Es ist Sonntag später Vormittag als ich aufwache und ich
träume immer noch vom Mitternachtspicknick in der Wüste. Mein britischer
Kollege ist schon längst wach und beim Packen. Ich brauche etwas zu Essen. Nach
dem Duschen gehe ich die anderen suchen. Einige sind schon weg zum Frühstücken,
ein paar sind noch da und packen. Wir gehen zum nächstgelegenen Geschäft und kaufen
etwas zum Essen ein. Dann gehen wir zur Suite der Bengalen und frühstücken
ausgiebig. Traurigkeit hängt im Raum. Danach verabschieden wir uns. Die
Kollegen fahren später am Abend nach Mekka für ein paar Tage.
Ich fahre heute nach Al Khubar an die Ostküste in die Nähe
von Dammam einen alten Freund besuchen, den ich nach vielen Jahren über
LinkedIn wiedergefunden habe. Ursprünglich wollte ich mit dem Zug reisen. Es
gibt in Saudi eine einzige Zuglinie und die ist zwischen Riad und Dammam.
Außerdem sind die Züge sehr luxuriös und schnell. Die haben ein System wie die
Flugzeuge. Man muss sein Gepäck abgeben und einchecken, man darf nur bestimmte
Kilos mitnehmen, es gibt verschiedene Klassen und am Ende der Reise nimmt man
es wieder in Empfang. Handgepäck ist erlaubt. Außerdem ist es sehr günstig Bahn
zu fahren. Leider ist gerade Ferienzeit ist es ist alles ausgebucht. Da ich
nicht fliegen möchte, beschließe ich mit dem Bus zu fahren. Es gibt VIP-Busse
die einen Abholen und am Zielort bis zur Haustür bringen. Im Bus gibt es mehr
oder weniger die Hälfte der Sitzplätze eines normalen Busses und es wird einem
ein Komfort angeboten wie in der First- oder Businessklasse eines Flugzeuges.
Ist zwar ein teurer Spaß, aber ich möchte es mir gerne gönnen. Leider geht keiner
ans Telefon. Ich versuche es zehn Mal und gebe auf. Also bleibt der normale Bus
übrig.
Mit dem Taxi geht es zum Busbahnhof. Ich halte ein Taxi vorm
Hotel an und frage was es kostet. Der Taxler mustert mich und nennt einen
überteuerten Preis. Ich verhandle was das Zeug hält, aber er geht nicht runter.
Dann kommt ein anderes Taxi vorbei und ich halte es an. Wieder dasselbe Spiel.
Ich dränge darauf mit der Uhr zu fahren und der Fahrer willigt ein. Am Ende
kostet mich die halbstündige Fahrt ca. 10 Euro. Am Busbahnhof angekommen,
stehen Asiaten mit Kofferwägen bereit. Für 2 Rial, ca. 50 Cent transportiert
mir einer das Gepäck. Er bringt mich zum Schalter und da es ein wenig
pressiert, weil der Bus in ein paar Minuten losfährt, geht er am Schalter nach
vorne und erzählt dem Ticketverkäufer irgendwas was ich nicht verstehe. Dann
dreht er sich um und verlangt das Geld von mir. Ich bezahle und bekomme den
Fahrschein. Dann rennen wir durch die Halle zum Bus. Am Bus bin ich einer der
letzten der einsteigt. Dort gebe ich dem Asiaten noch ein gutes Trinkgeld und
steige hinten im Bus ein. Kaum drin, sehe ich dass er voll ist. Das kann ja
heiter werden! Auf dem Ticket steht keine Platznummer. Ich schaue mich nach
einem freien Platz um, aber schon höre ich den Fahrer rufen: „Doktor! Doktor“
Er macht eine Handbewegung und signalisiert, dass ich nach vorne soll. Er
schickt einen Araber nach hinten und platziert mich hinterm Fahrersitz. Neben
mir sitzt ein Pakistaner und direkt gegenüber seine Frau und seine Tochter.
Die Fahrt beginnt. Er geht durch die Wüste. Ca. 450Km nichts
als Wüste. Es ist traumhaft und atemberaubend. Ich freue mich wie ein kleines
Kind und wahrscheinlich bin ich der einzige im Bus der sich so fühlt.
