Sonntag, 1. Juni 2014

Teil 15

Was macht man in einem Land in dem es kein Kino, kein Theater, keine Oper, keine Diskothek und keine Bars gibt und keine Konzerte stattfinden? Nun, für jemanden der aus der westlichen Welt kommt und sich an die westliche Lebensweise gewöhnt hat wird es schwer sein sich umzugewöhnen. Für manche kann es ein Schock sein wenn sie erfahren, dass es all das hier nicht gibt, andere jedoch merken es am Anfang nicht, wundern sich später aber schon darüber. Menschen die dem Alkohol nicht abgeneigt sind und gerne ein Bier oder glas Wein beim Essen trinken, werden sich hier schwer tun. Saudi ist in dieser Hinsicht ein trockenes Land. Alkohol ist strengstens verboten und allen Berichten zum trotz, gibt es ihn nicht mal in den Hotels für ausländische Gäste. In manchen Nachbarländern jedoch, gibt es Alkohol in gewissen Hotels für Ausländer. Es ist auch verboten Alkohol in jeder erdenklichen Form einzuführen. Wird man erwischt, landet man sofort im Kerker. Da springt von irgendwoher ein kleinwüchsiger arabischer Grenzbeamter auf einen, reißt einen runter, schreit etwas Unverständliches auf Arabisch und man öffnet seine Augen wieder in einer Zelle bei Wasser und Brot. Na ja, vielleicht nicht ganz so, aber man landet schon im Gefängnis.

Es ist nicht so, dass man auf sein Bier verzichten muss, man findet überall bleifreies. Hier habe ich zum ersten Mal eine so große Auswahl an alkoholfreiem Bier gesehen. Marken die es auch bei uns gibt, weil sie teilweise Deutsch sind, offerieren hier Biervarianten in verschiedenen Geschmacksrichtungen mit Apfel, Zitrone, Himbeeren, etc. die es bei uns nicht zu kaufen gibt. Auch alkoholfreien Wein habe ich gesehen.

In der Freizeit kann man in Cafés gehen, in größeren Städten gibt es westliche Ketten wie Starbucks, in Restaurants, auch hier sind etliche westliche Ketten im Land vertreten, man kann Sport treiben, in Parks spazieren gehen, Sehenswürdigkeiten besuchen oder mit den Saudis in die Wüste gehen. Dort kann man auf Kamelen reiten, campen, im Zelt übernachten, grillen, etc. Viele Saudis fahren übers Wochenende raus in die Wüste, schlagen ihr Zelt auf und verbringen dort eine schöne Zeit mit Familie oder Freunden.

Wenn man Essen gehen möchte, eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Land, hat man wirklich die Qual der Wahl. In Ar’ar jedenfalls gibt es keine westlichen Ketten. Kein McDoof, kein Burger King, kein Pizza Hut, Applebee’s, etc. Hier erlebt man Arabien pur. Klar gibt es hier Fast-Food, aber eher in Dönerbudenform. Die Restaurants sind in zwei Gruppen unterteilt. Eine mit Tischen und Stühlen und eine ohne. Die meisten in Ar’ar werden traditionell gehalten und haben keine Tische und Stühle. Man sitzt auf dem Boden. Es gibt nicht mal Besteck. Als Westler hat man es schwer wenn man nicht gewöhnt ist mit den Händen, bzw. Fingern zu essen. Ich esse so einiges mit den Fingern und Händen, außer den Reis, da habe ich den Dreh noch nicht raus. Deswegen frage ich nach Besteck und bekomme welches aus Plastik. Meine Kollegen jedoch, essen ganz normal ohne. In den Restaurants gibt es kleine Zimmer mit Türen in denen man sich reinsetzt um zu essen. Die Schuhe werden ausgezogen und vor der Tür des Zimmerchens gelassen. Je nach Restaurant sind die Wände verschieden hoch und aus unterschiedlichem Material. Die können bis zur Decke reichen und aus Stoff sein, oder aus Ziegel und etwa mannshoch.
So kommt es öfters vor, dass wir Köpfe unserer Studenten über den Mauern sehen, wenn wir in einem Restaurant sind. Da wir Lehrer die einzigen in der Stadt sind die Englisch miteinander sprechen, bleiben unsere Studis stehen wenn sie uns hören. Natürlich wird sofort bescheid gegeben welche Lehrer wo grad beim Essen sind und so erfährt es die ganze Schule.
Drinnen sitzt man auf einem Teppich und lehnt sich auf Kissen. So bleibt man unter sich und wird nicht von Tischnachbarn gestört. Der Kellner bringt das Essen und setzt es auf eine Papiertischdecke die auf dem Boden ausgebreitet und meistens auch mit einer Klarsichtfolie beschichtet ist.

