Anes merkte schon von weitem, dass die Tanke zu sein würde,
und tatsächlich, alles dicht. Ein paar Autos standen rum und warteten. Wir
fuhren auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus auf die
Autobahn. Super, dachte ich mir. So komme ich schneller ins Bett. Als wir im
hohen Tempo durch die Nacht rasten und dem Gesang des Muezzin lauschten,
schloss ich für einen kurzen Moment die Augen und entschwebte in einem Traum
von 1001 Nacht. Die Tortur der fast 2-stündigen Einreise war auf einmal sehr weit
weg. Irgendwo habe ich gelesen, dass man bei der Frage nach der Religion
unbedingt eine angeben sollte, sonst kann es Ärger geben. Ich überlegte mir
kurz mir einen Spaß zu erlauben und Pastafarianism hinzuschreiben, aber dann
kamen wieder die Szenen vom Kerker in den Filmen ‚Im Juli’ und ‚Midnight
Express’. Also schrieb ich brav Christ hin.
Anes’ Satz, Lass uns frühstücken gehen! Brachte mich aus
entfernten Fantasien ganz schnell in den kalten Morgengrauen Riads zurück. Wie
bitte? Hat er einen Vogel? Ich bin seit über 30 Stunden wach, flog über drei
Kontinente und möchte so schnell wie möglich ins Bett. Außerdem habe ich einmal
im ersten Flieger was gegessen, dann war ich im Kairoer Flughafen bei Burger
King und hatte kurz nach Mitternacht noch mal das Vergnügen zu speisen. Mein
Magen ist voll und verträgt nichts mehr. Nix da! Mein Filipino zeigte sich sehr
entschlossen und duldete keine Widerrede. Nach 20-minütiger wilder Fahrt über
extrabreite Autobahnen kamen wir im Hotel an. Er gab mir eine halbe Stunde mich
im Zimmer einzurichten und frisch zu machen.
Als wir von der Autobahn in ein Neubaugebiet abbogen sah ich
schon die ersten Hotels. Hohe Gebäude aus Glas, alles was Rang und Namen hat,
eines nach dem anderen aufgereiht, mit Springbrunnen, usw. Mein Filipino machte
aber keine Anstallten in eines der großen Namen abzubiegen und fuhr weiter.
Irgendwann hielten wir vor einem Gebäude dass außer dem Erdgeschoß, zwei Etagen
hat. Auf der Fassade war der Name des Hotels in großen Neonbuchstaben, daneben
die Telefonnummer und an den Ecken ging eine grüne Beleuchtung nach oben. Oh
Gott, wie eine Bahnhofsabsteige schaut der Kasten aus!
Die Lobby jedoch bot ein völlig anderes Bild. Flauschig und
gemütlich. Der Herr am Empfang sprang aus seinem Schlaf, begrüßte Anes, nahm
den Schlüssel, gab ihn ihm und wir stiegen in den Fahrstuhl zur 2. Etage. Als
er die Tür aufsperrte blieb mir die Spucke weg. Was mich verwunderte war nicht
etwa die Ausstattung, nein, das Zimmer war zwar spartanisch aber schön
eingerichtet, es lag vielmehr an der Größe. Was mir vorhin schon auf der
Autobahn und im Viertel auffiel, treffe ich hier wieder an. Das Zimmer ist
riesig! Kein Vergleich zu den winzigen Zimmern die wir in Europa oder sonst wo
haben. 30qm sind keine Untertreibung. Anes ging runter zur Lobby und lies mich
allein. Zur Einrichtung gehörten: ein Doppelbett 2x2, zwei Nachtkästchen, ein
Flachbildfernseher, ein Schrank, zwei Sessel mit Tisch, ein Kühlschrank, ein
Tisch mit großem Spiegel.
Als ich die Tür zum Badezimmer öffnete erblickte ich im
wahrsten Sinne des Wortes ein Zimmer. 15qm! Die Dusche allein war 5qm.
Ich schaute mich noch kurz um bevor ich das Zimmer verließ
um in den Lift zu steigen. Keine Heizkörper, nur Klimaanlagen. Modelle die ich
vorher nie gesehen hatte.
