Es ist nicht so, dass man auf sein Bier verzichten muss, man
findet überall bleifreies. Hier habe ich zum ersten Mal eine so große Auswahl
an alkoholfreiem Bier gesehen. Marken die es auch bei uns gibt, weil sie teilweise
Deutsch sind, offerieren hier Biervarianten in verschiedenen
Geschmacksrichtungen mit Apfel, Zitrone, Himbeeren, etc. die es bei uns nicht
zu kaufen gibt. Auch alkoholfreien Wein habe ich gesehen.
In der Freizeit kann man in Cafés gehen, in größeren Städten
gibt es westliche Ketten wie Starbucks, in Restaurants, auch hier sind etliche
westliche Ketten im Land vertreten, man kann Sport treiben, in Parks spazieren
gehen, Sehenswürdigkeiten besuchen oder mit den Saudis in die Wüste gehen. Dort
kann man auf Kamelen reiten, campen, im Zelt übernachten, grillen, etc. Viele
Saudis fahren übers Wochenende raus in die Wüste, schlagen ihr Zelt auf und
verbringen dort eine schöne Zeit mit Familie oder Freunden.
Wenn man Essen gehen möchte, eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen
im Land, hat man wirklich die Qual der Wahl. In Ar’ar jedenfalls gibt es keine
westlichen Ketten. Kein McDoof, kein Burger King, kein Pizza Hut, Applebee’s,
etc. Hier erlebt man Arabien pur. Klar gibt es hier Fast-Food, aber eher in
Dönerbudenform. Die Restaurants sind in zwei Gruppen unterteilt. Eine mit
Tischen und Stühlen und eine ohne. Die meisten in Ar’ar werden traditionell
gehalten und haben keine Tische und Stühle. Man sitzt auf dem Boden. Es gibt
nicht mal Besteck. Als Westler hat man es schwer wenn man nicht gewöhnt ist mit
den Händen, bzw. Fingern zu essen. Ich esse so einiges mit den Fingern und
Händen, außer den Reis, da habe ich den Dreh noch nicht raus. Deswegen frage
ich nach Besteck und bekomme welches aus Plastik. Meine Kollegen jedoch, essen
ganz normal ohne. In den Restaurants gibt es kleine Zimmer mit Türen in denen
man sich reinsetzt um zu essen. Die Schuhe werden ausgezogen und vor der Tür
des Zimmerchens gelassen. Je nach Restaurant sind die Wände verschieden hoch
und aus unterschiedlichem Material. Die können bis zur Decke reichen und aus
Stoff sein, oder aus Ziegel und etwa mannshoch.
So kommt es öfters vor, dass wir Köpfe unserer Studenten
über den Mauern sehen, wenn wir in einem Restaurant sind. Da wir Lehrer die
einzigen in der Stadt sind die Englisch miteinander sprechen, bleiben unsere
Studis stehen wenn sie uns hören. Natürlich wird sofort bescheid gegeben welche
Lehrer wo grad beim Essen sind und so erfährt es die ganze Schule.
Drinnen sitzt man auf einem
Teppich und lehnt sich auf Kissen. So bleibt man unter sich und wird nicht von
Tischnachbarn gestört. Der Kellner bringt das Essen und setzt es auf eine
Papiertischdecke die auf dem Boden ausgebreitet und meistens auch mit einer
Klarsichtfolie beschichtet ist.
Zu essen gibt es Kabsa. Es ist das Nationalgericht der
Araber. Was es genau ist und wie es aussieht kann man hier sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kabsa
Mir hängt es mittlerweile zum Halse raus und kann das Zeug nicht mehr sehen.
Leider gibt es das in der Cafeteria des Polytechnikums jeden Tag. Ich weigere
mich und nehme was anderes, wenn es denn was anderes gibt. Einmal kam ich zu
spät und es gab leider nur Kabsa, also nahm ich widderwillig einen Teller
davon. Da fragte mich der Koch:
„Do you like Kabsa?“
„Des Kabsa-zeigl konnst dia sonst wohi schmiern, aber leider
hob i heit koa andre Woi“ antwortete ich auf Bairisch.
