Es ist Nachmittag, wir alle sind in unseren Suiten und
einige von uns ziemlich hungrig. Wir beraten ob wir etwas essen gehen oder
nicht. Geplant ist, dass wir später in die Wüste zum Picknicken gehen. Bloß,
wann das stattfindet, wissen wir nicht genau. Unser Big-Boss aus Kanada und der
Filipino, haben uns abgesetzt und sind irgendwohin gefahren und wir wissen
nicht wo die sind. Einer von uns nimmt sein Handy und versucht den Filipino zu
erreichen. Leider geht er nicht ran. Dann versucht er es beim Big-Boss. Erst
nach einer Weile geht er ran und gibt uns eine wage Antwort ohne Zeitangabe.
Wir übersetzen seine Worte folgendermaßen: Es wird lange dauern bis wir zurück
sind. So beschließen wir zum nächstgelegenen Laden zu laufen und uns was zu
Essen zu kaufen.
In der Tat, es dauert sehr, sehr lange bis der Big-Boss und
der Filipino wieder auftauchen. Zuerst kommt der Big-Boss und einige Zeit
später der Filipino. Wir steigen endlich in die Autos ein, (ich in meiner
Araberkluft die beim Personal und bei den anderen Gästen ganz gut ankommt, es
wurden viele Fotos von mir und mit mir gemacht) und freuen uns, dass wir
endlich in die Wüste fahren. Doch was passiert nach zwei Minuten? Wir fahren
auf dem Parkplatz des nächsten Carrefour und parken dort. Der Filipino
verschwindet im Laden und kommt nach einer halben Stunde wieder. Dann geht’s
endlich weiter.
Wir fahren ca. eine halbe Stunde und biegen irgendwo ab.
Dort wartet ein anderes Auto auf uns. Die Fahrer steigen aus, begrüßen sich und
steigen nach zwei Minuten wieder ein. Dann fahren wir ein wenig im Sand und
kommen zum Stehen. Wir sind da. Wir steigen aus, machen uns mit dem Fahrer des
anderen Autos bekannt, er ist ein Freund unseres Big-Bosses und des Filipinos,
laden alles aus und gehen ein paar Meter. Erst dann wird uns bewusst wo wir eigentlich
sind und bleiben alle auf einmal stehen. Die Aussicht ist phänomenal! Wir sind
nicht nur in der Wüste, wir sind auf einem Hügel von dem man eine grandiose
Sicht über Riad hat. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir gehen bis zum Ende des
Hügels und breiten alles aus. Es wird Feuer gemacht, Decken ausgebreitet, Teller,
Becher, Gläser, Essen, etc. ausgepackt. Das Fleisch wird auf den Grill
geworfen, Salat und Reis sind schon fertig und liegen vor uns. Wir ziehen die
Schuhe aus und setzen uns auf die Decken. Ein frischer Wind weht uns um die
Nasen, gut, dass ich auch eine Jacke mitgenommen habe.
Dann wird endlich gegessen. Es ist schon Mitternacht und
mein Magen knurrt wie verrückt. Da es wie immer kein Besteck gibt, haben wir
einen Kanister mit Wasser um uns die Hände zu waschen. Dann wird reingelangt
was das Zeug hält. Die Atmosphäre ist magisch, ich bin völlig weg von der Aussicht,
den Lichtern in der Ferne, dem Geräusch des Wüstenwindes, dem Feuer, dem Geruch
des Essens. Ein bisschen Melancholie ist auch mit im Spiel, weil wir uns morgen
in alle Winde zerstreuen werden. Schade, dass unser ägyptischer Kollege nicht
da ist. Ich hätte ihn gerne dabei gehabt.
Nach dem Essen gibt es arabischen Kaffee. Die Kanne wird
rausgeholt und auf dem Feuer gestellt. Jetzt kommt jemand auf die Idee etwas zu
singen. Ui, toll! Sagt eine kindliche Stimme in mir. Mist, sagt eine andere.
Wahrscheinlich werde auch ich singen müssen und ich bin nicht gerade berühmt
für meine gewaltige Acht-Oktaven-Stimme.
Die Kollegen beraten sich was sie singen möchten, während
ich in die Ferne schaue. Dann wird es auf einmal ganz ruhig und einer fängt zu
singen an. Es ist, wie bei den Moslems meistens üblich ein religiöses Lied. Ein
wunderschönes Lied. Dann singt ein anderer Kollege ein Liebeslied. Sie haben
schöne, warme Stimmen die mich in eine andere Welt entführen. Ich schaue
abwechselnd ins Feuer, in die Ferne und den Kollegen zu. Dann schließe ich die
Augen und schwebe im sternenvollen Wüstenhimmel. Irgendwann als das Lied zu
ende geht und alle applaudieren, berührt mich einer am Arm und meint, los,
jetzt bist du an der Reihe!
Ich will aber nicht. Ich versuche mich rauszureden, dass ich
eine grässliche Stimme habe, usw. Die Kollegen lassen aber nicht locker und
plötzlich meint einer, ich solle als letzter singen. Dann geht es reihum und
die Atmosphäre wird noch magischer. Es knistert förmlich, es ist
elektrisierend.
Durch das ganze Gesänge bin ich müde geworden und fühle mich
kraftlos. Leider bin ich jetzt an der Reihe etwas zu singen. Was soll ich nur
Singen? Die Bairische Nationalhymne? Inbrünstig? Hmm… Oder die Europäische? Ich
nehme mein iPhone aus der Tasche und suche mir auf Youtube eine Karaokeversion
aus.
O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern lasst uns angenehmere anstimmen,und Freudenvollere.
Die Kollegen schauen mich ratlos an. Ich öle kurz meine
Stimmbänder und singe kraftvoll und unbeirrt weiter.
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,wir betreten feuertrunken,
himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt,
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weiht…
Oh, das ist Magie, ich liebe diese Hymne! Egal ob ich nicht
die richtige Stimme dafür habe, ich singe trotzdem weiter bis zum Schluss. Gott
sei Dank sind die Kollegen begeistert und ich froh, dass es vorbei ist.
Kurz danach, als alle voll, satt und müde sind und der
Wüstenwind noch stärker uns um die Nase bläst, beschließen wir alles
einzupacken und zu gehen. Dann brauchen wir wieder eine halbe Stunde bis nach
Hause. Die Straßen sind leer und mein Blick schweift über die vorbeirasenden
Lichter der Stadt.
Endlich daheim, falle ich hundemüde ins Bett.
Mitternachtspicknick über Riad



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