Zu essen gibt es Kabsa. Es ist das Nationalgericht der Araber. Was es genau ist und wie es aussieht kann man hier sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kabsa Mir hängt es mittlerweile zum Halse raus und kann das Zeug nicht mehr sehen. Leider gibt es das in der Cafeteria des Polytechnikums jeden Tag. Ich weigere mich und nehme was anderes, wenn es denn was anderes gibt. Einmal kam ich zu spät und es gab leider nur Kabsa, also nahm ich widderwillig einen Teller davon. Da fragte mich der Koch:

„Do you like Kabsa?“

„Des Kabsa-zeigl konnst dia sonst wohi schmiern, aber leider hob i heit koa andre Woi“ antwortete ich auf Bairisch.

„Ha?“ fragte der Koch.

„Oh, yes, I love it!“ erwiderte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Der Koch freute sich, schwang seine Kelle und gab mir noch mehr Kabsa.

Nun, es gibt Restaurants die nur Kabsa anbieten. Andere die auch andere Sachen anbieten, aber Freitagnachmittag kurz nach dem Gebet nur Kabsa verkaufen. So ist es manchmal schwer etwas zu essen zu finden. Meine moslemischen Brüder haben kein Problem damit und können es jeden Tag essen.

Die Portionen sind in diesem Land riesig. Von einem Teller können locker zwei Menschen satt werden. Deswegen bestellt nicht jeder für sich selbst, sondern es wird für alle bestellt, das Essen wird in der Mitte gestellt damit sich jeder bedienen kann. Kamelfleisch ist hier eine Spezialität. Man muss sich aber an den Geschmack gewöhnen. Ist nicht jedermanns Sache. Was es hier nicht gibt ist Schweinefleisch.

Wir gehen jedes Wochenende auswärts essen. Es ist sehr günstig im Restaurant zu essen, deswegen tun wir uns das Kochen nicht an. Im beliebten Safa-Restaurant kann man ab 2 Euro essen. Eine Dose Cola kostet 40 Cent. Woanders ist es ein wenig teurer. Einmal waren wir zu dritt in einem türkischen Restaurant, das zu den teuersten der Stadt gehört und haben inklusive Trinkgeld 19 Euro ausgegeben. Zusammen und nicht pro Person!


                                Essen!!!

                                Die einzigen Tische in diesem Restaurant.

                                Hier gibt's die Nachspeise.

                               Die Decke des Restaurants.

                                ESSEN!!!

                                 Tür zum Zimmerchen.

                               Zwei Kollegen im Zimmerchen.


                                 Restaurant Außenansicht.

                               Anderes Restaurant von innen. Zimmerchen mit mannshohen Mauern.

                                                 Ich beim Essen.

                               Kollegen beim Essen.

                               Kollegen beim Essen im Al-Bustan Hotelrestaurant. Das teuerste der Stadt.


                               Pool in Al-Bustan Hotelrestaurant.

                               Kronleuchter im Al-Bustan Hotelrestaurant.

                               Nach dem Schlemmern.

                                Lehrer Theo beim Essen in der Cafeteria.

                               Hier gibt's Kabsa.

                               Cafeteria-Essen.


 
                                Al-Bustan Hotelcafé.

 
                                Ich Teetrinker!


2 Kommentare:

  1. You're doing it wrong, man.
    Wenn man in so einem Land ist, dann muss man sich eben entscheiden, gewisse Dinge zu mögen oder nicht zu mögen.
    Kino, Disko, Ausgehen usw. mag man nicht. Alkohol mag man auch nicht. Alkoholfreies Bier ist doch auch nicht das richtige, dann lieber gleich nur Orangensaft trinken.

    Und bei der kulinarischen Auswahl: Entscheide Dich, Kabsa zu mögen. Nimm mehr, auch den Nachschlag noch!

    Alles im Leben hat seine Zeit. Jetzt ist Zeit für Kabsa und O-Saft. Es wird auch eine Zeit geben mit Bier und anderem Essen.

    ;-)

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    1. Ich habe nichts gegen O-Saft, trinke jeden Tag einen frisch gepressten. Kabsa schmeckt auch, aber wenn man das Zeug drei wochenlang täglich isst, dann kann man es nicht mehr sehen.
      Was Disko usw angeht, tut nicht weh, wenn man es nicht hat. Inoffiziell gibt es eh alles :)
      Ich beschwere mich nicht, ganz im Gegenteil, ich liebe Saudi! Deswegen bleibe ich länger hier.

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