„Ha?“
fragte der Koch.
„Oh, yes, I love it!“ erwiderte ich mit einem breiten
Grinsen im Gesicht.
Der Koch freute sich, schwang seine Kelle und gab mir noch
mehr Kabsa.
Nun, es gibt Restaurants die nur Kabsa anbieten. Andere die
auch andere Sachen anbieten, aber Freitagnachmittag kurz nach dem Gebet nur
Kabsa verkaufen. So ist es manchmal schwer etwas zu essen zu finden. Meine
moslemischen Brüder haben kein Problem damit und können es jeden Tag essen.
Die Portionen sind in diesem Land riesig. Von einem Teller
können locker zwei Menschen satt werden. Deswegen bestellt nicht jeder für sich
selbst, sondern es wird für alle bestellt, das Essen wird in der Mitte gestellt
damit sich jeder bedienen kann. Kamelfleisch ist hier eine Spezialität. Man
muss sich aber an den Geschmack gewöhnen. Ist nicht jedermanns Sache. Was es
hier nicht gibt ist Schweinefleisch.
Wir gehen jedes Wochenende auswärts essen. Es ist sehr
günstig im Restaurant zu essen, deswegen tun wir uns das Kochen nicht an. Im
beliebten Safa-Restaurant kann man ab 2 Euro essen. Eine Dose Cola kostet 40
Cent. Woanders ist es ein wenig teurer. Einmal waren wir zu dritt in einem
türkischen Restaurant, das zu den teuersten der Stadt gehört und haben
inklusive Trinkgeld 19 Euro ausgegeben. Zusammen und nicht pro Person!
Essen!!!
Die einzigen Tische in diesem Restaurant.
Hier gibt's die Nachspeise.
Die Decke des Restaurants.
ESSEN!!!
Tür zum Zimmerchen.
Zwei Kollegen im Zimmerchen.
Restaurant Außenansicht.
Anderes Restaurant von innen. Zimmerchen mit mannshohen Mauern.
Ich beim Essen.
Kollegen beim Essen.
Kollegen beim Essen im Al-Bustan Hotelrestaurant. Das teuerste der Stadt.
Pool in Al-Bustan Hotelrestaurant.
Kronleuchter im Al-Bustan Hotelrestaurant.
Nach dem Schlemmern.
Lehrer Theo beim Essen in der Cafeteria.
Hier gibt's Kabsa.
Cafeteria-Essen.
Al-Bustan Hotelcafé.
Ich Teetrinker!
You're doing it wrong, man.
AntwortenLöschenWenn man in so einem Land ist, dann muss man sich eben entscheiden, gewisse Dinge zu mögen oder nicht zu mögen.
Kino, Disko, Ausgehen usw. mag man nicht. Alkohol mag man auch nicht. Alkoholfreies Bier ist doch auch nicht das richtige, dann lieber gleich nur Orangensaft trinken.
Und bei der kulinarischen Auswahl: Entscheide Dich, Kabsa zu mögen. Nimm mehr, auch den Nachschlag noch!
Alles im Leben hat seine Zeit. Jetzt ist Zeit für Kabsa und O-Saft. Es wird auch eine Zeit geben mit Bier und anderem Essen.
;-)
Ich habe nichts gegen O-Saft, trinke jeden Tag einen frisch gepressten. Kabsa schmeckt auch, aber wenn man das Zeug drei wochenlang täglich isst, dann kann man es nicht mehr sehen.
LöschenWas Disko usw angeht, tut nicht weh, wenn man es nicht hat. Inoffiziell gibt es eh alles :)
Ich beschwere mich nicht, ganz im Gegenteil, ich liebe Saudi! Deswegen bleibe ich länger hier.