Unten warteten zwei Mitarbeiter von Anes mit denen er auf
Geschäftsreise war. Die mussten wir nach Hause fahren und dann ging es zum
Frühstücken. Die zwei aus Bangladesch stiegen hinten ein und wollten so einiges
von mir wissen. Die Fragerei störte mich einerseits, weil ich nicht viel von
der Landschaft mitbekam – immerhin ging langsam die Sonne auf, anderseits war
es gut, denn Anes fuhr wie ein Verrückter und die Beiden lenkten mich ab. Als
die Beiden ausgestiegen waren, war es schon hell. Wir fuhren an Baustellen vorbei
und bevor ich fragen konnte, erzählte Anes, dass das ganze Land sich im Bau
befindet. Überall wird heftig und fleißig gebaut. Die Petrodollars werden
investiert. Ich bin bis jetzt immer noch von den Straßen und deren Zustand
begeistert. Gut asphaltiert und sehr breit. Auch in Wohnvierteln, was bei uns
30er Zone und eng mit Schikanen ist, ist hier zehn Meter breit, aber mit Erhebungen
die einem zum bremsen zwingen. Das fiese dabei ist deren Farbe die man nicht
von der Fahrbahn unterscheiden kann. Wer so eine Erhebung nicht rechtzeitig
sieht, tut sich und seinem Auto weh.
Als wir so durch die noch leeren Straßen düsten, meinte
Anes, dass die Leute hier wie die Verrückten fahren. Es wird gerast, gehupt,
überholt, sich in jede noch so kleine Lücke gequetscht, abgebogen ohne zu
blinken, nebeneinander gefahren, Fahrbahn einfach so gewechselt, usw. Mich
erinnerte das Ganze an einem PlayStation Autorennen. Viele der Autos haben
Kratzer und Beulen.
Wir parkten vor einer Reihe von Geschäften und gingen in ein
Lokal rein. Es war sehr, sehr schlicht. Weiße Wände mit Kacheln bis zu einer
Höhe von fast zwei Metern, Metalltischen und Holzstühlen, Papiertischdecken,
Karaffen mit Wasser und Boxen mit Papiertücher. Wir gingen uns die Hände
waschen und Anes bestellte etwas das nach nicht mal zwei Minuten kam. Eine
Blechpfanne mit Linsensuppe, ein Fladenbrot, zwei Tees und zwei Laban – saures
Milchgetränk. Gegessen wurde ohne Besteck. Man nimmt kleine Stücke vom
Fladenbrot und taucht sie in die Linsensuppe ein. Das Brot wird praktisch zum
Löffel. Die saure Milch ist etwas gewöhnungsbedürftig, ich kenne sie aus
Griechenland und von meinen türkischen Freunden. Der Tee schmeckte sehr lecker.
Habe gleich einen zweiten bestellt. Um uns herum saßen nur Männer die
verstohlen auf mich schauten. Ich konnte es mir nicht verkneifen und Bilder vom
Frühstück zu machen.
Da das Fotografieren in diesem Land eine heikle
Angelegenheit ist, habe ich meine schwere Canon DSLR zu Hause gelassen und bin
mit zwei Blackberries und einer Casio Exilim unterwegs. Fällt nicht so auf.
Auf dem Weg zurück ins Hotel war der Verkehr etwas
lebhafter. Es fuhren viele Busse durch die Gegend. Zwei Typen habe ich
wahrgenommen: Amerikanische Schulbusse und alte Kleinbusse für ca. 20 – 25 Personen,
die bei uns nicht durch den TÜV gekommen wären. Anes meinte, dass im Sommer
wegen der Hitze die Schule schon um 6 Uhr morgens losgeht, aber in diesen Bussen werden Menschen
zur Arbeit gefahren. Darüber beim nächsten Mal mehr.
Im Zimmer angekommen fiel ich tot ins Bett. Kaum
eingeschlafen, fing der Muezzin seine Predigt und entführte mich in eine andere
Welt, weit weg von allem das ich bisher kennenlernen durfte.
Keine Wischi-Waschi-Klimaanlage, sondern ein leistungsstarkes Teil.
Frühstück á la Arabesque.
Brot. Hmmm.... lecker!


und du willst mir damit also sagen dass der Anes noch schlimmer fährt als die Griechen, ja? Naja, war wohl zu befürchten ;-)
AntwortenLöschenWie in einem Videospiel. Mit 150 über die Stadtautobahn, mit 100 durch die Stadt, abruptes Bremsen, abruptes Fahrbahnwechseln, dichtes Auffahren, in letzter Sekunde die Ausfahrt nehmen und das über 3 Fahrspuren hinweg, etc. Und er hat nicht mal den Gurt an.
LöschenIch habe mich jedes Mal am Türgriff festgekrallt und gebetet, dass wir lebend ankommen.
Nichts für schwache Nerven.