gemütlich
zurück und schaue aus dem Fenster runter zur Wüste. Katar und Saudi, zwei
Länder nebeneinander die in vielen Sachen unterschiedlich sind. Bilder des
gestrigen Nachmittags schießen mir durch den Kopf. Frauen die keinen Schleier
vorm Gesicht trugen und mit ihren Männer in den Restaurants, Cafés und Tavernen
saßen und tranken und aßen. Das gibt es in Saudi nicht. Überall arbeiten Frauen
und sie dürfen sogar Auto fahren. Sie tragen aber eine Abaya und Kopftuch.
Der Steward der plötzlich neben mir steht und wissen möchte
was ich zu Essen mag, bringt mich aus meinen Gedanken in die Wirklichkeit
zurück. Man hat eine Auswahl wie in einem Luxusrestaurant.
Die fünf Stunden bis nach Athen vergehen angenehm und
schnell. Ich bekomme allerhand zu essen und zu trinken und mache Bilder von der
Wüste, vom Suezkanal und einigen griechischen Inseln.
Als ich später am Gepäckband stehe frage ich mich: war das
alles nur geträumt oder Wirklichkeit?
Draußen werde ich herzlich in Empfang genommen und kräftig
umarmt.
Felder in der Wüste im Nordwesten Saudis.
Suezkanal
Griechische Inseln
























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