Ich unterhalte mich eine zeitlang mit dem Pakistaner und er
versorgt mich mit gekühlten Getränken von der Kühlbox des Busses die vor den
Sitzen seiner Frau und Tochter ist. Irgendwann nicken wir beide ein. Nach drei
Stunden Fahrt machen wir eine Pause. Es ist ein Tankstellengelände mitten im
Nichts. Es gibt eine Moschee, einen Teeladen, einen kleinen Supermarkt und ein
Restaurant mit Imbiss. Ich möchte etwas essen, aber es gibt nur Kabsa. Also
verzichte ich. Die Passagiere verteilen sich. Einige gehen zum Beten, andere
zum Teetrinken und andere zum Essen. Ich gehe ein wenig spazieren und genieße
die Aussicht. Dann kommt ein Afrikaner daher und fängt ein Gespräch an. Er
kommt aus Eritrea sagt er, studiert in Riad und sei jetzt auf dem Weg nach
Dammam Freunde zu besuchen. Er möchte von mir so einiges wissen und fragt ob
ich wisse wo Eritrea liege. Ja, das weiß ich. Als ich ihm erzähle, dass ich ein
Patenkind in Äthiopien habe, guckt er mich mit großen Augen an. Leser meines
Romans „Nachts…..“ kennen die Geschichte. Da ruft schon der Busfahrer zur
Weiterfahrt.
Noch mal drei Stunden später kommen wir in Dammam an. Dort
gehe ich aus dem Bahnhof raus auf der Suche nach meinem Freund der mich abholen
kommt. Vorm Eingang stehen Taxifahrer die alle möglichen Städtenamen rufen:
Riad! Mekka! Medina! Alles am Arsch der Welt. Gibt es tatsächlich Leute die
1000+ Km mit dem Taxi fahren? Da entdecke ich meinen Kumpel. Wir fahren zuerst
ins Zentrum von Dammam etwas essen. Wir gehen in ein Steakhaus. Alles edel da
drin, eine ganz andere Welt. Eine westliche Welt, nicht so wie in Ar’ar. Auch
die Preise sind eher westlich orientiert. Mit ca. 12 – 13 Euro pro Person ist
es immer noch günstiger als in Europa, aber wesentlich teurer als in Ar’ar.
Danach fahren wir zum Compound wo er wohnt. Es ist mein erstes Mal in einem
Compound. Ich habe viel darüber gelesen und gehört, aber jetzt muss ich sagen
bin ich enttäuscht. Schön einen Pool vor der Haustür zu haben, eventuell ein
Fitnesscenter, einen Billardraum, etc, aber das ganze wirkt zu steril. Außerdem
leben hier nur Westler. Kontakt zu Arabern und zur arabischen Welt hat man kaum
bis gar nicht. Nicht so wie wir es in Ar’ar hatten, wo wir mit den Arabern
gelebt haben.
Die nächsten zwei Tage vergehen ruhig. Da mein Kumpel
arbeiten muss. Bin ich bis zum frühen Nachmittag alleine. Ich gehe ein wenig in
der Gegend spazieren, entdecke aber nichts Interessantes.
Am Nachmittag gehen wir in ein Restaurant essen. Westliche
Kette, Namen möchte ich nicht verraten. Hier sehe ich einen gewaltigen
Unterschied zu Ar’ar. Als es Betenszeit ist, werden wir nicht aufgefordert das
Lokal zu verlassen. Die Tür wird verriegelt, die Vorhänge werden zugezogen, und
drinnen wird weiterserviert. Oha! Dasselbe erlebe ich einen Tag später wieder.
Anscheinend ist das hier normal.
Dann treffen wir einen Freund meines Freundes. Wir holen ihn
beim Sheraton Hotel ab. Während wir auf dem Parkplatz warten bestaunen wir all
die Ferraris, Maseratis, Porsches, Lamborghinis, alle in weiß. Als der Freund
endlich da ist fahren wir Spazieren, gehen Kaffee, bzw. Teetrinken und fahren
zur Corniche und durch eine Villengegend. Alle Achtung was hier für Paläste
stehen! Da es in der östlichen Provinz das meiste Öl gibt, leben hier sehr
viele Reiche und Superreiche. Ich fühle mich etwas eigenartig. Bis vorgestern
war ich in einer arabischen Kleinstadt mitten in der Wüste und heute bin ich
von Luxus umgeben. Irre das ganze! Und faszinierend. Ich komme aus dem Staunen
nicht mehr raus.
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